Nov
19

Der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der sein Amt am 1.11.2011 angetreten hat, gab in der ersten Novemberwoche eine Leitzinssenkung bekannt: Die Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten auf nunmehr 1,25 Prozent wurde dabei mit einer leichten Rezession im Euroraum begründet, die die Notenbanker zum Jahresende hin befürchten. Viele Marktteilnehmer wurden von diesem Schritt überrascht, da die Inflationsrate im vergangenen Monat im Euroraum bei 3,0 Prozent lag und sich damit deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent befindet. Das EZB-Ratsmitglied Nowotny deutet sogar an, dass die EZB im Dezember den Leitzins erneut senken könnte, wenn sich die Wirtschaftsaussichten weiter eintrübten.

Kritiker befürchten aufgrund des aktuellen Vorgehens der EZB, dass sich die eigentlich unabhängige Zentralbank zunehmend von der Politik instrumentalisieren lässt, um einen Rückgang der Wirtschaft auf jeden Fall zu verhindern und das bisher oberste Ziel der Preisstabilität dabei zukünftig an Bedeutung verliert. Für diese These spricht zudem, dass die EZB auch weiterhin Staatsanleihen von Ländern aufkauft (diese Maßnahme war immer als vorübergehend und im Volumen begrenzt bezeichnet worden), um die Zinsen künstlich niedrig zu halten, was diesen Ländern aktuell bei der Refinanzierung von Schulden hilft: So stiegen z.B. in Italien die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen zwischenzeitlich auf über sieben Prozent, da sich Investoren massenhaft von diesen trennten. Nur durch die Intervention der EZB stiegen die Anleihenkurse wieder, und Italien konnte sich bei der letzten Emission von Staatsanleihen Zinsen von knapp über sechs Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren sichern.
Das Vorgehen der EZB kann – wie die letzten Wochen gezeigt haben – aber immer nur kurzfristig die Märkte beruhigen. Als ein Indikator, wie nervös die Finanzmärkte derzeit sind, können die Übernachteinlagen von Banken bei der EZB dienen: Je mehr die Banken bei der EZB „parken“, desto weniger leihen sie sich untereinander: Das Vertrauen der Banken gegenüber anderen Banken nimmt ab. Am 7.11. erreichte dieser Wert ein neues 17-Monatshoch. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, kann es dazu kommen, dass Banken restriktiver in der Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen agieren und das Wirtschaftswachstum negativ beeinflusst wird, weil notwendige Investitionen ausbleiben.

Die strukturellen Probleme, dass Staaten in den vergangenen Jahren auf Pump gelebt haben und die Ausgaben immer weiter ausgeweitet wurden, müssen die Staaten dringend und nachhaltig angehen, sodass ein Übergreifen der Schuldenkrise von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal auf Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien verhindert wird – der gerade beschlossene Rettungsschirm wäre nicht annähernd ausreichend, um diese beiden großen Volkswirtschaften zu stützen. Ob die Politik, wie z.B. durch gerade beschlossene Spar- und Wachstumsprogramme in Italien, das Vertrauen der Finanzmärkte in die finanzielle Stabilität zurückgewinnen kann, bleibt zu hoffen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass die EZB zukünftig Anleihen in großem Stil aufkaufen muss (wie dies z.B. vom renommierten US-Ökonom Krugman gefordert wird), um letztendlich ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union zu verhindern. Letzteres Vorgehen würde dabei einem vollständigen Kurswechsel der EZB gleichkommen.
Da die Bonität der Bundesrepublik Deutschland aktuell in keiner Weise von Investoren angezweifelt wird, kaufen diese nach wie vor vermehrt Staatsanleihen, was es möglich macht, dass sich Deutschland derzeit zu extrem günstigen Zinsen refinanzieren kann. Diese Sonderbedingung spiegelt sich ebenfalls auf dem Deutschen Pfandbriefmarkt und somit auf dem Markt für Baufinanzierungszinsen wider: Der deutsche Staat sowie Kunden, die zurzeit eine Immobilienfinanzierung benötigen, profitieren eindeutig von der Schuldenkrise unserer europäischen Nachbarländer. Gerade Anschlussfinanzierer, die in den nächsten Monaten ihre Finanzierung prolongieren müssen, aber auch Immobilienbesitzer, die erst in zwei oder drei Jahren prolongieren müssen (Forwarddarlehen), sollten das aktuelle Zinsniveau nutzen. Hierbei empfehlen wir Eigenheimbesitzern, entweder durch einen höheren Tilgungssatz, eine längere Zinsbindung oder die Kombination aus beidem die Darlehen so abzuschließen, dass am Ende der neuen Zinsbindung die Immobilie lastenfrei ist. Unsere Berater helfen Ihnen bei der Optimierung Ihrer persönlichen Finanzierung.

Kurzfristig: stark seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Zinsprognose 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de vom 15.11.2011

Okt
09

Nachdem sich die Politiker in ihrer Reaktion auf die 2008er-Krise in eine Sackgasse manövriert haben, bleiben einzig die Notenbanken übrig, um das Funktionieren des Banken- und Wirtschaftssystems, so wie wir es bisher kennen, zu sichern. Würden die Notenbanken nicht seit drei Jahren praktisch unbegrenzte Liquidität für das Bankensystem und den Zinsmarkt zur Verfügung stellen und gleichzeitig durch Ankäufe von Staatsanleihen und Bankschuldverschreibungen intensiv an den Anleihemärkten eingreifen, so wäre es bereits zum Stillstand gekommen.

