Alle Beiträge zum Thema'6. Zinsentwicklung'

Dez
29

Mit 2011 geht ein Jahr historisch niedriger Zinsen für Bauherren und Immobilienkäufer zu Ende. Interhyp nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, um auf die wichtigsten Marktentwicklungen und deren Folgen für Baugeld-Konditionen einzugehen und gibt Tipps, worauf Häuslebauer und Eigenheimbesitzer in 2012 achten sollten.

IMMOBILIENMARKT – Angebotsmangel, steigende Preise und Steuern
In Zeiten geringer Guthabenverzinsung, hoher Inflation und volatiler Aktienmärkte haben viele Deutsche auf die als sicher geltende Immobilie gesetzt. So war das Jahr 2011 von einer starken Immobiliennachfrage geprägt, die vor allem in Ballungszentren zu steigenden Preisen geführt hat: Laut Marktbericht des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wurden beispielweise bei Bestandswohnungen in München Preissteigerungen von 9,7 Prozent seit dem Frühjahr erreicht. Auch in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg ist der Markt stellenweise wie leergekauft, entsprechend ähnliche Preisentwicklungen sind dort zu sehen.

In solch umkämpften Immobilienmärkten ist es wichtiger denn je, schnell und verbindlich einen Kauf zusagen zu können. Interhyp hat auf diesen veränderten Markt reagiert und bietet seit diesem Jahr einen neuen Service an, die VorausBeratung: Kaufinteressenten klären mit ihrem Interhyp-Berater bereits ohne konkretes Objekt ihren Finanzierungsbedarf, um mit einem fertigen Finanzierungskonzept in der Tasche ihre Chance auf den Zuschlag für ihre Wunschimmobilie zu erhöhen.

Neben dem vielerorts ausgeprägten Mangel an Immobilien wird zudem in 2012 auch deren Erwerb in einigen Bundesländern teurer: Die Grunderwerbsteuer steigt auf fünf Prozent in Schleswig-Holstein (ab Januar), Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (voraussichtlich zum 1. März), Berlin (zum 1. April), und Mecklenburg-Vorpommern (voraussichtlich Mitte 2012).

Interhyp rät: Wer die Möglichkeit hat, sein Kaufvorhaben noch vor den geplanten Erhöhungen unter Dach und Fach zu bringen, sollte sich beeilen. Immobilienkäufer, die vor der Steueranhebung den Kaufvertrag unterschreiben, zahlen den bisherigen Satz – und können so leicht mehrere Tausend Euro sparen.

BAUGELD – Auch 2012: niedrige Zinsen, langfristig sichern
Robert Haselsteiner, Zinsexperte der Interhyp AG, analysiert das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2012: “In 2011 haben Baugeldkunden in Deutschland massiv von der Schuldenkrise in Euroland profitiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deutsche Bundesanleihen von internationalen Investoren als letzter Hort der Sicherheit innerhalb des Euroraumes gesehen wurden. Nicht nur die Flucht aus den Staatsanleihen von Krisenländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien, sondern auch Verkäufe von italienischen und französischen Staatstiteln haben die Zinsen in diesen Ländern auf Niveaus steigen lassen, die wir seit 1994 nicht mehr gesehen hatten.

Falls also die Schleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) in den nächsten Monaten geöffnet werden, sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen ‚Short Krisenländer – long Bundesanleihen‘ schließen und die Belastungen für Deutschland über Transferleistungen in den folgenden Jahren drastisch zunehmen würden. Das könnte in Deutschland auch zu einem deutlichen Anstieg der Baugeldkonditionen in den ersten Monaten von 2012 führen.

Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen in Euroland sehr tief zu halten, um den Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. Das sollte im Verlauf von 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zugutekommen.”

Bei der Zinsentwicklung 2012 heißt das Gebot der Stunde aber auf jeden Fall: Die aktuell historisch tiefen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben. Damit wird die Immobilieninvestition mit Kalkulationssicherheit versehen und zukünftige Unwägbarkeiten an den Kapitalmärkten können ohne Stress für die Finanzierung des eigenen Heimes beobachtet werden. Interhyp rät zudem, neben möglichst langen Zinsfestschreibungen von 15 Jahren oder mehr eine anfängliche Tilgungshöhe von mindestens zwei Prozent zu vereinbaren. So nutzen Immobilienkäufer die niedrigen Zinsen für eine schnelle Entschuldung.

Quelle: Pressemitteilung der Interhyp AG vom 28.12.2011

Dez
16

Die letzten Tage waren wieder einmal von besonderen Nachrichten gekennzeichnet. Der EU-Gipfel war nicht in der Lage, eine große Lösung unter Einbeziehung aller EUMitglieder zu präsentieren, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat, wie gemeinhin erwartet, die Leitzinsen gesenkt. Die aktuellen Beschlüsse des EU-Gipfels sehen nunmehr eine Schuldenbremse vor. Die Neuaufnahme von Schulden soll begrenzt werden. Kenngröße ist hier das Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes. Diese Regelung soll in die nationalen Verfassungen aufgenommen werden. Sofern ein Mitgliedsstaat höhere Defizite hat, muss der EU-Kommission ein Reformprogramm vorgelegt werden. Deren Umsetzung soll streng überwacht werden. Diese Vereinbarung wird leider nur von einem Teil der EU-Staaten mitgetragen. Durch sehr weitgehende Forderungen behinderte insbesondere Großbritannien eine Einigung im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten. Zwischenstaatliche Verträge sollen nun bis März nächsten Jahres vorliegen.

Zusätzlich wurden auch kurzfristige Maßnahmen beschlossen, die den Euro stabiler machen sollen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen weitere 200 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, damit dieser strauchelnden Eurostaaten beistehen kann. Die Mittel sollen von den Zentralbanken kommen. In der Deutschen Bundesbank gibt es dazu aktuell rechtliche Bedenken. Die Bundesbank will deshalb einen weiteren Beschluss des Bundestages bewirken.

