Alle Beiträge zum Thema'6. Zinsentwicklung'

Feb
06

EZB als Staatenfinanzierer und Bankensanierer
Während die europäischen Politiker wöchentlich von einem Krisenmeeting zum anderen stürmen und sich besonders die Situation um Griechenland immer stärker zuspitzt, verhält sich die Europäische Zentralbank (EZB) unaufgeregt und ruhig. Wenig ist derzeit von Herrn Draghi zu hören und das ist kein Zufall. Hat doch die EZB mit der Bereitstellung von rund 500 Mrd. Euro für drei Jahre zu einem Zinssatz von 1% an die europäischen Banken längst ihren Beitrag zur Abarbeitung der Krise geleistet. Längst hat die Notenbank mit ihren Prinzipien gebrochen und ist in das Geschäft der Staatenfinanzierung und der Bankensanierung eingestiegen. Kein Wunder also, dass die Refinanzierung von Spanien, Frankreich und Italien gerade im kurzen Laufzeitbereich in den ersten Wochen des Jahres plötzlich wieder zu niedrigeren Zinssätzen möglich war und auch erfolgreich verlaufen ist. Dank der billigen Refinanzierung durch die EZB ergeben sich für die Banken wunderbare Zinsüberschüsse. Indirekt finanziert also die EZB zusätzlich zu den offiziellen Aufkäufen von Staatsanleihen auch auf diesem Wege die Defizite der schwächeren Euroländer. Zumindest für Italien, Spanien und Frankreich hat das zu einer erheblichen vorläufigen Entspannung geführt. Ganz anders die Situation in den Top-Krisenländern Griechenland und Portugal. Dort haben die Marktteilnehmer bereits ihr finales Urteil gefällt. Griechische Staatsanleihen handeln je nach Laufzeit nur noch bei 20-40% ihres Nominalwertes. Das heißt, dass niemand mehr an die Rückzahlung zu 100% glaubt und inzwischen ein Schuldenschnitt von rund 70% unterstellt wird. Bemerkenswert ist nur, dass der mit wahrscheinlich rund 100 Mrd. Euro inzwischen größte Gläubiger, nämlich die EZB, sich an den Umschuldungsverhandlungen mit Griechenland gar nicht beteiligt und so tut, als ob sie ihren Einsatz, den sie bei den Aufkäufen der vergangenen zwölf Monate geleistet hat, wieder zurückbekommt. Im Kern baut sich allerdings in der Bilanz der EZB ein drastischer Abschreibungsbedarf auf, der am Ende von den Steuerzahlern in den Mitgliedsländern getragen werden muss. Spätestens am 20. März, wenn Griechenland 15 Mrd. Euro für eine fällige Staatsanleihe an seine Gläubiger überweisen muss, ist der Tag der Wahrheit. Diese 15 Mrd. Euro werden nämlich vom Rettungsfonds kommen müssen, kurz in Griechenland eingebucht, um dann sofort zum größten Teil wieder ins Ausland überwiesen zu werden. Nicht „die Griechen“ profitieren also von dieser Hilfe, sondern hauptsächlich die Anleihehalter im Ausland und die griechischen Banken, die diese Papiere halten.

Lösungsdruck für Griechenland wächst, Portugal nächster Krisenkandidat
Bis März muss es also eine Lösung zum Thema Umschuldung geben. Wichtig wird sein, ob Griechenland am Ende aber die Auflagen und Nebenbedingungen für diesen Schuldenschnitt akzeptieren kann und das Volk dies auch will. Ein überraschender Konkurs oder Austritt Griechenlands aus dem Korsett des Euros kann kommen, wenn sich die Positionen festfahren und Herr Papademos die Kontrolle über sein Land verliert. Um das zu verhindern, müsste die Politik final den großen Wurf machen, der aus vier Maßnahmen besteht: 1) drastische Entschuldung inklusive der Forderungen der EZB, 2) Euro-Quarantäne für Griechenland für 7-10 Jahre – d.h. Einführung einer Währung, die in einer bestimmten Bandbreite zum Euro mit einem deutlich tieferen Einstiegskurs handelt. 3) Investitionsförderung der EU für die Restrukturierung der griechischen Wirtschaft, 4) tiefgreifende Reform der griechischen Verwaltung und des Steuerregimes. Nach der Quarantäne würde dann eine Wiederaufnahme geprüft werden. Zu befürchten ist, dass alle bisher diskutierten Lösungen immer zu kurz gedacht sind und dem Land nicht helfen, die Probleme zu lösen. Beide Vorgehensweisen sind mit enormen Kosten für die europäischen Länder verbunden. Der zweite Weg würde aber zumindest die Chance auf Erfolg haben.

Der Lösungsdruck wird dabei von Woche zu Woche größer, da sich mit Portugal gerade das zweite Land anschickt, den „griechischen Weg“ zu gehen. Die portugiesischen Staatsanleihenzinsen liegen bereits nahe an 20% und das Signal der Märkte sagt jetzt schon, dass keine Hoffnung besteht, dass Portugal ohne Schuldenschnitt über die Runden kommt. Spanien könnte als Nächster unter Druck geraten. Die Politik der kleinen Trippelschritte, so wie sie derzeit von der europäischen Politik geübt wird, reicht längst nicht, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Womit wir wieder bei der EZB wären. Während die Politik wie ein angeschlagener Boxer von einer Ecke des Ringes in die andere taumelt, hat die EZB die Seile gespannt, die den Boxer vor dem Sturz bewahren und immer wieder in die Mitte des Rings zurückwerfen. Nullzinspolitik im Geldmarkt, Aufkäufe von Staatsanleihen, Refinanzierungslinien für die Banken, Manipulation der langfristigen Kapitalmarktzinsen – alle Register werden gezogen, um den Boxer im Ring zu halten.