Längst geht es nicht mehr um den Crash am amerikanischen Immobilienmarkt und die daraus entstandenen Schieflagen bei Banken. Der Konjunktureinbruch 2009 hat in erschreckendem Maße aufgedeckt, wie labil das gesamte System der Staatenfinanzierung aufgebaut ist. Konjunkturpakete und Bankenrettungskosten haben in einer Reihe von Ländern die Budgetdefizite explodieren lassen und zu großen Fragezeichen geführt, wie denn diese steigenden Verschuldungsquoten finanziert werden sollen. Dort, wo die Abhängigkeit von externen Investoren am größten und die Fundamentaldaten am schwächsten sind, dort sind die Verwerfungen am stärksten. Nur die Einbettung in das Eurogebiet hat Irland, Portugal und Griechenland bisher vor dem sicheren Staatsbankrott gerettet. Aber damit ist die nächste Sollbruchstelle aufgetaucht: Wie lange können die vermeintlich starken Euroländer diese Belastungen tragen? Und wie stark sind sie wirklich? Die Tatsache, dass Spanien und Italien jeweils mehr als 100 Mrd. Euro für den Rettungsfonds EFSF aufbringen müssen, obwohl sie selbst an der Kippe zum Rettungskandidaten stehen, zeigt die Tragik der Geschichte. Und auch das Standing von Frankreich kommt immer stärker unter Druck. Schwache Wirtschaftsdaten, ein angeschlagener Bankensektor und faule Kredite bei den Städten und Gemeinden, die jetzt zur Abwicklung der Staatsfinanzierungsbank Dexia führen, lassen Frankreich zu Recht um sein AAA-Rating bangen. Was aber wird passieren, wenn die Bonitäten und damit auch die Finanzierungskosten von Deutschland und Frankreich deutlich auseinander laufen? Wie stark können dann Berlin und Paris noch als Tandem den Rest der Eurozone anführen?

EZB mutiert zum Handlanger der Politik
Gleichzeitig scheint die Nachfrage weltweit schon wieder rückläufig zu sein. So stark, dass der Traum der Politiker, aus den Schulden schrittweise herauszuwachsen, nicht realisierbar erscheint. Weitere Konjunkturpakete auf Pump sind nicht mehr darstellbar. Die Zinsen sind zwar in den noch mit Investorenvertrauen ausgestatteten Ländern historisch tief, nicht jedoch in den Krisenländern, wo die größten Defizite drücken. Es ist daher logisch, dass die Politik die Notenbanken in die Pflicht nimmt. In Japan ist das schon seit 15 Jahren so und in den USA hat man sich auch an die Gelddruckmaschine Ben Bernanke gewöhnt. Im Europa hat der scheidende EZB-Präsident Trichet am Ende seiner Laufbahn kapituliert. Direkte Käufe von Anleihen durch die Europäische Zentralbank wurden als einmaliges Programm dargestellt. Nachdem Donnerstag eine Neuaufnahme dieses Programms angekündigt wurde, wissen wir, dass es zur Dauereinrichtung wird, um den Zinsmarkt zu manipulieren – so wie das die US-Notenbank schon seit Jahren macht. Unbegrenzte Liquiditätsversorgung für die Banken hat Trichet angekündigt, nachdem zwei Tage vorher die Politik Maßnahmen zur Stützung der europäischen Banken in Aussicht gestellt hatte. Hier scheint es inzwischen eine direkte Befehlskette von Berlin/Paris nach Frankfurt zu geben. Mit Weber und Stark sind die letzten Bundesbanker klassischer Prägung aus dem Machtzentrum der europäischen Geldpolitik ausgeschieden. Mit Weidmann, Asmussen und Draghi kommen Vertrauensleute von Frau Merkel und ein Vertreter der Achse Rom/Paris auf das Spielfeld. Die Politik hat sich damit auch in Europa der Geldpolitik bemächtigt.
Es ist zu erwarten, dass diese Akteure für den Zinsmarkt 2012 sowohl die kurzfristigen Zinsen historisch tief halten werden – für den Dezember ist sogar mit einer Leitzinssenkung in Euroland zu rechnen – als auch alles versuchen werden, die langfristigen Zinsen tief zu halten. Diese Strategie verfolgt ja auch Herr Bernanke in den USA. Mit diesem niedrigen Zinsmarkt 2012 wird Zeit gewonnen, um die Defizite finanzierbar zu halten. Für die privaten Sparer bedeutet das allerdings bei Inflationsraten von 3% eine negative Realverzinsung und wirkt wie eine Steuer auf Vermögen. Die Sparer stellen – direkt über Anleihekäufe oder indirekt über ihre Altersvorsorge durch Lebensversicherungen und Fonds – den Regierungen zu viel Geld zu zu tiefen Zinsen zur Verfügung.

Immobilienkäufer profitieren durch extrem tiefe Zinsen
Die positive Kehrseite allerdings sind auch niedrige Zinsen für Baugeld. Hier kann der Kunde mit guter Bonität, ähnlich wie Deutschland auf Staatsebene, zu extrem tiefen Zinsen finanzieren. Diese Chance gilt es zu ergreifen, ist doch der Kauf eines Eigenheims kein Konsum, sondern eine Investition in Substanz und deckt dazu noch die größte Ausgabe im Alter ab. Wichtig dabei bleibt, die aktuell tiefen Zinsen für höhere Tilgungen und damit für eine schnellere Entschuldung zu nutzen. Langfristig auf zu hohen Schulden zu sitzen, ist kein gutes Rezept – wie uns die Staaten gerade aufzeigen.