Angela Merkel ist mit den ausgehandelten Kompromissen sehr zufrieden. Etliche Experten fordern aber weiterhin den unbeschränkten Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Die deutsche Regierung wehrt sich nach wie vor vehement dagegen. Es ist leider sehr unwahrscheinlich, dass die Gipfelergebnisse allein die Probleme für die Zukunft lösen können.

In diesen schweren Krisenzeiten unterstützt auch die EZB die Politik bei der Lösung der Euro-Krise. Sie senkte den Leitzins. Durch diese Maßnahme sollen vor allem die schwächelnde Konjunktur gestützt werden und Banken, die wegen der Schuldenkrise besonders betroffen sind, Hilfe erhalten. Wir gehen davon aus, dass die EZB diese Niedrigzinspolitik auch in 2012 weiterführen wird. Der EZBChef Mario Draghi erteilte dem umfangreicheren Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ebenfalls eine Absage. Inwieweit er diese Position halten kann, wenn Eurostaaten in echte Notsituationen geraten, z.B. weil sie kein frisches Geld mehr bekämen und deshalb zahlungsunfähig wären, bleibt abzuwarten.

Baufinanzierungskunden konnten sich in den letzten Wochen mit sehr billigen Krediten eindecken. Diejenigen, die auch noch eine lange Zinsbindung gewählt haben, haben jetzt für die gesamte Laufzeit ihrer Finanzierung keine Zinssorgen mehr. Je nach Tagesmeldung kann sich der aktuelle Zins um einiges bewegen. In der mittleren und längeren Frist sprechen sowohl die Unsicherheit zu den Renditen von Staatsanleihen als auch die künftigen Regelwerke für Banken und Versicherungen dafür, dass die Baufinanzierungskosten steigen werden. Wir raten daher allen Kunden, günstige Phasen zu nutzen, um sich die günstigsten Finanzierungsbedingungen zu sichern. Ihr Berater unterstützt sie hierbei natürlich sehr gern. Sprechen sie uns einfach an.

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Dr. Klein & Co. AG vom 15.12.2011 auf Zinsentwicklung.de

Dez
07

Baugeldvermittler Enderlein erwartet weiterhin günstige Zinsen und hohe Nachfrage nach Objekten

Das Jahr 2012 bringt für heutige und künftige Immobilieneigentümer einige Veränderungen. Der Baugeldvermittler Enderlein aus Bielefeld hat die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

Steuer: Vermietungen an Angehörige einfacher
Wer eine Immobilie besitzt und im Objekt Wohnungen an Familienangehörige vermietet, kann sich ab 2012 laut Enderlein über Vereinfachungen freuen. Hintergrund ist das Steuervereinfachungsgesetz. Wenn eine Immobilie an nahe Verwandte vermietet wird, entfallen ab Januar die Prognoserechnungen über die Gewinnerzielungsabsicht für die kommenden 30 Jahre. Voraussetzung: Es muss ein üblicher Mietvertrag geschlossen werden und die Miete muss mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete ausmachen.

Wohneigentumsprogramm bei preiswerten Immobilien besser
Beim Wohneigentumsprogramm (124/134) der KfW wird der maximale Finanzierungsanteil der Gesamtkosten ab 2012 von 30 Prozent auf 100 Prozent erhöht, der Förderhöchstbetrag wird dagegen von 75.000 Euro auf 50.000 Euro verändert. „Für alle Immobilien bis zu 166.000 Euro Kaufpreis bringt dies dem Eigennutzer daher de facto mehr Geld“, rechnet Manfred Hölscher vor. Ab einem Kaufpreis von 170.000 Euro steht der Käufer hingegen künftig etwas schlechter da als bei der noch bis zur Jahresende gültigen Förderung.

Grunderwerbsteuer: Mehrausgaben beim Immobilienkauf in 2 Bundesländern
Ab 1. Januar und 1. März 2012 schrauben auch Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die Grunderwerbsteuer von 3,5 auf 5 Prozent. „Besonders Kapitalanleger, die in größere Objekte investieren, werden die Steuererhöhung zu spüren bekommen“, sagt Manfred Hölscher. Die höheren Kaufnebenkosten haben insgesamt jedoch keinen übermäßigen Einfluss auf die Rendite. Wichtiger sei die Objektzustand und die künftige Vermietbarkeit. Für Eigennutzer, die eine Immobilie kaufen, hält sich die Teuerung in Grenzen. Bei einem Appartement für 100.000 Euro müssen ab Januar 1.500 Euro einmalig mehr berappt werden.

KfW: Förderung nur noch bei Energieeffizienz
Ab Januar 2012 ist es nicht mehr möglich, allgemeine Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen über das KfW-Wohnraum Modernisieren (Nr. 141) zu finanzieren. „Lediglich wenn es sich um energieverbessernde Maßnahmen handelt, können zinsgünstige Kredite beantragt werden“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Nach seinen Worten können Immobilienbesitzer durch das Zinstief allerdings auch normale Modernisierungskredite vergleichsweise zinsgünstig abrufen. Für Kreditsummen zwischen 5.000 und 60.000 Euro seien beispielsweise spezielle Modernisierungs- und Energiedarlehen mögliche Alternativen. Die Zinsen liegen derzeit bei etwa 5 Prozent. Baugeldvermittler helfen Kreditnehmern durch den Angebotsdschungel.

Altersgerechter Umbau weiterhin mit Förderung
Anders als vorgesehen, führt die KfW Bankengruppe die Förderung von altersgerechtem Umbau 2012 fort. In 2011 können Eigentümer, Mieter oder Wohnungsunternehmen Förderkredite noch zu besonders günstigen Zinssätzen über die Hausbanken (besser die Finanzierungsinstitute) beantragen. Die Hausbanken (siehe wie vor) können die Anträge zu den aus Mitteln des Bauministeriums verbilligten Zinssätzen zwischen 1,00 und 1,56 Prozent noch bis 16. Dezember 2011 bei der KfW einreichen. Der maximale Kreditbetrag beträgt 50.000 Euro pro abgeschlossener Wohneinheit. Wie hoch die Zinsen ins 2012 sein werden, steht noch nicht fest.