Baufinanzierungskunden profitieren weiter
Für den Immobilienfinanzierungskunden hat das weiterhin nur gute Konsequenzen. Die Baugeldzinsen scheinen auf historisch tiefem Zinsniveau 2012 einzementiert und haben nur wenig Spielraum nach oben. Deutsche Staatsanleihen bleiben als Hort der Sicherheit gefragt und das drückt auch die Zinsen für Baugeld. Damit ist vorerst der Baufinanzierungskunde in Deutschland der große Profiteur der Euro-Krise. Denn ohne die Krise wären die Zinssätze in Deutschland – bezogen auf unsere eigene Konjunkturentwicklung – zumindest 2-3 Prozentpunkte höher. Diese historische Chance sollte daher genutzt werden, solange sie besteht.

Jan
18

Effektivzins für 10-jährige Baukredite sinkt deutlich unter 3 Prozent / Optimaler Zeitpunkt dank niedrigem Refinanzierungszins

Das Jahr 2012 beginnt vielversprechend für Immobilienkäufer und Bauherren: Die Pfandbriefrenditen – ein wichtiger Indikator für die Entwicklung von Baugeld – haben ein Rekordtief erreicht. Vergangenen Freitag lag die sogenannte DGZF-Rendite für zehnjährige Pfandbriefe bei 2,40 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit dessen Veröffentlichung 1980. “Einige Banken kalkulieren bereits mit diesem niedrigen Pfandbriefniveau, d.h. Häuslebauer und Eigenheimerwerber in Deutschland haben nun die Gelegenheit zu historisch günstigen Zinskonditionen zu finanzieren”, weiß Benjamin Papo, Vorstand bei der Interhyp AG.

Langfristige Konditionen wie Hypothekenzinsen entstehen durch Angebot und Nachfrage am Anleihemarkt. Als Orientierungsgröße für Entstehung und Verlauf der Baugeldzinsen eignet sich daher die Renditeentwicklung von deutschen Staatsanleihen und Pfandbriefsätzen wie die DGZF-Pfandbriefkurve. Um auf eine effektive Topkondition zu kommen, sind zum DGZF-Satz je nach Bank ab 0,30 Prozentpunkte Marge dazu zu rechnen.

“Der Großteil der Interhyp-Bankpartner passt seine Konditionen täglich an. Damit haben Immobilienkäufer Gelegenheit, unmittelbar von den jüngsten Marktentwicklungen zu profitieren und ihr Eigenheim zum absoluten Tiefpreis zu finanzieren. Seit Anfang dieser Woche sind Immobilienkredite mit zehnjähriger Sollzinsbindung für sogar unter 3,0 Prozent effektiv erhältlich – das ist so günstig wie noch nie”, erklärt Papo. Aber auch für Kapitalanleger ist die jetzige Situation ideal: Die niedrigen Zinsen wirken sich positiv auf die Finanzierungsbedingungen und dementsprechend auf die langfristig erzielbare Rendite aus.

Papos Empfehlung für Immobilienkäufer und Eigenheimbesitzer mit baldigem Finanzierungsbedarf lautet: “Angesichts vielerorts steigender Immobilienpreise sollten Interessenten mit Kaufwunsch nicht länger warten, sondern aktiv werden. Dabei gilt es, die sehr niedrigen Zinsen für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern und so doppelt zu profitieren: Von einer geringen Darlehensrate bei gleichzeitig hoher Kalkulationssicherheit.”

Quelle: Zinsprognose 2012 der Interhyp AG vom 17.01.2012

Jan
17

Ein bewegtes Jahr in Bezug auf die Entwicklung der Baugeldzinsen liegt hinter uns. Während sich von Jahresbeginn bis Mitte April der durchschnittliche Zins für Baufinanzierungen um ca. 0,50 Prozentpunkte verteuerte, fiel er bis Jahresende um fast einen Prozentpunkt. Die Tiefststände bei Baufinanzierungszinsen vom Herbst 2010 sind annähernd wieder erreicht. Hintergrund war die sich verfestigende Schuldenkrise im europäischen Raum: Investoren flüchteten aus Anleihen schwächerer Schuldner in Anleihen von Ländern exzellenter Bonität, zu denen unter anderem auch Deutschland zählt. Infolgedessen sanken die Renditen dieser Staatsanleihen auf neue Tiefststände. Banken in Deutschland, die sich am Pfandbriefmarkt refinanzieren, profitierten von diesem allgemein vergünstigten Zinsniveau und gaben die Finanzierungsvorteile in Form günstigerer Baufinanzierungskonditionen weiter. Andere Anbieter, wie z.B. Versicherungsunternehmen, die Kundengelder in Form von Baufinanzierungen anlegen, sahen sich gezwungen, ebenfalls günstigere Konditionen anzubieten.

Um abschätzen zu können, wie sich die Zinsen in den nächsten Monaten entwickeln werden, bietet es sich an, auf die wichtigsten makroökonomischen Gegebenheiten einzugehen: Die Politik hat es leider immer noch versäumt, den Ankündigungen eines Rettungsschirms konkrete Taten folgen zu lassen. Diverse europäische Regierungen haben zwar umfangreiche und teils einschneidende Sparprogramme beschlossen, dies wird jedoch in 2012 zunächst zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesen Ländern führen. Wachstumsimpulse – auch von Seiten der Weltwirtschaft – gibt es derzeit noch nicht. Durch den nachlassenden Inflationsdruck (sinkende Wirtschaftsleistung sowie sinkende Preise für Rohstoffe) ist es wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank im ersten Halbjahr 2012 erneut den Leitzins senken wird.

Wie kritisch die Schuldensituation europäischer Staaten selbst von europäischen Banken eingestuft wird, zeigt, dass sich europäische Banken Ende Dezember fast Euro 500 Mrd. durch einen Drei-Jahres-Kredit bei der EZB geliehen haben, dieses Kapital aber nicht untereinander verliehen, was Ziel der EZB-Aktion war. Stattdessen parken die Banken das Geld in fast gleicher Höhe wieder über Nacht bei der EZB. Ursache dafür ist die Befürchtung, verliehenes Geld nicht zurück zu bekommen, weil viele Banken in Staatsanleihen investiert sind, die aufgrund von Staatspleiten oder Abstufungen durch Ratingagenturen einen Wertverlust erleiden würden, und diese Banken dann das Geld nicht mehr zurückzahlen könnten.