Quelle: Kommentar zum Zinsmarkt 2012 der Interhyp AG vom 07.10.2011

Sep
27

Wie prognostiziert waren die Baufinanzierungszinsen der letzten drei Wochen von starken Bewegungen geprägt: Von Mitte bis Ende August stiegen die durchschnittlichen Zinsen über alle Laufzeiten um ca. 0,15 Prozentpunkte an, ab Anfang September sanken sie dann um mehr als 0,30 Prozentpunkte. Hintergrund für die letzte Bewegung waren wieder einmal die Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten, die Anleger vermehrt in sichere Bundesanleihen investieren ließ. Konsequenz war, dass die Renditen dieser und infolgedessen die Renditen auf dem Markt für Pfandbriefe sanken. Banken, die den Pfandbriefmarkt als Refinanzierungsquelle nutzen, konnten die günstigeren Einstände an Baufinanzierungskunden weitergeben.

Letzten Donnerstag verkündete Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen im Euroraum unverändert bei 1,5 Prozent zu belassen. Zudem deutete er ein Pausieren bei weiteren Zinserhöhungen an, obwohl die Inflationsrate im August bei 2,5 Prozent – und damit über der Richtgröße der EZB von zwei Prozent –lag. Hintergrund der Entscheidung ist das nachlassende Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union (EU): So revidierten die Ökonomen der EZB die Wachstumsprognose auf Jahressicht um 0,3 Prozent auf nunmehr 1,6 Prozent. Im Zuge nachlassenden Wachstums wird angenommen, dass das allgemeine Preiswachstum aufgrund fallender Rohstoffkosten ebenfalls zurückgehen wird.

Kritik erntete die EZB in den vergangenen Wochen erneut für den anhaltenden Aufkauf von Staatsanleihen von Ländern wie Spanien und Italien. Selbst der sich stets neutral verhaltende Bundespräsident, Christian Wulff, erinnerte die EZB an die eigentliche Aufgabe, die Wirtschaft mit Bargeld zu versorgen sowie die Inflation zu bekämpfen. Ziel des Aufkauf-Programms ist zum einen, die Preise der Staatsanleihen künstlich hoch zu halten (und im Gegenzug die Renditen niedrig zu halten), damit eine neue Schuldenaufnahme der Länder am Kapitalmarkt zu angemessenen Zinsen erfolgen kann. Zum anderen verhindert das Vorgehen, dass Banken, die in Staatsanleihen entsprechender Länder investiert sind, Abschreibungen bei Wertverlusten der Anleihen vornehmen müssten, was deren Eigenkapitalbasis vermindern würde. Wie ernst gerade der letzte Punkt von Seiten der Banken gesehen wird, spiegelte sich Ende August in der Tatsache wider, dass die Summen, die sich die Banken untereinander zu Refinanzierung leihen (und die das Vertrauen der Banken untereinander widerspiegeln), stark zurückgingen.

Am Freitag letzter Woche erfolgte der nächste Paukenschlag, der die Finanzmärkte nachhaltig erschütterte: Der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, verkündete seinen Rückzug aus dem Gremium der EZB zum Jahresende. Sowohl der Deutsche Aktienindex DAX als auch der Euro verloren deutlich an Wert. Herr Stark gilt seit Langem als Kritiker des Anleihen-Aufkauf-Programms der EZB und Verfechter einer nachhaltigen Finanzpolitik von Staaten. Finanzmarktteilnehmer vermuten, dass Herr Stark mit seinen Ansichten zunehmend isoliert war und gehen davon aus, dass die Schuldenkrise in Europa noch lange nicht ausgestanden ist.

Die griechische Regierung meldete z.B. jüngst, dass Steuerschulden nur schleppend und geringer als kalkuliert eingetrieben werden können, und dass die Löhne der Staatsbediensteten sowie die Renten nur noch bis Oktober bezahlt werden können. Die in den letzten Wochen häufig andiskutierte Lösung der europäischen Finanzmisere durch Einführung von sogenannten Eurobonds erhielt zwischenzeitlich einen deutlichen Dämpfer: Die Ratingagentur S&P teilt mit, diese Art von Anleihen nur mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes – also Griechenland – einstufen zu wollen, was eine überdurchschnittliche Zinszahlung zur Folge hätte.

Aufgrund der weiterhin zu erwartenden Unsicherheit auf den Finanzmärkten gehen wir von sehr starken Schwankungen des Zinsniveaus für die kommenden Wochen aus. Sollte sich die Situation in der Euro-Zone weiter zuspitzen, sind nochmals tiefere Zinsen für Baufinanzierungen möglich. Werden tragfähige Lösungen zur Schuldenproblematik gefunden, so dass sich die Märkte beruhigen, kann der Zinsmarkt jedoch auch schnell wieder um 0,20 bis 0,40 Prozentpunkte ansteigen. Kunden, die eine Baufinanzierung benötigen, sollten nicht auf noch niedrigere Zinsen spekulieren. Das historisch günstige Zinsniveau, das im Herbst letzten Jahres vorlag, wurde aktuell annähernd wieder erreicht. Besonders Kunden, die eine Anschlussfinanzierung in 12-60 Monaten für ihr Eigenheim benötigen, sollten sich intensiv mit dem Gedanken auseinandersetzen, sich bereits jetzt die Anschlussfinanzierung – mit Forward-Darlehen – zu sichern.