Zinsenentwicklung 2012: Anhaltend gute Aussichten für Kreditnehmer
Nachdem die Zinsen für Immobilienkredite 2011 ein neues Allzeittief erreicht haben, können Immobilienkäufer bei der Zinsentwicklung 2012 grundsätzlich ebenfalls mit niedrigen Zinsen für Darlehen rechnen. „Durch die enormen Unsicherheiten auf den Märkten ist eine Vorhersage der Konditionen kaum möglich. Es allerdings davon auszugehen, dass die Zinsen für Darlehen zwischen 3 und 4 Prozent zu haben sind. Junge Kreditnehmer mit hohem Finanzierungsbedarf sollten zu Krediten mit Zinsbindungen von mindestens 10 Jahren greifen, besser sind jedoch 15 oder 20 Jahre. Zudem sind Anfangstilgungen von mindestens 2 Prozent empfehlenswert.

Preisentwicklung Immobilien
2012 ist laut Enderlein mit einer anhaltend starken Nachfrage nach Immobilien zu rechnen. „Die Unsicherheit an den Märkten wird dafür sorgen, dass Privatpersonen und Investoren gleichermaßen in Sachwerte investieren“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Die Preise für Immobilien dürften weiter leicht anziehen.

Quelle: Pressemitteilung der Enderlein & Co. GmbH vom 06.12.2011

Dez
06

EZB-Käufe werden kommen
Der Druck auf Angela Merkel nimmt täglich zu. Nicht nur die Anleger auf den Finanzmärkten treiben seit Wochen die Renditen von Spanien und Italien zu neuen Höchstständen und erzwingen damit kurzfristige Antworten der Politik. Auch die europäischen Politiker selbst erhöhen den Druck auf Deutschland, seine gewohnten Prinzipien aufzugeben. Nicolas Sarkozy kämpft um die Chance einer Wiederwahl bei den kommenden Präsidentschaftswahlen und versucht den unmöglichen Spagat zwischen Verschonung seiner Wähler und Sparmaßnahmen, die ihm das AAA-Rating für sein Land retten könnten. Den Ausweg hat er schon längst gefunden und so versucht er seit Wochen Angela Merkel davon zu überzeugen: Die Europäische Zentralbank (EZB) muss die Schleusen aufmachen und sicherstellen, dass alle Euroländer ihre Staatsfinanzierung durch Aufkäufe der EZB sichern können. Die nächste rhetorische Attacke kam am Mittwoch von Währungskommissar Oli Rehn. Der stellte sich plötzlich vor die Fernsehkameras und erklärte, dass sich das Schicksal des Euro in den nächsten zehn Tagen entscheiden werde. Damit haben alle Marktteilnehmer begonnen, die Tage runterzuzählen. Der Druck für Merkel und Sarkozy, bis zum Gipfel am nächsten Wochenende eine wahrhaft umfassende Lösung zu präsentieren, ist noch einmal dramatisch gewachsen. In gegenseitiger Abstimmung haben die großen Notenbanken der Welt die Refinanzierung für Banken günstiger gemacht und damit eine Kursrally an den Börsen ausgelöst, da immer mehr Investoren inzwischen glauben, dass das der nächste Hinweis auf die “große Lösung” ist: Die uneingeschränkte Erklärung der EZB, dass sie alle Anleihen von Krisenstaaten kaufen wird, die ihr angeboten werden. Immer noch hält Frau Merkel an ihrer Rhetorik fest, dass sie weder Eurobonds noch EZB-Käufe zulassen wird. Tatsache ist aber, dass sie fünf vor zwölf einknicken und das für sie einfach zu argumentierende Eingreifen der Notenbank zulassen wird. Schließlich ist die EZB ja “unabhängig”. Wenn die EZB daher bereit ist, diesen Schritt zu gehen, so kann das Frau Merkel gar nicht verhindern. Vielmehr wird sie sich dafür feiern lassen, dass sie die “Pest”, nämlich Eurobonds, die direkt den Kredit Deutschlands unterminieren würden, verhindert hat.

Schulden werden weginflationiert
Es wird auch argumentiert werden, dass damit die Zeit gewonnen wird, um nachhaltige Änderungen in den EU-Verträgen umzusetzen – mit automatischen Sanktionen und harten Strafen für Sünder. Was passiert aber mit den enormen Staatsschulden, die ja aufgrund von Sparprogrammen, schwächerer Konjunktur und damit ausfallenden Steuereinnahmen zumindest in den nächsten zwei Jahren eher weiter ansteigen werden, bevor eine Chance besteht, über die mittelfristigen Wirkungen einen tatsächlichen Rückgang der Neuverschuldung oder gar einen Schuldenabbau zu sehen? Mit dem Eingreifen der EZB wird im letzten großen Wirtschaftsraum das Projekt “weginflationieren der Schulden” gestartet. Die USA machen das schon seit zwei Jahren vor. Die Notenbank setzt bei der Zinsentwicklung 2012 die kurzfristigen Zinsen auf Null und manipuliert dann auch für die Zinsentwicklung 2013 die langfristigen Zinsen für Staatsanleihen durch massive Aufkäufe gegen Null. Damit finanziert der Staat sich zu minimalen Kosten und kann auch eine exorbitante Staatsschuld locker bedienen. Parallel steigen die Preise durch eine immer größere Geldmenge, die im Umlauf ist (die Notenbank druckt ja schließlich Geld, um die Staatsanleihen kaufen zu können). Inflation entsteht. Das heißt aber auch, dass die Wirtschaft nominal wächst, auch wenn real davon nichts übrigbleibt. Die Staatsverschuldung hat im Nenner das nominale Bruttoinlandsprodukt. Im Zähler steht der nominale Schuldenstand. Sind die Zinsen für eine längere Periode extrem tief bzw. deutlich unter der Inflationsrate, dann wird der Zähler im Vergleich zum Nenner kleiner. Die Verschuldungsquote sinkt.