Auf Seiten der Staaten sehen sich europäische Schwergewichte wie Italien oder Spanien derzeit hohen Zinssätzen bei Refinanzierungen von Staatsschulden gegenüber, wohingegen Deutschland – aufgrund der guten Bonität – gerade eine sechsmonatige Anleihe platzieren konnte, bei der Investoren keine Zinsen fordern. Diese Ungleichgewichte werden auf Dauer keinen Bestand haben. Sollte es die europäische Politik in den nächsten Monaten nicht schaffen, wieder das Vertrauen der Kapitalmärkte zu gewinnen, sodass sich systementscheidende Länder wie Italien oder Spanien langfristig wieder deutlich günstiger
refinanzieren können, wird die EZB keine andere Möglichkeit haben, als Anleihen im unbegrenzten Maße am Markt aufzukaufen bzw. als Sicherheiten von Banken zu akzeptieren, um das Zinsniveau in diesen Ländern zu drücken. Andernfalls wäre ein Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion aufgrund von Staatspleiten die Folge. Sollte sich die EZB zu diesem Schritt entscheiden, hätte dies auch zur Folge, dass Investoren massiv Kapital aus deutschen Staatsanleihen abziehen und das allgemeine Zinsniveau – somit auch für Baufinanzierungszinsen – wieder deutlich ansteigt.

Auf Jahressicht erwarten wir für die Zinsentwicklung 2012 steigende Zinsen. Ob dies schnell oder eher langfristig geschieht, wird von den Handlungen der europäischen Politik und der EZB in den nächsten Wochen/Monaten abhängen. Insgesamt kann festgehalten werden, dass der deutsche Baufinanzierungsmarkt derzeit eine Sonderkonjunktur erlebt. Kunden, die jetzt oder auch in der Zukunft (Umschuldungen) finanzieren müssen, sollten sich das aktuell günstige Niveau mit langfristigen Zinsbindungen sichern. Bei der optimalen Ausgestaltung Ihrer Baufinanzierung unterstützen unsere Berater gerne. Sprechen Sie uns einfach an.

Tendenz:
Kurzfristig: Seitwärts schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de

Jan
10

Euro-Krise wird auch das Jahr 2012 bestimmen
Im abgelaufenen Jahr 2011 haben Baugeldkunden in Deutschland massiv von der Schuldenkrise in Euroland profitiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deutsche Bundesanleihen von internationalen Investoren als letzter Hort der Sicherheit innerhalb des Euroraumes gesehen werden. Nicht nur die Flucht aus den Staatsanleihen der bekannten Krisenländer Griechenland, Portugal und Spanien, sondern auch Verkäufe von italienischen und französischen Staatstiteln haben die Zinsen in diesen Ländern auf Niveaus steigen lassen, die wir seit 1994 nicht mehr gesehen hatten. Also zu einer Zeit, als die einzelnen Länder in Europa noch eigene Währungen hatten und die Währungsunion nur eine Absichtserklärung war. Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und die vermeintliche Haushaltsdisziplin lassen daher deutsche Bundesanleihen als letztes gutes Risiko erscheinen und die hohe Nachfrage hat die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen unter 2% und die Verzinsung von einjährigen Staatstiteln auf nahe 0% fallen lassen. Bei einer gleichzeitig vorherrschenden Inflationsrate von rund 2,5% wird jedoch klar, dass diese Zinsniveaus derzeit weniger von rationalen Überlegungen der Investoren als vielmehr von Angst und Panik über die Zukunft des Euroraumes getrieben werden. Die Investoren akzeptieren bewusst eine deutlich negative Realverzinsung, um eventuelle Kapitalverluste aus Engagements in schwächeren Ländern zu vermeiden. Diese Verluste können bei Euroländern, die in Insolvenzgefahr geraten und deren Zinsen nach oben explodieren, plötzlich 75% des Einsatzes ausmachen, wie das Beispiel Griechenland zeigt. Dazu kommen noch die Befürchtungen, dass bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion die dann entstehenden neuen Währungen der Krisenländer signifikant an Wert verlieren würden. So lange die Marktteilnehmer daher die Lösungsversuche der europäischen Politiker als unzureichend bewerten, bleibt es bei einer Zinslandschaft, die den eigentlichen ökonomischen Fundamentaldaten in den Mitgliedsländern überhaupt nicht entspricht, ja sogar diametral entgegensteht. Das derzeit konjunkturell starke Deutschland hat viel zu tiefe Kapitalmarktzinsen und die mit Rezession kämpfenden Südländer und Frankreich sehen sich aus ihrer Sicht viel zu hohen Kapitalmarktzinsen gegenüber, die Investitionen und die Finanzierung bestehender Schulden praktisch unmöglich machen. Damit wird auch schnell verständlich, dass es der Politik in 2012 dringend gelingen muss, den Glauben an die Fähigkeit aller Mitgliedsländer wiederherzustellen, dass diese ihre Schulden bedienen können. Je länger die Zweifel darüber bestehen bleiben, desto länger wird diese Zinsdivergenz bestehen bleiben und es ist völlig ausgeschlossen, dass unter diesen Umständen die Krisenländer in der Lage sein werden, den Spagat zwischen Budgetkonsolidierung und Wirtschaftswachstum zu schaffen. Ein Land nach dem anderen wird dann zum Transferempfänger und zum unwiderruflichen Sanierungsfall. Und es ist auch klar, dass sich Deutschland vielleicht ein Griechenland, aber nicht fünf davon leisten kann.

Baugeldkonditionen könnten steigen
Da die Politik Zeit braucht, um die schwierigen Anpassungen in den europäischen Verträgen hin zu einer integrierten Wirtschafts- und Finanzpolitik zu schaffen, kommt in 2012 der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Schlüsselrolle zu. Die Notenbank muss das System am Laufen halten, um den Kollaps zu vermeiden. Die ihr zur Verfügung stehenden Mittel sind Geld zu drucken und die Zwischenfinanzierung der Staaten sicherzustellen. Dazu wird sie die Leitzinsen tief halten und mehr und mehr Staatsanleihen schwacher Länder aufkaufen. Wir gehen also davon aus, dass die EZB die Schleusen öffnen wird. Dann sollte es zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen „Short Krisenländer – long Bundesanleihen“ schließen und die Belastungen für Deutschland über Transferleistungen in den folgenden Jahren drastisch zunehmen würden. Die Zinsprognose 2012 könnte deshalb auch zu einem deutlichen Anstieg der Baugeldkonditionen in Deutschland im Laufe des ersten Halbjahres 2012 führen.