Kurzfristig: stark schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Dr. Klein & Co. AG vom 15.September 2011

Jun
30

Letzte Woche wurde der italienische Notenbankchef, Mario Draghi, auf dem EU-Gipfel zum neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) gekürt und wird damit die Nachfolge von Jean-Claude Trichet antreten, der im Herbst dieses Jahres aus seinem Amt ausscheiden wird. Was wird Herr Draghi bei seinem Amtsantritt vorfinden: Ein „Unternehmen“ namens EZB, das bei einem Eigenkapital in Höhe von knapp 82 Mrd. Euro Anleihen im Wert von ca. 1.900 Mrd. Euro in der Bilanz stehen hat und insofern eine extrem risikoreiche Investitionsstruktur aufweist. Ein signifikanter Anteil des Portefeuilles umfasst dabei Anleihen von Griechenland, die aktuell ausfallbedroht sind. In dieser Konstellation liegt der Grund für die ablehnende Haltung der EZB, eine Umschuldung Griechenlands vorzunehmen – wie es mittlerweile Politiker einiger EU-Staaten vorschlagen. Bei einer Umschuldung wäre eine sofortige Abschreibung auf die griechischen Papiere notwendig, die das Eigenkapital der EZB stark reduzieren würde. Dadurch wären die Notenbanken der einzelnen EU-Staaten verpflichtet, neue Gelder bereitzustellen.

Auf Initiative Frankreichs wird in Bankenkreisen derzeit folgender Vorschlag zur Rettung Griechenlands diskutiert: Bei Rückzahlung demnächst fälliger Schulden (z.B. durch Hilfspakete/Rettungsschirme der EU) würden die Banken als derzeitige Gläubiger 50 Prozent dieser Zahlungen Griechenland sofort wieder als Kredit mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren zur Verfügung stellen. Die Konsequenz wäre, dass Griechenland Zeit gewinnt, Struktur- und Sparmaßnahmen umzusetzen, die Wirtschaft anzukurbeln. So wäre es in der Lage, langfristig seine Schulden bedienen oder abbauen zu können.

Bei allen Unsicherheiten, die die Griechenlandkrise für Deutschland mit sich bringen kann, muss an dieser Stelle auch einmal auf die positiven Aspekte für die Bundesrepublik eingegangen werden: Bei dem derzeitigen Wirtschaftswachstum – Experten rechnen mit einem Wachstum von über drei Prozent auf Jahressicht – und einer Inflationsrate von 2,3 Prozent (Juni) in Deutschland, müsste der Leitzins einer Deutschen Bundesbank deutlich höher stehen, als dies aktuell der Fall ist. Lediglich die Situation in EU-Ländern wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien hat die EZB in der Vergangenheit von starken Leitzinserhöhungen zurückgehalten.

Nichtsdestotrotz erwarten wir in der kommenden Woche eine Leitzinserhöhung durch die EZB in Höhe von 0,25 Prozentpunkten; verbal ließen Spitzenbanker des Institutes dies bereits in den letzten Wochen durchblicken. Eine Auswirkung auf das Zinsniveau 2012 für Immobilienfinanzierung ist aus dieser Entscheidung jedoch noch nicht zu erwarten. Im Moment scheint die Zinsentwicklung 2012 lediglich an gute oder schlechte Nachrichten zur Krise in Griechenland gekoppelt zu sein.

Kunden, die aktuell eine Finanzierung benötigen, sollten Zinsrückgänge bei den erwarteten Schwankungen in den nächsten Wochen konsequent nutzen, ihre Finanzierung auf ein langfristig sicheres Fundament zu stellen. Wir empfehlen nach wie vor Zinsbindungen von mindestens 15 Jahren sowie eine Mindesttilgung von zwei Prozent.

Kurzfristige Zinsentwicklung 2011: schwankend seitwärts
Mittelfristige Zinsentwicklung 2012: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de

Mai
11

Kaum hatten sich die Märkte auf eine Phase steigender Leitzinsen in Euroland eingestellt, überrascht Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), schon wieder. Mit der gestrigen Entscheidung, den Leitzinssatz, der Anfang April um 0,25% auf 1,25% angehoben worden war, unverändert zu lassen, hat Trichet eine Reihe von Fragezeichen hinterlassen. Die Aussagen von Trichet im Rahmen der Pressekonferenz deuten sogar darauf hin, dass erst wieder im Juli eine weitere Zinsanhebung folgen könnte – oder auch nicht. Während also die Inflationsdaten in Euroland genauso wie in den meisten anderen wichtigen Währungsräumen eindeutig über den von der EZB postulierten Zielwerten liegen, stoppt die Notenbank den gerade eingeschlagenen Weg noch bevor sie richtig angefangen hat. Sieht so eine glaubwürdige Stabilitätspolitik aus? Die meisten Marktbeobachter hatten erwartet, dass die EZB ihr Mandat nutzen würde, um bei der Zinsprognose 2012 relativ rasch den Leitzins von dem Krisenniveau von 1% auf eine neutrale Größe von 2-2,5% zu bewegen.