Aber wer bezahlt für diese “Rückführung der Verschuldung”? Jeder Sparer. Egal ob er direkt Staatsanleihen mit extrem tiefer Rendite kauft, einen Rentenfonds, eine Kapitallebensversicherung oder ein Tagesgeld- oder Sparkonto bei der Bank hat. Schon jetzt handeln deutsche Bundesanleihen mit einjähriger Laufzeit bei 0% Rendite. Zehnjährige Bundesanleihen liegen knapp über 2%. Rechnet man davon noch die Steuer ab, bleiben bestenfalls 1,5% übrig bei jetzt schon 2,5% Inflationsrate in Deutschland. Das Spiel hat also schon längst begonnen. In England liegt die Inflationsrate bereits bei 5% und die zehnjährigen Staatsanleihen rentieren bei 2,2%. Das zeigt, was eine Notenbank, die mit der Regierung kooperiert, bewegen kann.
Steigende Baugeldzinsen zum Jahresende möglich – Zinsprognose 2012
Sollten also die Schleusen der EZB in den nächsten zwei Wochen geöffnet werden, dann sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen “Short Krisenländer – long Bundesanleihen” schließen würden. Bezüglich der Zinsprognose 2012 könnte ein deutlicher Anstieg der Baugeldkonditionen gegen Jahresende die Folge sein. Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen grundsätzlich in Euroland sehr tief zu halten. Das sollte 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zu Gute kommen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 02.12.2011

Nov
19

Der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der sein Amt am 1.11.2011 angetreten hat, gab in der ersten Novemberwoche eine Leitzinssenkung bekannt: Die Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten auf nunmehr 1,25 Prozent wurde dabei mit einer leichten Rezession im Euroraum begründet, die die Notenbanker zum Jahresende hin befürchten. Viele Marktteilnehmer wurden von diesem Schritt überrascht, da die Inflationsrate im vergangenen Monat im Euroraum bei 3,0 Prozent lag und sich damit deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent befindet. Das EZB-Ratsmitglied Nowotny deutet sogar an, dass die EZB im Dezember den Leitzins erneut senken könnte, wenn sich die Wirtschaftsaussichten weiter eintrübten.

Kritiker befürchten aufgrund des aktuellen Vorgehens der EZB, dass sich die eigentlich unabhängige Zentralbank zunehmend von der Politik instrumentalisieren lässt, um einen Rückgang der Wirtschaft auf jeden Fall zu verhindern und das bisher oberste Ziel der Preisstabilität dabei zukünftig an Bedeutung verliert. Für diese These spricht zudem, dass die EZB auch weiterhin Staatsanleihen von Ländern aufkauft (diese Maßnahme war immer als vorübergehend und im Volumen begrenzt bezeichnet worden), um die Zinsen künstlich niedrig zu halten, was diesen Ländern aktuell bei der Refinanzierung von Schulden hilft: So stiegen z.B. in Italien die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen zwischenzeitlich auf über sieben Prozent, da sich Investoren massenhaft von diesen trennten. Nur durch die Intervention der EZB stiegen die Anleihenkurse wieder, und Italien konnte sich bei der letzten Emission von Staatsanleihen Zinsen von knapp über sechs Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren sichern.
Das Vorgehen der EZB kann – wie die letzten Wochen gezeigt haben – aber immer nur kurzfristig die Märkte beruhigen. Als ein Indikator, wie nervös die Finanzmärkte derzeit sind, können die Übernachteinlagen von Banken bei der EZB dienen: Je mehr die Banken bei der EZB „parken“, desto weniger leihen sie sich untereinander: Das Vertrauen der Banken gegenüber anderen Banken nimmt ab. Am 7.11. erreichte dieser Wert ein neues 17-Monatshoch. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, kann es dazu kommen, dass Banken restriktiver in der Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen agieren und das Wirtschaftswachstum negativ beeinflusst wird, weil notwendige Investitionen ausbleiben.

Die strukturellen Probleme, dass Staaten in den vergangenen Jahren auf Pump gelebt haben und die Ausgaben immer weiter ausgeweitet wurden, müssen die Staaten dringend und nachhaltig angehen, sodass ein Übergreifen der Schuldenkrise von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal auf Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien verhindert wird – der gerade beschlossene Rettungsschirm wäre nicht annähernd ausreichend, um diese beiden großen Volkswirtschaften zu stützen. Ob die Politik, wie z.B. durch gerade beschlossene Spar- und Wachstumsprogramme in Italien, das Vertrauen der Finanzmärkte in die finanzielle Stabilität zurückgewinnen kann, bleibt zu hoffen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass die EZB zukünftig Anleihen in großem Stil aufkaufen muss (wie dies z.B. vom renommierten US-Ökonom Krugman gefordert wird), um letztendlich ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union zu verhindern. Letzteres Vorgehen würde dabei einem vollständigen Kurswechsel der EZB gleichkommen.
Da die Bonität der Bundesrepublik Deutschland aktuell in keiner Weise von Investoren angezweifelt wird, kaufen diese nach wie vor vermehrt Staatsanleihen, was es möglich macht, dass sich Deutschland derzeit zu extrem günstigen Zinsen refinanzieren kann. Diese Sonderbedingung spiegelt sich ebenfalls auf dem Deutschen Pfandbriefmarkt und somit auf dem Markt für Baufinanzierungszinsen wider: Der deutsche Staat sowie Kunden, die zurzeit eine Immobilienfinanzierung benötigen, profitieren eindeutig von der Schuldenkrise unserer europäischen Nachbarländer. Gerade Anschlussfinanzierer, die in den nächsten Monaten ihre Finanzierung prolongieren müssen, aber auch Immobilienbesitzer, die erst in zwei oder drei Jahren prolongieren müssen (Forwarddarlehen), sollten das aktuelle Zinsniveau nutzen. Hierbei empfehlen wir Eigenheimbesitzern, entweder durch einen höheren Tilgungssatz, eine längere Zinsbindung oder die Kombination aus beidem die Darlehen so abzuschließen, dass am Ende der neuen Zinsbindung die Immobilie lastenfrei ist. Unsere Berater helfen Ihnen bei der Optimierung Ihrer persönlichen Finanzierung.