Langfristige Zinssicherheit ist oberstes Gebot
Im späteren Jahresverlauf gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die langfristigen Kapitalmarktzinsen in Euroland grundsätzlich sehr tief zu halten, um einen Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. Eine Vorgehensweise, wie sie auch schon von der amerikanischen und britischen Zentralbank praktiziert wird. Das sollte im Verlauf der Zinsentwicklung 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zu Gute kommen. Das Gebot der Stunde heißt aber: die aktuellen historisch tiefen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben. Damit wird die Immobilieninvestition mit Kalkulationssicherheit versehen und zukünftige Verwerfungen an den Kapitalmärkten können ohne Stress für die Finanzierung des eigenen Heimes beobachtet werden.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 06.01.2012

Dez
29

Mit 2011 geht ein Jahr historisch niedriger Zinsen für Bauherren und Immobilienkäufer zu Ende. Interhyp nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, um auf die wichtigsten Marktentwicklungen und deren Folgen für Baugeld-Konditionen einzugehen und gibt Tipps, worauf Häuslebauer und Eigenheimbesitzer in 2012 achten sollten.

IMMOBILIENMARKT – Angebotsmangel, steigende Preise und Steuern
In Zeiten geringer Guthabenverzinsung, hoher Inflation und volatiler Aktienmärkte haben viele Deutsche auf die als sicher geltende Immobilie gesetzt. So war das Jahr 2011 von einer starken Immobiliennachfrage geprägt, die vor allem in Ballungszentren zu steigenden Preisen geführt hat: Laut Marktbericht des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wurden beispielweise bei Bestandswohnungen in München Preissteigerungen von 9,7 Prozent seit dem Frühjahr erreicht. Auch in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg ist der Markt stellenweise wie leergekauft, entsprechend ähnliche Preisentwicklungen sind dort zu sehen.

In solch umkämpften Immobilienmärkten ist es wichtiger denn je, schnell und verbindlich einen Kauf zusagen zu können. Interhyp hat auf diesen veränderten Markt reagiert und bietet seit diesem Jahr einen neuen Service an, die VorausBeratung: Kaufinteressenten klären mit ihrem Interhyp-Berater bereits ohne konkretes Objekt ihren Finanzierungsbedarf, um mit einem fertigen Finanzierungskonzept in der Tasche ihre Chance auf den Zuschlag für ihre Wunschimmobilie zu erhöhen.

Neben dem vielerorts ausgeprägten Mangel an Immobilien wird zudem in 2012 auch deren Erwerb in einigen Bundesländern teurer: Die Grunderwerbsteuer steigt auf fünf Prozent in Schleswig-Holstein (ab Januar), Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (voraussichtlich zum 1. März), Berlin (zum 1. April), und Mecklenburg-Vorpommern (voraussichtlich Mitte 2012).

Interhyp rät: Wer die Möglichkeit hat, sein Kaufvorhaben noch vor den geplanten Erhöhungen unter Dach und Fach zu bringen, sollte sich beeilen. Immobilienkäufer, die vor der Steueranhebung den Kaufvertrag unterschreiben, zahlen den bisherigen Satz – und können so leicht mehrere Tausend Euro sparen.

BAUGELD – Auch 2012: niedrige Zinsen, langfristig sichern
Robert Haselsteiner, Zinsexperte der Interhyp AG, analysiert das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2012: “In 2011 haben Baugeldkunden in Deutschland massiv von der Schuldenkrise in Euroland profitiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deutsche Bundesanleihen von internationalen Investoren als letzter Hort der Sicherheit innerhalb des Euroraumes gesehen wurden. Nicht nur die Flucht aus den Staatsanleihen von Krisenländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien, sondern auch Verkäufe von italienischen und französischen Staatstiteln haben die Zinsen in diesen Ländern auf Niveaus steigen lassen, die wir seit 1994 nicht mehr gesehen hatten.

Falls also die Schleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) in den nächsten Monaten geöffnet werden, sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen ‚Short Krisenländer – long Bundesanleihen‘ schließen und die Belastungen für Deutschland über Transferleistungen in den folgenden Jahren drastisch zunehmen würden. Das könnte in Deutschland auch zu einem deutlichen Anstieg der Baugeldkonditionen in den ersten Monaten von 2012 führen.

Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen in Euroland sehr tief zu halten, um den Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. Das sollte im Verlauf von 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zugutekommen.”

Bei der Zinsentwicklung 2012 heißt das Gebot der Stunde aber auf jeden Fall: Die aktuell historisch tiefen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben. Damit wird die Immobilieninvestition mit Kalkulationssicherheit versehen und zukünftige Unwägbarkeiten an den Kapitalmärkten können ohne Stress für die Finanzierung des eigenen Heimes beobachtet werden. Interhyp rät zudem, neben möglichst langen Zinsfestschreibungen von 15 Jahren oder mehr eine anfängliche Tilgungshöhe von mindestens zwei Prozent zu vereinbaren. So nutzen Immobilienkäufer die niedrigen Zinsen für eine schnelle Entschuldung.

Quelle: Pressemitteilung der Interhyp AG vom 28.12.2011

Dez
16

Die letzten Tage waren wieder einmal von besonderen Nachrichten gekennzeichnet. Der EU-Gipfel war nicht in der Lage, eine große Lösung unter Einbeziehung aller EUMitglieder zu präsentieren, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat, wie gemeinhin erwartet, die Leitzinsen gesenkt. Die aktuellen Beschlüsse des EU-Gipfels sehen nunmehr eine Schuldenbremse vor. Die Neuaufnahme von Schulden soll begrenzt werden. Kenngröße ist hier das Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes. Diese Regelung soll in die nationalen Verfassungen aufgenommen werden. Sofern ein Mitgliedsstaat höhere Defizite hat, muss der EU-Kommission ein Reformprogramm vorgelegt werden. Deren Umsetzung soll streng überwacht werden. Diese Vereinbarung wird leider nur von einem Teil der EU-Staaten mitgetragen. Durch sehr weitgehende Forderungen behinderte insbesondere Großbritannien eine Einigung im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten. Zwischenstaatliche Verträge sollen nun bis März nächsten Jahres vorliegen.