Abwartende EZB-Haltung schafft Raum für Spekulationen
Die derzeit höheren Inflationsraten wären besonders gegenüber der Politik ein gutes Argument gewesen, die Leitzinsen schnell anzuheben und damit auch ein klares Zeichen zu setzen, dass man es mit dem Management von Inflationserwartungen ernst meint. Natürlich hätte ein solcher Schritt auch den Euro gegen den Dollar weiter steigen lassen und damit einerseits Importe verbilligt, Exportchancen aber geschwächt. Aber genau darum geht es eben: Sorgt sich die EZB um Preisstabilität oder beginnt sie schrittweise mehr als Handlanger der Politik im Management des Wirtschaftswachstums zu agieren? Warum hat die EZB der Mut verlassen? Ist es die Furcht vor einem neuerlichen Rückfall der USA in die Rezession nach den zuletzt enttäuschenden Konjunkturzahlen und den eventuellen Auswirkungen auf Euroland? Ist es die Befürchtung, dass die Budgetkonsolidierungsmaßnahmen in den Euro-Mitgliedsländern in den nächsten Quartalen das Wachstum stärker einbremsen werden als derzeit erwartet – und dass daher eine Serie von Zinserhöhungen den Bremseffekt verstärken würde? Ist es vielleicht die Sorge, dass die angeschlagenen Banken von rasch steigenden kurzfristigen Zinsen in ihrer Gesundung gefährdet würden? Oder ist bei allem öffentlichen Gerede über Inflation in den Köpfen der Notenbanker immer noch die Angst vor Deflation vorhanden? Die vorschnellen Zinserhöhungen in Japan Anfang des letzten Jahrzehnts, die immer wieder zurückgenommen werden mussten, weil die Wirtschaft in die nächste Rezession rutschte, könnten ihnen als Warnung gelten.

Tatsache ist: Eine Notenbank, die der Geldwertstabilität verpflichtet ist, ein Inflationsziel von unter 2,0% hat und die Inflationsrate am Beginn einer Wirtschaftserholung auf 3% zusteuern sieht, kann – bei gleichzeitiger massiver Liquiditätsversorgung des Bankensektors – nicht ernsthaft einen Leitzins von 1,25% für richtig halten. Es sei denn, sie sieht die nächste Konjunkturabschwächung schon um die Ecke kommen oder nimmt trotz öffentlicher Warnungen die Inflationsgefahr in der internen Diskussion nicht ernst. Die dritte Variante, dass die EZB zwar gerne die Zinsen anheben möchte, der politische Einfluss aber inzwischen so stark ist, dass man viel langsamer vorgeht als gewollt, ist trotz der personellen Rochaden in der Bundesbank und der offensichtlichen Machtspiele im Poker um die Neubesetzung der EZB-Führung als unwahrscheinlich einzuschätzen. Aber natürlich werden der von Kanzlerin Merkel besetzte neue Bundesbank-Präsident Weidmann und der von Sarkozy und den Südländern designierte EZB-Präsident Draghi beweisen müssen, ob sie in diesen schwierigen Phasen dem Einfluss ihrer Ziehmütter und Ziehväter widerstehen können. Die EZB ist schon heute die letzte Bastion unter den großen Notenbanken. Nicht wenige Politiker in Europa arbeiten daran, sie zu Fall zu bringen und die Geldpolitik in den Dienst ihrer schlechten Wirtschafts- und Finanzpolitik zu stellen.

Leicht rückläufige Baugeldzinsen nutzen
Für die Zinsentwicklung am Anleihemarkt und damit auch für die Hypothekenzinsen bedeutet das Stillhalten der EZB vorerst eine Stabilisierung nach vielen Monaten steigender Zinsen. Die aktuell leicht rückläufigen Zinsen sind aus unserer Sicht aber eine technische Korrektur in einem Aufwärtstrend und keine Trendänderung. Wir sehen bezüglich der Zinsprognose 2012 nach einigen Wochen die Gefahr, dass die alten Befürchtungen in Bezug auf steigende Inflationsraten wieder in den Vordergrund treten werden und damit die Gefahr höherer Langfristzinsen erneut zunehmen wird. Für die nächsten Wochen gilt es, die günstigeren Konditionen zu nutzen und gerade mit längeren Laufzeiten für Kalkulationssicherheit zu sorgen.

Quelle: Zinsprognose 2012 der Interhyp AG vom 06.05.2011

Okt
12

Wie erwartet hat am Donnerstag die EZB keine Änderungen an den Leitzinsen und an ihrer Rhetorik vorgenommen und daher auch den Zinsmarkt nicht wirklich bewegt. Damit versuchen sich die Inflations- und Währungshüter in Frankfurt möglichst dezent aus den verbalen Auseinandersetzungen zwischen den USA, China und Japan herauszuhalten. Scheinbar ungerührt akzeptiert die EZB den vehementen Anstieg des Eurokurses gegenüber dem Dollar und damit auch gegen den an den Dollar gekoppelten chinesischen Yuan. Offensichtlich freut man sich derzeit mehr über das Wiedererstarken der europäischen Gemeinschaftswährung, als man die potentiellen negativen Auswirkungen eines stärkeren Euro für die Exporte fürchtet. Die erste Runde im Abwertungswettlauf der Währungen geht daher eindeutig an die USA. Dort hat die Notenbank vergangene Woche weitere Lockerungsschritte ihrer Nullzinspolitik angekündigt. Konkret heißt das: Die USA werden weiter Geld drucken und damit ihre ausländischen Schuldner bedienen. Ein Verfall des Dollars wird dabei billigend in Kauf genommen. Was aber fast ebenso dramatisch ist, ist die Tatsache, dass damit auch der an den Dollar gekoppelte Yuan gegen den Euro abgewertet wird. Das macht den chinesische Export noch wettbewerbsfähiger. Es ist sogar zu vermuten, dass China derzeit seine exorbitanten Währungsreserven dazu einsetzt, die Währungen zu manipulieren. Zuerst hat man den Yen durch Käufe von japanischen Staatsanleihen historisch teuer gemacht und so Japan in Bedrängnis gebracht, jetzt kauft man Staatsanleihen von Euroländern und treibt damit den Euro nach oben. Wie lange die EZB ruhig zuschaut, bleibt offen. Zumindest hat man noch vor einigen Wochen, als der Eurokurs unter 1,20 gegen den Dollar fiel, von einer Rückkehr auf ein richtiges Niveau gesprochen. Mit 1,40 und höher ist der Euro auf jeden Fall gegen Dollar und Yuan überbewertet. Euroland muss aufpassen, dass nicht auch Runde zwei an die USA und China gehen. Denn das könnte teuer werden.