Kurzfristig: stark seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Zinsprognose 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de vom 15.11.2011

Nov
09

Der Kurs der EZB hat gewechselt

Bereits in seiner ersten Sitzung als neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Mario Draghi die Leitzinsen überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 1,25% gesenkt. Bereits nach wenigen Tagen im Amt macht Herr Draghi damit die Beteuerungen zum Primat der Preisstabilität seines Vorgängers Trichet vergessen. Eine neue Zeitrechnung hat somit begonnen, denn ab jetzt ist die EZB genauso wie die US-Notenbank, die Bank of England und die Bank of Japan ein Verbündeter der Politik im krampfhaften Versuch, das Wirtschaftswachstum um jeden Preis und mit jedem Mittel zu fördern. Die unabhängige und zum Teil stark disziplinierende Geldpolitik, so wie wir sie von der Deutschen Bundesbank kannten und wie sie uns von der EZB versprochen wurde, ist damit Geschichte. Herr Draghi hat schnell und ohne Zögern seinen offensichtlich von den Politikern geforderten Beitrag zur vermeintlichen Lösung der Schuldenkrise geleistet. Die Begründung für die Zinssenkung – ein mögliches Abgleiten in eine leichte Rezession in Euroland – lässt völlig außer Acht, dass die Inflationsrate sehr deutlich über dem Zielwert der EZB liegt. Damit können wir auch für die Zinsentwicklung 2013 von historisch tiefen Leitzinsen ausgehen und erwarten auch, dass Herr Draghi, ähnlich wie der US-Notenbank-Chef Bernanke, alles daran setzen wird, die längerfristigen Kapitalmarktzinsen tief zu halten. Schon jetzt wird in den USA über eine Wiederaufnahme der Notenbank-Käufe von Hypothekenanleihen gesprochen. Quantitative Easing Nummer 3 – also die dritte Runde an Aufkäufen von Staatsanleihen und weiteren Schuldtiteln – steht kurz vor der Tür. Im Kern handelt es sich dabei um eine Manipulation der Kapitalmarktzinsen in enormem Ausmaß, die den hoch verschuldeten Staaten zu geringeren Zinszahlungen verhilft, gleichzeitig aber die privaten Anleger um eine rechtmäßige Verzinsung ihrer Kapitalanlagen bringt. Auf diese Weise wird vorerst die Finanzierung der aufgelaufenen Schulden erträglich gemacht und Zeit gewonnen.

Krisen und Lösungsansätze überschlagen sich

Gleichzeitig scheint die Nachfrage weltweit schon wieder rückläufig zu sein. Parallel zu diesen geldpolitischen Entwicklungen läuft die europäische Schuldenkrise mit immer absurderen Facetten ab. Binnen weniger Monate hat sich die Höhe der von Griechenland benötigten Mittel von 100 Mrd. auf über 200 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Das neue Rettungspaket, das nun geschnürt wurde, wird auch noch mit einem Hebel ausgestattet. So können mit 440 Mrd. Euro am Ende möglichst über 1.000 Mrd. Euro an Finanzierungen für die klammen Staaten des Südens dargestellt werden. Die Politik versieht also ihren Rettungsschirm mit „Leverage“ – ein Begriff, den vor allem die bei Politikern verrufenen Hedge Fonds bekannt gemacht haben. Genau diesen Hedge Fonds möchten daher die gleichen Politiker, die den Hebel beim Rettungsschirm einführen, über strengere Regulierungen das Handwerk legen. Die Absurdität kennt keine Grenzen mehr!

Den größten Bock aber haben in den letzten 48 Stunden doch wieder die Griechen geschossen. Ihr Regierungschef hat sich kurzerhand entschlossen, das Volk darüber abstimmen zu lassen, ob es die Rettung durch Europa und den IWF zu den verhandelten Konditionen überhaupt annehmen möchte. In einer Demokratie ein eigentlich ehrenwerter Schritt – nur hängt an dieser Zustimmung leider das gesamte Euroland-Weltbild von Frau Merkel und Herrn Sarkozy. Sie wollen daher mit massivem Druck diese Volksabstimmung verhindern, um nicht das Risiko einer Absage einzugehen. Was macht Herr Papandreou folglich? Er sagt die Volksabstimmung einfach wieder ab. Eine Politposse erster Güte, die sich hier zwischen G8, G20 und weiß Gott welchen weiteren Krisensitzungen, die inzwischen mindestens einmal wöchentlich stattfinden, abspielt.

Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer profitieren

Dem Baugeldkunden kann eine solche Zinsentwicklung bis 2013 am Ende nur Recht sein. Die EZB-Politik sorgt für tiefe Zinsen und die Regierungen versuchen die Konjunktur am Laufen zu halten. In wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland bedeutet das ein gutes Umfeld für Wohnimmobilien. Kunden mit guter Bonität können ähnlich wie Deutschland auf Staatsebene zu extrem tiefen Zinsen finanzieren. Diese Chance gilt es zu nutzen, ist doch der Kauf eines Eigenheims kein Konsum sondern eine Investition in Substanz und deckt dazu noch die größte Ausgabe im Alter ab. Wichtig dabei bleibt, die aktuell tiefen Zinsen für höhere Tilgungen und damit eine schnellere Entschuldung zu nutzen. Denn langfristig auf zu hohen Schulden zu sitzen ist kein gutes Rezept – wie uns die Staaten gerade aufzeigen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Interhyp AG vom 04.11.2011

Okt
09

Nachdem sich die Politiker in ihrer Reaktion auf die 2008er-Krise in eine Sackgasse manövriert haben, bleiben einzig die Notenbanken übrig, um das Funktionieren des Banken- und Wirtschaftssystems, so wie wir es bisher kennen, zu sichern. Würden die Notenbanken nicht seit drei Jahren praktisch unbegrenzte Liquidität für das Bankensystem und den Zinsmarkt zur Verfügung stellen und gleichzeitig durch Ankäufe von Staatsanleihen und Bankschuldverschreibungen intensiv an den Anleihemärkten eingreifen, so wäre es bereits zum Stillstand gekommen.

Längst geht es nicht mehr um den Crash am amerikanischen Immobilienmarkt und die daraus entstandenen Schieflagen bei Banken. Der Konjunktureinbruch 2009 hat in erschreckendem Maße aufgedeckt, wie labil das gesamte System der Staatenfinanzierung aufgebaut ist. Konjunkturpakete und Bankenrettungskosten haben in einer Reihe von Ländern die Budgetdefizite explodieren lassen und zu großen Fragezeichen geführt, wie denn diese steigenden Verschuldungsquoten finanziert werden sollen. Dort, wo die Abhängigkeit von externen Investoren am größten und die Fundamentaldaten am schwächsten sind, dort sind die Verwerfungen am stärksten. Nur die Einbettung in das Eurogebiet hat Irland, Portugal und Griechenland bisher vor dem sicheren Staatsbankrott gerettet. Aber damit ist die nächste Sollbruchstelle aufgetaucht: Wie lange können die vermeintlich starken Euroländer diese Belastungen tragen? Und wie stark sind sie wirklich? Die Tatsache, dass Spanien und Italien jeweils mehr als 100 Mrd. Euro für den Rettungsfonds EFSF aufbringen müssen, obwohl sie selbst an der Kippe zum Rettungskandidaten stehen, zeigt die Tragik der Geschichte. Und auch das Standing von Frankreich kommt immer stärker unter Druck. Schwache Wirtschaftsdaten, ein angeschlagener Bankensektor und faule Kredite bei den Städten und Gemeinden, die jetzt zur Abwicklung der Staatsfinanzierungsbank Dexia führen, lassen Frankreich zu Recht um sein AAA-Rating bangen. Was aber wird passieren, wenn die Bonitäten und damit auch die Finanzierungskosten von Deutschland und Frankreich deutlich auseinander laufen? Wie stark können dann Berlin und Paris noch als Tandem den Rest der Eurozone anführen?

EZB mutiert zum Handlanger der Politik
Gleichzeitig scheint die Nachfrage weltweit schon wieder rückläufig zu sein. So stark, dass der Traum der Politiker, aus den Schulden schrittweise herauszuwachsen, nicht realisierbar erscheint. Weitere Konjunkturpakete auf Pump sind nicht mehr darstellbar. Die Zinsen sind zwar in den noch mit Investorenvertrauen ausgestatteten Ländern historisch tief, nicht jedoch in den Krisenländern, wo die größten Defizite drücken. Es ist daher logisch, dass die Politik die Notenbanken in die Pflicht nimmt. In Japan ist das schon seit 15 Jahren so und in den USA hat man sich auch an die Gelddruckmaschine Ben Bernanke gewöhnt. Im Europa hat der scheidende EZB-Präsident Trichet am Ende seiner Laufbahn kapituliert. Direkte Käufe von Anleihen durch die Europäische Zentralbank wurden als einmaliges Programm dargestellt. Nachdem Donnerstag eine Neuaufnahme dieses Programms angekündigt wurde, wissen wir, dass es zur Dauereinrichtung wird, um den Zinsmarkt zu manipulieren – so wie das die US-Notenbank schon seit Jahren macht. Unbegrenzte Liquiditätsversorgung für die Banken hat Trichet angekündigt, nachdem zwei Tage vorher die Politik Maßnahmen zur Stützung der europäischen Banken in Aussicht gestellt hatte. Hier scheint es inzwischen eine direkte Befehlskette von Berlin/Paris nach Frankfurt zu geben. Mit Weber und Stark sind die letzten Bundesbanker klassischer Prägung aus dem Machtzentrum der europäischen Geldpolitik ausgeschieden. Mit Weidmann, Asmussen und Draghi kommen Vertrauensleute von Frau Merkel und ein Vertreter der Achse Rom/Paris auf das Spielfeld. Die Politik hat sich damit auch in Europa der Geldpolitik bemächtigt.
Es ist zu erwarten, dass diese Akteure für den Zinsmarkt 2012 sowohl die kurzfristigen Zinsen historisch tief halten werden – für den Dezember ist sogar mit einer Leitzinssenkung in Euroland zu rechnen – als auch alles versuchen werden, die langfristigen Zinsen tief zu halten. Diese Strategie verfolgt ja auch Herr Bernanke in den USA. Mit diesem niedrigen Zinsmarkt 2012 wird Zeit gewonnen, um die Defizite finanzierbar zu halten. Für die privaten Sparer bedeutet das allerdings bei Inflationsraten von 3% eine negative Realverzinsung und wirkt wie eine Steuer auf Vermögen. Die Sparer stellen – direkt über Anleihekäufe oder indirekt über ihre Altersvorsorge durch Lebensversicherungen und Fonds – den Regierungen zu viel Geld zu zu tiefen Zinsen zur Verfügung.