Zusätzlich wurden auch kurzfristige Maßnahmen beschlossen, die den Euro stabiler machen sollen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen weitere 200 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, damit dieser strauchelnden Eurostaaten beistehen kann. Die Mittel sollen von den Zentralbanken kommen. In der Deutschen Bundesbank gibt es dazu aktuell rechtliche Bedenken. Die Bundesbank will deshalb einen weiteren Beschluss des Bundestages bewirken.

Angela Merkel ist mit den ausgehandelten Kompromissen sehr zufrieden. Etliche Experten fordern aber weiterhin den unbeschränkten Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Die deutsche Regierung wehrt sich nach wie vor vehement dagegen. Es ist leider sehr unwahrscheinlich, dass die Gipfelergebnisse allein die Probleme für die Zukunft lösen können.

In diesen schweren Krisenzeiten unterstützt auch die EZB die Politik bei der Lösung der Euro-Krise. Sie senkte den Leitzins. Durch diese Maßnahme sollen vor allem die schwächelnde Konjunktur gestützt werden und Banken, die wegen der Schuldenkrise besonders betroffen sind, Hilfe erhalten. Wir gehen davon aus, dass die EZB diese Niedrigzinspolitik auch in 2012 weiterführen wird. Der EZBChef Mario Draghi erteilte dem umfangreicheren Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ebenfalls eine Absage. Inwieweit er diese Position halten kann, wenn Eurostaaten in echte Notsituationen geraten, z.B. weil sie kein frisches Geld mehr bekämen und deshalb zahlungsunfähig wären, bleibt abzuwarten.

Baufinanzierungskunden konnten sich in den letzten Wochen mit sehr billigen Krediten eindecken. Diejenigen, die auch noch eine lange Zinsbindung gewählt haben, haben jetzt für die gesamte Laufzeit ihrer Finanzierung keine Zinssorgen mehr. Je nach Tagesmeldung kann sich der aktuelle Zins um einiges bewegen. In der mittleren und längeren Frist sprechen sowohl die Unsicherheit zu den Renditen von Staatsanleihen als auch die künftigen Regelwerke für Banken und Versicherungen dafür, dass die Baufinanzierungskosten steigen werden. Wir raten daher allen Kunden, günstige Phasen zu nutzen, um sich die günstigsten Finanzierungsbedingungen zu sichern. Ihr Berater unterstützt sie hierbei natürlich sehr gern. Sprechen sie uns einfach an.

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Dr. Klein & Co. AG vom 15.12.2011 auf Zinsentwicklung.de

Dez
07

Baugeldvermittler Enderlein erwartet weiterhin günstige Zinsen und hohe Nachfrage nach Objekten

Das Jahr 2012 bringt für heutige und künftige Immobilieneigentümer einige Veränderungen. Der Baugeldvermittler Enderlein aus Bielefeld hat die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

Steuer: Vermietungen an Angehörige einfacher
Wer eine Immobilie besitzt und im Objekt Wohnungen an Familienangehörige vermietet, kann sich ab 2012 laut Enderlein über Vereinfachungen freuen. Hintergrund ist das Steuervereinfachungsgesetz. Wenn eine Immobilie an nahe Verwandte vermietet wird, entfallen ab Januar die Prognoserechnungen über die Gewinnerzielungsabsicht für die kommenden 30 Jahre. Voraussetzung: Es muss ein üblicher Mietvertrag geschlossen werden und die Miete muss mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete ausmachen.

Wohneigentumsprogramm bei preiswerten Immobilien besser
Beim Wohneigentumsprogramm (124/134) der KfW wird der maximale Finanzierungsanteil der Gesamtkosten ab 2012 von 30 Prozent auf 100 Prozent erhöht, der Förderhöchstbetrag wird dagegen von 75.000 Euro auf 50.000 Euro verändert. „Für alle Immobilien bis zu 166.000 Euro Kaufpreis bringt dies dem Eigennutzer daher de facto mehr Geld“, rechnet Manfred Hölscher vor. Ab einem Kaufpreis von 170.000 Euro steht der Käufer hingegen künftig etwas schlechter da als bei der noch bis zur Jahresende gültigen Förderung.

Grunderwerbsteuer: Mehrausgaben beim Immobilienkauf in 2 Bundesländern
Ab 1. Januar und 1. März 2012 schrauben auch Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die Grunderwerbsteuer von 3,5 auf 5 Prozent. „Besonders Kapitalanleger, die in größere Objekte investieren, werden die Steuererhöhung zu spüren bekommen“, sagt Manfred Hölscher. Die höheren Kaufnebenkosten haben insgesamt jedoch keinen übermäßigen Einfluss auf die Rendite. Wichtiger sei die Objektzustand und die künftige Vermietbarkeit. Für Eigennutzer, die eine Immobilie kaufen, hält sich die Teuerung in Grenzen. Bei einem Appartement für 100.000 Euro müssen ab Januar 1.500 Euro einmalig mehr berappt werden.

KfW: Förderung nur noch bei Energieeffizienz
Ab Januar 2012 ist es nicht mehr möglich, allgemeine Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen über das KfW-Wohnraum Modernisieren (Nr. 141) zu finanzieren. „Lediglich wenn es sich um energieverbessernde Maßnahmen handelt, können zinsgünstige Kredite beantragt werden“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Nach seinen Worten können Immobilienbesitzer durch das Zinstief allerdings auch normale Modernisierungskredite vergleichsweise zinsgünstig abrufen. Für Kreditsummen zwischen 5.000 und 60.000 Euro seien beispielsweise spezielle Modernisierungs- und Energiedarlehen mögliche Alternativen. Die Zinsen liegen derzeit bei etwa 5 Prozent. Baugeldvermittler helfen Kreditnehmern durch den Angebotsdschungel.