Für die nächsten Wochen erwarten wir zwar Schwankungen bei den Kapitalmarktzinsen, die sich gemessen an den Zinssätzen für 10-jährige Pfandbriefe in einer Bandbreite zwischen 2,65 und 2,90% bewegen sollten, aber keine großen Bewegungen. Besonders an starken Tagen am Anleihemarkt sollten Kunden die Gunst der Stunde nutzen und ihre Konditionen festzurren. Immobilienfinanzierungen laufen in der Regel 25 Jahre. Diese Periode heute zu historisch tiefen Zinssätzen abzusichern, kann daher kein Fehler sein. Wir empfehlen, zumindest einen großen Teil der Finanzierungssumme über lange Sollzinsbindungen festzuschreiben und damit für Kalkulationssicherheit zu sorgen. Grundsätzlich raten wir, bei diesem niedrigen Zinsniveau die Tilgung mit 2 – 3% zu wählen, damit die Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar bleibt. Gefragt sind aus diesem Grund derzeit auch sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht über eine höhere laufende Tilgung heute schon eine Rate fest, die nach 20 oder 25 Jahren zu vollständigen Rückzahlung des Darlehens führt. Das Risiko später zu deutlich höheren Zinsen eine Prolongation vornehmen zu müssen wird damit schon heute ausgeschlossen. Die Finanzierungsspezialisten der Interhyp können auf mehr als 250 Banken zugreifen und erarbeiten gerne eine individuelle Lösung für Sie. Zur Analyse der eigenen Situation und zur Beobachtung der Zinsentwicklung eignen sich auch die Zins-Charts und Tools auf der Interhyp Website.

Tendenz:
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: seitwärts

Quelle: Zinsprognose 2011 der Interhyp AG vom 08.10.2010

Jun
14

In der gestrigen Sitzung des Zentralbankrates hat EZB-Präsident Trichet den Leitzins von 1,0% für angemessen erklärt und damit Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch einmal senken könnte, vorerst den Boden entzogen. Da gleichzeitig aus China hohe Zuwächse im Export gemeldet wurden, die auf steigende Nachfrage in den USA und in Europa hindeuten, haben im Wochenverlauf wieder die Konjunkturoptimisten die Oberhand gewonnen und ein leichter Zinsanstieg war die Folge. Der Bund-Future hat sich bei rund 128,50 Punkten eingependelt, nachdem er am Wochenanfang sogar die Marke von 130 Punkten überschritten hatte. Allgemein beschäftigt die Marktteilnehmer weiterhin die Frage der Staatsverschuldung. Besonderes Augenmerk gilt dabei Spanien. Für viele Beobachter wird sich an Spanien die weitere Entwicklung des Euros und der Währungsunion entscheiden. Während Griechenland und Portugal noch klein genug sind, um eventuell auch längerfristig von Kerneuropa mitfinanziert werden zu können und so die Einheit nicht zu gefährden, erscheint das bei Spanien nur schwer möglich. Spanien befindet sich seit mehr als zwei Jahren in Rezession, hat mit 20% die höchste Arbeitslosigkeit und leidet unter einer geplatzten Immobilienblase, die auch viele Spanier privat auf einem Schuldenberg sitzen lässt. Die dringend notwendigen Reformen am Arbeitsmarkt finden derzeit keine politische Mehrheit und machen das Krisenmanagement für Regierungschef Zapatero immer schwieriger. Auch die mittelfristige Gesundheit des spanischen Bankensektors wirft große Fragezeichen auf und hat bereits zu Spannungen im Interbanken-Markt geführt. Sollten die Strukturreformen nicht schnell zu Erfolgen führen, so wird die Staatsverschuldung in Spanien rasch wachsen und zu einem weiteren Test der neu gebildeten Transfergemeinschaft Euroraum werden. Damit könnte auch die EZB sehr schnell gezwungen sein, Spanien mit Aufkäufen von Staatsanleihen zu Hilfe zu kommen und damit die Geldmenge weiter aufzublähen. Fest steht, dass deutsche Bundesanleihen weiterhin als sicherer Hort gesehen werden und damit vorerst auch die Referenzzinsen für das Pricing von Baufinanzierungen in Deutschland günstig bleiben. Längerfristig drohen natürlich deutlich höhere Zinsen – und zwar, wenn das Gelddrucken der Notenbanken seinen Weg in die Preise findet und die Inflationserwartungen steigen.