Immobilienkäufer profitieren durch extrem tiefe Zinsen
Die positive Kehrseite allerdings sind auch niedrige Zinsen für Baugeld. Hier kann der Kunde mit guter Bonität, ähnlich wie Deutschland auf Staatsebene, zu extrem tiefen Zinsen finanzieren. Diese Chance gilt es zu ergreifen, ist doch der Kauf eines Eigenheims kein Konsum, sondern eine Investition in Substanz und deckt dazu noch die größte Ausgabe im Alter ab. Wichtig dabei bleibt, die aktuell tiefen Zinsen für höhere Tilgungen und damit für eine schnellere Entschuldung zu nutzen. Langfristig auf zu hohen Schulden zu sitzen, ist kein gutes Rezept – wie uns die Staaten gerade aufzeigen.

Quelle: Kommentar zum Zinsmarkt 2012 der Interhyp AG vom 07.10.2011

Sep
27

Wie prognostiziert waren die Baufinanzierungszinsen der letzten drei Wochen von starken Bewegungen geprägt: Von Mitte bis Ende August stiegen die durchschnittlichen Zinsen über alle Laufzeiten um ca. 0,15 Prozentpunkte an, ab Anfang September sanken sie dann um mehr als 0,30 Prozentpunkte. Hintergrund für die letzte Bewegung waren wieder einmal die Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten, die Anleger vermehrt in sichere Bundesanleihen investieren ließ. Konsequenz war, dass die Renditen dieser und infolgedessen die Renditen auf dem Markt für Pfandbriefe sanken. Banken, die den Pfandbriefmarkt als Refinanzierungsquelle nutzen, konnten die günstigeren Einstände an Baufinanzierungskunden weitergeben.

Letzten Donnerstag verkündete Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen im Euroraum unverändert bei 1,5 Prozent zu belassen. Zudem deutete er ein Pausieren bei weiteren Zinserhöhungen an, obwohl die Inflationsrate im August bei 2,5 Prozent – und damit über der Richtgröße der EZB von zwei Prozent –lag. Hintergrund der Entscheidung ist das nachlassende Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union (EU): So revidierten die Ökonomen der EZB die Wachstumsprognose auf Jahressicht um 0,3 Prozent auf nunmehr 1,6 Prozent. Im Zuge nachlassenden Wachstums wird angenommen, dass das allgemeine Preiswachstum aufgrund fallender Rohstoffkosten ebenfalls zurückgehen wird.

Kritik erntete die EZB in den vergangenen Wochen erneut für den anhaltenden Aufkauf von Staatsanleihen von Ländern wie Spanien und Italien. Selbst der sich stets neutral verhaltende Bundespräsident, Christian Wulff, erinnerte die EZB an die eigentliche Aufgabe, die Wirtschaft mit Bargeld zu versorgen sowie die Inflation zu bekämpfen. Ziel des Aufkauf-Programms ist zum einen, die Preise der Staatsanleihen künstlich hoch zu halten (und im Gegenzug die Renditen niedrig zu halten), damit eine neue Schuldenaufnahme der Länder am Kapitalmarkt zu angemessenen Zinsen erfolgen kann. Zum anderen verhindert das Vorgehen, dass Banken, die in Staatsanleihen entsprechender Länder investiert sind, Abschreibungen bei Wertverlusten der Anleihen vornehmen müssten, was deren Eigenkapitalbasis vermindern würde. Wie ernst gerade der letzte Punkt von Seiten der Banken gesehen wird, spiegelte sich Ende August in der Tatsache wider, dass die Summen, die sich die Banken untereinander zu Refinanzierung leihen (und die das Vertrauen der Banken untereinander widerspiegeln), stark zurückgingen.

Am Freitag letzter Woche erfolgte der nächste Paukenschlag, der die Finanzmärkte nachhaltig erschütterte: Der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, verkündete seinen Rückzug aus dem Gremium der EZB zum Jahresende. Sowohl der Deutsche Aktienindex DAX als auch der Euro verloren deutlich an Wert. Herr Stark gilt seit Langem als Kritiker des Anleihen-Aufkauf-Programms der EZB und Verfechter einer nachhaltigen Finanzpolitik von Staaten. Finanzmarktteilnehmer vermuten, dass Herr Stark mit seinen Ansichten zunehmend isoliert war und gehen davon aus, dass die Schuldenkrise in Europa noch lange nicht ausgestanden ist.

Die griechische Regierung meldete z.B. jüngst, dass Steuerschulden nur schleppend und geringer als kalkuliert eingetrieben werden können, und dass die Löhne der Staatsbediensteten sowie die Renten nur noch bis Oktober bezahlt werden können. Die in den letzten Wochen häufig andiskutierte Lösung der europäischen Finanzmisere durch Einführung von sogenannten Eurobonds erhielt zwischenzeitlich einen deutlichen Dämpfer: Die Ratingagentur S&P teilt mit, diese Art von Anleihen nur mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes – also Griechenland – einstufen zu wollen, was eine überdurchschnittliche Zinszahlung zur Folge hätte.

Aufgrund der weiterhin zu erwartenden Unsicherheit auf den Finanzmärkten gehen wir von sehr starken Schwankungen des Zinsniveaus für die kommenden Wochen aus. Sollte sich die Situation in der Euro-Zone weiter zuspitzen, sind nochmals tiefere Zinsen für Baufinanzierungen möglich. Werden tragfähige Lösungen zur Schuldenproblematik gefunden, so dass sich die Märkte beruhigen, kann der Zinsmarkt jedoch auch schnell wieder um 0,20 bis 0,40 Prozentpunkte ansteigen. Kunden, die eine Baufinanzierung benötigen, sollten nicht auf noch niedrigere Zinsen spekulieren. Das historisch günstige Zinsniveau, das im Herbst letzten Jahres vorlag, wurde aktuell annähernd wieder erreicht. Besonders Kunden, die eine Anschlussfinanzierung in 12-60 Monaten für ihr Eigenheim benötigen, sollten sich intensiv mit dem Gedanken auseinandersetzen, sich bereits jetzt die Anschlussfinanzierung – mit Forward-Darlehen – zu sichern.