Altersgerechter Umbau weiterhin mit Förderung
Anders als vorgesehen, führt die KfW Bankengruppe die Förderung von altersgerechtem Umbau 2012 fort. In 2011 können Eigentümer, Mieter oder Wohnungsunternehmen Förderkredite noch zu besonders günstigen Zinssätzen über die Hausbanken (besser die Finanzierungsinstitute) beantragen. Die Hausbanken (siehe wie vor) können die Anträge zu den aus Mitteln des Bauministeriums verbilligten Zinssätzen zwischen 1,00 und 1,56 Prozent noch bis 16. Dezember 2011 bei der KfW einreichen. Der maximale Kreditbetrag beträgt 50.000 Euro pro abgeschlossener Wohneinheit. Wie hoch die Zinsen ins 2012 sein werden, steht noch nicht fest.

Zinsenentwicklung 2012: Anhaltend gute Aussichten für Kreditnehmer
Nachdem die Zinsen für Immobilienkredite 2011 ein neues Allzeittief erreicht haben, können Immobilienkäufer bei der Zinsentwicklung 2012 grundsätzlich ebenfalls mit niedrigen Zinsen für Darlehen rechnen. „Durch die enormen Unsicherheiten auf den Märkten ist eine Vorhersage der Konditionen kaum möglich. Es allerdings davon auszugehen, dass die Zinsen für Darlehen zwischen 3 und 4 Prozent zu haben sind. Junge Kreditnehmer mit hohem Finanzierungsbedarf sollten zu Krediten mit Zinsbindungen von mindestens 10 Jahren greifen, besser sind jedoch 15 oder 20 Jahre. Zudem sind Anfangstilgungen von mindestens 2 Prozent empfehlenswert.

Preisentwicklung Immobilien
2012 ist laut Enderlein mit einer anhaltend starken Nachfrage nach Immobilien zu rechnen. „Die Unsicherheit an den Märkten wird dafür sorgen, dass Privatpersonen und Investoren gleichermaßen in Sachwerte investieren“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Die Preise für Immobilien dürften weiter leicht anziehen.

Quelle: Pressemitteilung der Enderlein & Co. GmbH vom 06.12.2011

Dez
06

EZB-Käufe werden kommen
Der Druck auf Angela Merkel nimmt täglich zu. Nicht nur die Anleger auf den Finanzmärkten treiben seit Wochen die Renditen von Spanien und Italien zu neuen Höchstständen und erzwingen damit kurzfristige Antworten der Politik. Auch die europäischen Politiker selbst erhöhen den Druck auf Deutschland, seine gewohnten Prinzipien aufzugeben. Nicolas Sarkozy kämpft um die Chance einer Wiederwahl bei den kommenden Präsidentschaftswahlen und versucht den unmöglichen Spagat zwischen Verschonung seiner Wähler und Sparmaßnahmen, die ihm das AAA-Rating für sein Land retten könnten. Den Ausweg hat er schon längst gefunden und so versucht er seit Wochen Angela Merkel davon zu überzeugen: Die Europäische Zentralbank (EZB) muss die Schleusen aufmachen und sicherstellen, dass alle Euroländer ihre Staatsfinanzierung durch Aufkäufe der EZB sichern können. Die nächste rhetorische Attacke kam am Mittwoch von Währungskommissar Oli Rehn. Der stellte sich plötzlich vor die Fernsehkameras und erklärte, dass sich das Schicksal des Euro in den nächsten zehn Tagen entscheiden werde. Damit haben alle Marktteilnehmer begonnen, die Tage runterzuzählen. Der Druck für Merkel und Sarkozy, bis zum Gipfel am nächsten Wochenende eine wahrhaft umfassende Lösung zu präsentieren, ist noch einmal dramatisch gewachsen. In gegenseitiger Abstimmung haben die großen Notenbanken der Welt die Refinanzierung für Banken günstiger gemacht und damit eine Kursrally an den Börsen ausgelöst, da immer mehr Investoren inzwischen glauben, dass das der nächste Hinweis auf die “große Lösung” ist: Die uneingeschränkte Erklärung der EZB, dass sie alle Anleihen von Krisenstaaten kaufen wird, die ihr angeboten werden. Immer noch hält Frau Merkel an ihrer Rhetorik fest, dass sie weder Eurobonds noch EZB-Käufe zulassen wird. Tatsache ist aber, dass sie fünf vor zwölf einknicken und das für sie einfach zu argumentierende Eingreifen der Notenbank zulassen wird. Schließlich ist die EZB ja “unabhängig”. Wenn die EZB daher bereit ist, diesen Schritt zu gehen, so kann das Frau Merkel gar nicht verhindern. Vielmehr wird sie sich dafür feiern lassen, dass sie die “Pest”, nämlich Eurobonds, die direkt den Kredit Deutschlands unterminieren würden, verhindert hat.

Schulden werden weginflationiert
Es wird auch argumentiert werden, dass damit die Zeit gewonnen wird, um nachhaltige Änderungen in den EU-Verträgen umzusetzen – mit automatischen Sanktionen und harten Strafen für Sünder. Was passiert aber mit den enormen Staatsschulden, die ja aufgrund von Sparprogrammen, schwächerer Konjunktur und damit ausfallenden Steuereinnahmen zumindest in den nächsten zwei Jahren eher weiter ansteigen werden, bevor eine Chance besteht, über die mittelfristigen Wirkungen einen tatsächlichen Rückgang der Neuverschuldung oder gar einen Schuldenabbau zu sehen? Mit dem Eingreifen der EZB wird im letzten großen Wirtschaftsraum das Projekt “weginflationieren der Schulden” gestartet. Die USA machen das schon seit zwei Jahren vor. Die Notenbank setzt bei der Zinsentwicklung 2012 die kurzfristigen Zinsen auf Null und manipuliert dann auch für die Zinsentwicklung 2013 die langfristigen Zinsen für Staatsanleihen durch massive Aufkäufe gegen Null. Damit finanziert der Staat sich zu minimalen Kosten und kann auch eine exorbitante Staatsschuld locker bedienen. Parallel steigen die Preise durch eine immer größere Geldmenge, die im Umlauf ist (die Notenbank druckt ja schließlich Geld, um die Staatsanleihen kaufen zu können). Inflation entsteht. Das heißt aber auch, dass die Wirtschaft nominal wächst, auch wenn real davon nichts übrigbleibt. Die Staatsverschuldung hat im Nenner das nominale Bruttoinlandsprodukt. Im Zähler steht der nominale Schuldenstand. Sind die Zinsen für eine längere Periode extrem tief bzw. deutlich unter der Inflationsrate, dann wird der Zähler im Vergleich zum Nenner kleiner. Die Verschuldungsquote sinkt.