Baugeldkunden sollten daher die Gunst der Stunde nutzen und ihre Konditionen mit längeren Laufzeiten absichern. Trotz aller kurzfristigen Schwankungen und der Verlockung auf noch tiefere Konditionen zu warten, gilt weiterhin eine Grundaussage: Wir empfehlen, zumindest einen großen Teil der Finanzierungssumme über lange Sollzinsbindungen festzuschreiben und damit für Kalkulationssicherheit zu sorgen. Baufinanzierungskunden müssen in Zeithorizonten von 20 bis 30 Jahren denken, in denen sie monatliche Zahlungen leisten und sollten sich daher auf keine Spekulation einlassen. Die Zinsen sind derzeit historisch tief und implizieren ein Deflationsumfeld für die nächsten Jahre. Eine Inflationsprämie ist in den aktuellen Zinssätzen nicht mehr enthalten. Grundsätzlich empfehlen wir bei diesem niedrigen Zinsniveau eine Tilgung von 2 – 3% zu wählen, damit die Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar bleibt. Gefragt sind zum Beispiel auch sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht über eine höhere laufende Tilgung bereits heute eine Rate fest, die nach 20 oder 25 Jahren zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens führt. Das Risiko später zu deutlich höheren Zinsen eine Anschlussfinanzierung vornehmen zu müssen, wird damit schon heute ausgeschlossen. Die Finanzierungsspezialisten der Interhyp können auf mehr als 250 Banken zugreifen und erarbeiten gerne eine individuelle Lösung für Sie. Zur Analyse der eigenen Situation und zur Beobachtung der Zinsentwicklung eignen sich auch die Zins-Charts und Tools auf der Interhyp-Website.

Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: aufwärts

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2010 der Interhyp AG

Apr
09

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angekündigt, dass sie die Ausnahmeregelung, nach der die Banken Staatsanleihen mäßiger Qualität als Sicherheit hinterlegen dürfen, wenn sie sich Geld von der Zentralbank leihen, über das Jahr 2010 hinaus verlängern wird. Um das Bankensystem in der Finanzkrise zu stabilisieren, hatte die EZB die Anforderung, dass Staatsanleihen mindestens von einer Ratingagentur die Note „A–„ bzw. „A3“ erhalten haben müssen, auf die Mindestnote „BBB“ gesenkt. Diese Ausnahmeregelung sollte am Ende dieses Jahres also vor 2011 auslaufen, doch laut der EZB sollen Anleihen ohne A-Rating dann mit einem abgestuften Sicherheitsabschlag akzeptiert werden.

Von der Verlängerung der Ausnahmeregelung profitieren vor allem griechische Anleihen, denn bei einem Ende der Ausnahmeregelung wäre es für Griechenland im kommenden Jahr eng geworden. Die ursprüngliche, höhere Anforderung erfüllt das Land nur noch mit dem Rating von Moody’s, und Moody’s erwägt eine weitere Senkung der Bonitätsnote Griechenlands. Mit der Verlängerung der Ausnahmeregelung über das Jahr 2010 hinaus hat die EZB den Druck vom Markt bei der Zinsentwicklung genommen, dass eine Verkaufswelle für die griechischen Anleihen und eine Belastung für das griechische Bankensystem droht.

In seinem neuen Ländergutachten erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass sich Deutschland nur langsam aus dem Konjunkturtal herausarbeiten kann. Für das laufende Jahr geht der IWF von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent aus, für 2011 von 1,7 Prozent. Im Februar lag die Einschätzung noch bei 1,5 bzw. 1,9 Prozent Wachstum für Deutschland. Nach Ansicht des IWF wird sich der Abbau von Arbeitsplätzen beschleunigen, es wird sogar ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 9,5 Prozent zum Jahresende erwartet. Auch für 2011 erwartet der IWF keine Besserung. Weitere Stellenstreichungen stünden vor allem in der deutschen Industrie bevor, insbesondere, wenn sich der Welthandel schwächer entwickelt als bisher erwartet. Vor allem die Instabilität des Bankensektors bleibt nach IWF-Einschätzung ein Risiko für den Aufschwung. Seit Beginn der Krise hat sich der Zustand der Finanzbranche zwar verbessert, doch es bestehen weiterhin Gefahren, wie das Risiko weiterer Kreditausfälle und Abschreibungen sowie das starke Engagement deutscher Banken in Südeuropa.

Das Zinsniveau für Baufinanzierungen ist weiterhin auf einem historisch günstigen Niveau. Für risikofreudige Baufinanzierer oder diejenigen, die in den kommenden Jahren einen größeren Geldbetrag zur Verfügung haben, kann es sich lohnen, für einen Teil der Finanzierungssumme einen variablen Zinssatz zu wählen. Wir empfehlen, z. B. für ein Drittel des Darlehensbetrags einen variablen Zinssatz und für den Rest eine lange Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren zu wählen. Ein Darlehen mit einem variablen Zins, ob mit oder ohne Zinsobergrenze, ist schon für weniger als 2,50 Prozent zu bekommen. Sie können dabei jeweils zum Quartalsende auf ein Festzinsdarlehen wechseln. Ihre Baufinanzierungsexperten bei Dr. Klein beraten Sie gern!

Tendenz
Kurzfristig: schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung bis 2011 der Dr. Klein & Co. AG