Aber wer bezahlt für diese “Rückführung der Verschuldung”? Jeder Sparer. Egal ob er direkt Staatsanleihen mit extrem tiefer Rendite kauft, einen Rentenfonds, eine Kapitallebensversicherung oder ein Tagesgeld- oder Sparkonto bei der Bank hat. Schon jetzt handeln deutsche Bundesanleihen mit einjähriger Laufzeit bei 0% Rendite. Zehnjährige Bundesanleihen liegen knapp über 2%. Rechnet man davon noch die Steuer ab, bleiben bestenfalls 1,5% übrig bei jetzt schon 2,5% Inflationsrate in Deutschland. Das Spiel hat also schon längst begonnen. In England liegt die Inflationsrate bereits bei 5% und die zehnjährigen Staatsanleihen rentieren bei 2,2%. Das zeigt, was eine Notenbank, die mit der Regierung kooperiert, bewegen kann.
Steigende Baugeldzinsen zum Jahresende möglich – Zinsprognose 2012
Sollten also die Schleusen der EZB in den nächsten zwei Wochen geöffnet werden, dann sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen “Short Krisenländer – long Bundesanleihen” schließen würden. Bezüglich der Zinsprognose 2012 könnte ein deutlicher Anstieg der Baugeldkonditionen gegen Jahresende die Folge sein. Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen grundsätzlich in Euroland sehr tief zu halten. Das sollte 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zu Gute kommen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 02.12.2011

Nov
19

Der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der sein Amt am 1.11.2011 angetreten hat, gab in der ersten Novemberwoche eine Leitzinssenkung bekannt: Die Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten auf nunmehr 1,25 Prozent wurde dabei mit einer leichten Rezession im Euroraum begründet, die die Notenbanker zum Jahresende hin befürchten. Viele Marktteilnehmer wurden von diesem Schritt überrascht, da die Inflationsrate im vergangenen Monat im Euroraum bei 3,0 Prozent lag und sich damit deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent befindet. Das EZB-Ratsmitglied Nowotny deutet sogar an, dass die EZB im Dezember den Leitzins erneut senken könnte, wenn sich die Wirtschaftsaussichten weiter eintrübten.

Kritiker befürchten aufgrund des aktuellen Vorgehens der EZB, dass sich die eigentlich unabhängige Zentralbank zunehmend von der Politik instrumentalisieren lässt, um einen Rückgang der Wirtschaft auf jeden Fall zu verhindern und das bisher oberste Ziel der Preisstabilität dabei zukünftig an Bedeutung verliert. Für diese These spricht zudem, dass die EZB auch weiterhin Staatsanleihen von Ländern aufkauft (diese Maßnahme war immer als vorübergehend und im Volumen begrenzt bezeichnet worden), um die Zinsen künstlich niedrig zu halten, was diesen Ländern aktuell bei der Refinanzierung von Schulden hilft: So stiegen z.B. in Italien die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen zwischenzeitlich auf über sieben Prozent, da sich Investoren massenhaft von diesen trennten. Nur durch die Intervention der EZB stiegen die Anleihenkurse wieder, und Italien konnte sich bei der letzten Emission von Staatsanleihen Zinsen von knapp über sechs Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren sichern.
Das Vorgehen der EZB kann – wie die letzten Wochen gezeigt haben – aber immer nur kurzfristig die Märkte beruhigen. Als ein Indikator, wie nervös die Finanzmärkte derzeit sind, können die Übernachteinlagen von Banken bei der EZB dienen: Je mehr die Banken bei der EZB „parken“, desto weniger leihen sie sich untereinander: Das Vertrauen der Banken gegenüber anderen Banken nimmt ab. Am 7.11. erreichte dieser Wert ein neues 17-Monatshoch. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, kann es dazu kommen, dass Banken restriktiver in der Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen agieren und das Wirtschaftswachstum negativ beeinflusst wird, weil notwendige Investitionen ausbleiben.

Die strukturellen Probleme, dass Staaten in den vergangenen Jahren auf Pump gelebt haben und die Ausgaben immer weiter ausgeweitet wurden, müssen die Staaten dringend und nachhaltig angehen, sodass ein Übergreifen der Schuldenkrise von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal auf Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien verhindert wird – der gerade beschlossene Rettungsschirm wäre nicht annähernd ausreichend, um diese beiden großen Volkswirtschaften zu stützen. Ob die Politik, wie z.B. durch gerade beschlossene Spar- und Wachstumsprogramme in Italien, das Vertrauen der Finanzmärkte in die finanzielle Stabilität zurückgewinnen kann, bleibt zu hoffen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass die EZB zukünftig Anleihen in großem Stil aufkaufen muss (wie dies z.B. vom renommierten US-Ökonom Krugman gefordert wird), um letztendlich ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union zu verhindern. Letzteres Vorgehen würde dabei einem vollständigen Kurswechsel der EZB gleichkommen.
Da die Bonität der Bundesrepublik Deutschland aktuell in keiner Weise von Investoren angezweifelt wird, kaufen diese nach wie vor vermehrt Staatsanleihen, was es möglich macht, dass sich Deutschland derzeit zu extrem günstigen Zinsen refinanzieren kann. Diese Sonderbedingung spiegelt sich ebenfalls auf dem Deutschen Pfandbriefmarkt und somit auf dem Markt für Baufinanzierungszinsen wider: Der deutsche Staat sowie Kunden, die zurzeit eine Immobilienfinanzierung benötigen, profitieren eindeutig von der Schuldenkrise unserer europäischen Nachbarländer. Gerade Anschlussfinanzierer, die in den nächsten Monaten ihre Finanzierung prolongieren müssen, aber auch Immobilienbesitzer, die erst in zwei oder drei Jahren prolongieren müssen (Forwarddarlehen), sollten das aktuelle Zinsniveau nutzen. Hierbei empfehlen wir Eigenheimbesitzern, entweder durch einen höheren Tilgungssatz, eine längere Zinsbindung oder die Kombination aus beidem die Darlehen so abzuschließen, dass am Ende der neuen Zinsbindung die Immobilie lastenfrei ist. Unsere Berater helfen Ihnen bei der Optimierung Ihrer persönlichen Finanzierung.

Kurzfristig: stark seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Zinsprognose 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de vom 15.11.2011

Nov
09

Der Kurs der EZB hat gewechselt

Bereits in seiner ersten Sitzung als neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Mario Draghi die Leitzinsen überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 1,25% gesenkt. Bereits nach wenigen Tagen im Amt macht Herr Draghi damit die Beteuerungen zum Primat der Preisstabilität seines Vorgängers Trichet vergessen. Eine neue Zeitrechnung hat somit begonnen, denn ab jetzt ist die EZB genauso wie die US-Notenbank, die Bank of England und die Bank of Japan ein Verbündeter der Politik im krampfhaften Versuch, das Wirtschaftswachstum um jeden Preis und mit jedem Mittel zu fördern. Die unabhängige und zum Teil stark disziplinierende Geldpolitik, so wie wir sie von der Deutschen Bundesbank kannten und wie sie uns von der EZB versprochen wurde, ist damit Geschichte. Herr Draghi hat schnell und ohne Zögern seinen offensichtlich von den Politikern geforderten Beitrag zur vermeintlichen Lösung der Schuldenkrise geleistet. Die Begründung für die Zinssenkung – ein mögliches Abgleiten in eine leichte Rezession in Euroland – lässt völlig außer Acht, dass die Inflationsrate sehr deutlich über dem Zielwert der EZB liegt. Damit können wir auch für die Zinsentwicklung 2013 von historisch tiefen Leitzinsen ausgehen und erwarten auch, dass Herr Draghi, ähnlich wie der US-Notenbank-Chef Bernanke, alles daran setzen wird, die längerfristigen Kapitalmarktzinsen tief zu halten. Schon jetzt wird in den USA über eine Wiederaufnahme der Notenbank-Käufe von Hypothekenanleihen gesprochen. Quantitative Easing Nummer 3 – also die dritte Runde an Aufkäufen von Staatsanleihen und weiteren Schuldtiteln – steht kurz vor der Tür. Im Kern handelt es sich dabei um eine Manipulation der Kapitalmarktzinsen in enormem Ausmaß, die den hoch verschuldeten Staaten zu geringeren Zinszahlungen verhilft, gleichzeitig aber die privaten Anleger um eine rechtmäßige Verzinsung ihrer Kapitalanlagen bringt. Auf diese Weise wird vorerst die Finanzierung der aufgelaufenen Schulden erträglich gemacht und Zeit gewonnen.

Krisen und Lösungsansätze überschlagen sich

Gleichzeitig scheint die Nachfrage weltweit schon wieder rückläufig zu sein. Parallel zu diesen geldpolitischen Entwicklungen läuft die europäische Schuldenkrise mit immer absurderen Facetten ab. Binnen weniger Monate hat sich die Höhe der von Griechenland benötigten Mittel von 100 Mrd. auf über 200 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Das neue Rettungspaket, das nun geschnürt wurde, wird auch noch mit einem Hebel ausgestattet. So können mit 440 Mrd. Euro am Ende möglichst über 1.000 Mrd. Euro an Finanzierungen für die klammen Staaten des Südens dargestellt werden. Die Politik versieht also ihren Rettungsschirm mit „Leverage“ – ein Begriff, den vor allem die bei Politikern verrufenen Hedge Fonds bekannt gemacht haben. Genau diesen Hedge Fonds möchten daher die gleichen Politiker, die den Hebel beim Rettungsschirm einführen, über strengere Regulierungen das Handwerk legen. Die Absurdität kennt keine Grenzen mehr!

Den größten Bock aber haben in den letzten 48 Stunden doch wieder die Griechen geschossen. Ihr Regierungschef hat sich kurzerhand entschlossen, das Volk darüber abstimmen zu lassen, ob es die Rettung durch Europa und den IWF zu den verhandelten Konditionen überhaupt annehmen möchte. In einer Demokratie ein eigentlich ehrenwerter Schritt – nur hängt an dieser Zustimmung leider das gesamte Euroland-Weltbild von Frau Merkel und Herrn Sarkozy. Sie wollen daher mit massivem Druck diese Volksabstimmung verhindern, um nicht das Risiko einer Absage einzugehen. Was macht Herr Papandreou folglich? Er sagt die Volksabstimmung einfach wieder ab. Eine Politposse erster Güte, die sich hier zwischen G8, G20 und weiß Gott welchen weiteren Krisensitzungen, die inzwischen mindestens einmal wöchentlich stattfinden, abspielt.

Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer profitieren

Dem Baugeldkunden kann eine solche Zinsentwicklung bis 2013 am Ende nur Recht sein. Die EZB-Politik sorgt für tiefe Zinsen und die Regierungen versuchen die Konjunktur am Laufen zu halten. In wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland bedeutet das ein gutes Umfeld für Wohnimmobilien. Kunden mit guter Bonität können ähnlich wie Deutschland auf Staatsebene zu extrem tiefen Zinsen finanzieren. Diese Chance gilt es zu nutzen, ist doch der Kauf eines Eigenheims kein Konsum sondern eine Investition in Substanz und deckt dazu noch die größte Ausgabe im Alter ab. Wichtig dabei bleibt, die aktuell tiefen Zinsen für höhere Tilgungen und damit eine schnellere Entschuldung zu nutzen. Denn langfristig auf zu hohen Schulden zu sitzen ist kein gutes Rezept – wie uns die Staaten gerade aufzeigen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Interhyp AG vom 04.11.2011