Mrz
11

Dank des Konjunkturprogramms und der lockeren Geldpolitik ist die US-Wirtschaft im vierten Quartal schneller gewachsen als ursprünglich geschätzt. Das Plus lag bei 5,9 Prozent, das ist der stärkste Zuwachs seit sechs Jahren. Die Prognosen für 2010 sehen diesen Aufwärtstrend weiter bestehen, wenn auch verhaltener. Trotz der günstigen Prognose erholen sich die USA nur langsam von der schwersten Rezession seit Jahrzehnten, denn der Aufschwung kommt auf dem Arbeitsmarkt nicht an. Das birgt die Gefahr, dass die Verbraucher sich mit ihren Ausgaben immer mehr zurückhalten und mehr und mehr Hausbesitzer in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank (FED), versucht derweil, die Märkte zu beruhigen. Seiner Meinung nach befindet sich die Erholung der Wirtschaft erst am Anfang. Zudem wird die FED die Leitzinsen entgegen der Befürchtung von Investoren noch für geraume Zeit niedrig lassen. Ein endgültiger Ausstieg aus den billionenschweren Konjunkturstützungsprogrammen stehe vorerst nicht an, so Bernanke. In der Finanzkrise hatte die FED nicht nur den Leitzins sehr stark gesenkt, sondern auch für über eine Billion Dollar Hypotheken aufgekauft, um den Hypothekenmarkt zu stützen. Als die FED dann überraschend den Diskontsatz, also den Zins für Notfallkredite an Banken, anhob, weckte dies Ängste vor einer schneller als erwartet kommenden und konjunkturschädigenden Straffung der Geldpolitik. Bernanke bezeichnete die Maßnahmen der FED aber als „Normalisierung“ und nicht als „Straffung“ der Geldpolitik.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat angekündigt, dass sie bei der Zinsentwicklung 2011 ihre großzügige Geldversorgung der Banken länger aufrechterhalten will. Zwar fährt sie die Liquiditätsspritzen langsam zurück, doch noch bis Mitte Oktober können Finanzhäuser bei den wöchentlichen Finanzierungsgeschäften so viel Geld abrufen, wie sie wünschen. Das gab EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Sitzung des EZB-Rates bekannt. Seit Ausbruch der Finanzkrise können Banken so viel Geld abrufen, wie sie brauchen. Bis zur Finanzkrise mussten sie üblicherweise in einem Bieterverfahren um frisches Geld kämpfen. Ziel der EZB ist es, langfristig zu dem alten Verfahren zurückzukehren.

Die Zinsen für Baugeld bewegen sich weiterhin auf einem historisch günstigen Niveau. So lagen die Konditionen für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung vor gut einem halben Jahr noch etwa 0,40 Prozent über dem heutigen Zinssatz. Bei einem Darlehen von 150.000 Euro entspricht das auf die Zinsbindungsdauer gesehen einem Zinsmehraufwand von 6.000 Euro. Nutzen Sie daher jetzt die günstigen Konditionen. Läuft bei Ihrer Erstfinanzierung die Zinsbindung aus, so können wir Ihnen auch hier attraktive Konditionen bieten. Lassen Sie sich von unseren Baufinanzierungsexperten beraten und kommen Sie so in den Genuss eines Zinsabschlags von bis zu 0,20 Prozent bei Umschuldungen.

Tendenz
Kurzfristig: schwankend
Langfristig: steigend

Jan
29

Sollten Regierungen und Notenbanken ihre Konjunkturhilfen zu früh beenden, könnte es in den Industrieländern zu einer zweien Rezession kommen, so der Internationale Währungsfonds (IWF). Erst wenn die Beschäftigung wieder steige und die private Nachfrage anziehe, sollten die Konjunkturstützen nach und nach abgebaut werden. Auch für Europa sprach sich der IWF angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der schlechten Kreditversorgung kleinerer und mittlerer Unternehmen gegen einen baldigen Ausstieg aus den Konjunkturhilfen aus.
Laut Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) und Gouverneur der österreichschen Nationalbank, ist es unwahrscheinlich, dass Europa innerhalb kurzer Zeit erneut in eine Rezession rutscht. Insbesondere in Deutschland, aber auch im übrigen Europa sei das Exportwachstum stärker als erwartet und auch der Euro-Höhenflug gefährde die Erholung nicht. Die Währungshüter hatten sich im Zuge der langsamen Erholung bereits im Dezember dazu entschieden, die Geld-Transfusionen an den Finanzsektor sukzessive zu verringern. Dabei wird aber nicht die Liquiditätszufuhr gestoppt, sondern die Laufzeiten verkürzt. Wann die EZB von diesem Prinzip der Vollzuteilung abrücken wird, ist weiterhin unklar.

Nach Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wird die Wirtschaft der Euro-Zone das Tempo ihrer Erholung von der globalen Krise in den kommenden Monaten nicht halten können. Hierbei dürfte es sich aber nicht um Zeichen eines erneuten Abschwungs handeln, sondern um die Charakteristika einer graduellen und holprigen wirtschaftlichen Erholung in den nächsten Quartalen, so Stark.
Auch die Erholung der Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung der Weltbank im Jahresverlauf abschwächen, da staatliche Konjunkturprogramme an Wirkung verlieren. Die private Nachfrage bleibe wegen der hohen Arbeitslosigkeit schwach und auch die Lage an den Finanzmärkten bleibe schwierig. Nach Ansicht der Weltbank wird sich die Weltwirtschaft langsamer als gedacht von der Krise erholen. Die Konsequenzen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise werden demnach voraussichtlich noch in den nächsten zehn Jahren zu spüren sein.
Für Baugeldinteressenten sind die Bedingungen weiterhin günstig. So kostet ein Baudarlehen heute je nach Dauer der Zinsbindung etwa 0,15 bis 0,75 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auf zehn Jahre betrachtet macht eine Differenz von 0,75% bei einem Darlehen von 200.000 Euro einen Mehrbetrag an Zinszahlungen von 15.000 Euro aus.
Daher raten wir allen Baugeldinteressenten, sich jetzt die historisch günstigen Zinsen zu sichern bevor sich die Zinsen wieder aufwärts bewegen.

Tendenz
Kurzfristig: schwankend
Langfristig: steigend

Quelle Zinskommentar der Dr.Klein & Co AG