Kurzfristig: stark schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Dr. Klein & Co. AG vom 15.September 2011

Sep
12

Darlehen für Immobilien können ab 2,40% aufgenommen werden / 10-Jahres-Kredite knapp über 3% / Immobilienkäufer profitieren weiter von Finanzmarkturbulenzen

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr – heißt es in Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herbsttag“. Kühle Rechner sollten sich von der Melancholie der Lyrik jedoch nicht anstecken lassen und eine Immobilie zumindest jetzt finanzieren. „Die erneut aufgeflammte Angst an den Märkten hat dazu geführt, dass sich Kredite für Immobilien weiter verbilligt haben“, sagt Kai Oppel vom Baugeldvermittler HypothekenDiscount.

Für eine monatliche Kreditrate von 1.000 Euro erhalten Immobilienkäufer in den ersten Septembertagen bei Banken Darlehen bis zu einer Höhe von 350.000 Euro (5 Jahre Zinsbindung, 1 Prozent Anfangstilgung). Eine derart kurze Zinsbindung und niedrige Anfangstilgung ist zwar laut HypothekenDiscount nur für finanzstarke Immobilienkäufer ratsam. Doch selbst bei Darlehen mit großer Planungssicherheit lassen sich im Herbst 2011 beachtliche Kreditsummen realisieren. Beispiel: Wer aktuell eine Darlehensrate von 1.000 Euro in einen Kredit mit 10 Jahren Zinsbindung und 3% Anfangstilgung investiert, bekommt von der Bank einen Betrag von 196.000 Euro ausgezahlt. Im Frühjahr 2011 gab es bei Zinssätzen von knapp unter 4% für eine 1.000-Euro-Rate in dieser Konstellation lediglich 176.000 Euro Kredit.

„Die niedrigen Zinsen bei Immobilienkrediten führen dazu, dass Wohneigentum in vielen kleinen und mittelgroßen Städten für Normalverdiener in greifbare Nähe gerückt ist“, sagt Kai Oppel vom Baugeldvermittler HypothekenDiscount. Bei Quadratmeterkaufpreisen bis 2.000 Euro ist eine Finanzierung in vielen Fällen problemlos darstellbar.

Trotz der niedrigen Zinsen rät HypothekenDiscount zu einem Eigenkapitaleinsatz von 20 bis 40 Prozent. Auf diese Weise kann einerseits die Kreditsumme niedriger und die Sicherheit erhöht werden. Andererseits kommen Kreditnehmer dann in den Genuss der Top-Konditionen. „Zinssätze von 2,4% für fünfjährige Darlehen und knapp über 3% für zehnjährige Kredite gibt es nur, wenn Immobilienkäufer neben den Kaufnebenkosten für Makler und Notar einen Teil der Immobilie aus eigener Tasche zahlen können“, erläutert Oppel. Auf alle Fälle sollten Darlehensnehmer die Konditionen vergleichen, da nicht alle Anbieter Zinssenkungen gleichermaßen schnell an Kunden weitergeben.

Die in diesen Wochen niedrigen Zinsen haben Immobilienkäufer den jüngsten Entwicklungen an den Märkten zu verdanken. Die Flucht aus den Aktienmärkten hat laut HypothekenDiscount dazu geführt, dass deutsche Staatsanleihen stark nachgefragt werden. Dies hält die Zinsen für Immobilienkredite auf historisch niedrigem Niveau.

Quelle: Pressemitteillungen von HypothekenDiscount vom 07.09.2011

Sep
07

Stützungsaktionen der Notenbanken nehmen zu
Schwache Konjunkturindikatoren in den USA, Japan und Euroland geben den Notenbanken derzeit gute Argumente, die Leitzinsen historisch tief zu halten und durch unkonventionelle Maßnahmen die Geldpolitik weiter zu lockern. Besonders in den USA läuft die Diskussion über „QE3“ – die dritte Runde an Aufkäufen von Staatsanleihen und weiteren Schuldtiteln. Ursprünglich als einmalige Stützungsaktion der Notenbank tituliert, wird dieses „Quantitative Easing“ inzwischen zur Dauereinrichtung. Im Kern bedeuten diese Käufe von Staatsanleihen nichts anderes, als dass die Zentralbank direkt die Staatsdefizitfinanzierung übernimmt, weil die Nachfrage von privater Seite nicht mehr ausreicht, um die enormen Größenordnungen an neuen Schuldtiteln unterzubringen. Der beabsichtigte Effekt ist dabei auch, das Zinsniveau 2012 künstlich tief zu halten. Der Staat finanziert sich also sehr billig. Gleichzeitig erzielen aber private Anleger nur eine sehr geringe Verzinsung auf ihre Ersparnisse. Das Ganze wirkt am Ende wie eine Art Sondersteuer für Sparer und Vermögende. Selbst in Japan – und in zunehmendem Maße auch in Euroland – wird diese subtile Art der Lastenumverteilung von Privat zum Staat praktiziert. Gefährlich an dieser Entwicklung ist auch, dass die Staaten einer gewissen Zinsillusion unterliegen. Sie gewöhnen sich an die niedrigen Zinskosten für ihre Kreditaufnahme. Geringere Konsolidierungsanstrengungen könnten die Folge sein.

Euro-Staaten müssen Reformen anpacken
Auch Deutschland könnte dieser Illusion unterliegen. Gerne sprechen wir hier in Deutschland von der Eurokrise als einer Krise der schwachen Randländer im Eurogebiet, die sich übernommen haben und jetzt gerettet werden müssen. Dabei wird leicht übersehen, dass Deutschland zwar relativ zur Wirtschaftskraft viel besser dasteht – absolut gesehen jedoch ebenfalls einen riesigen Schuldenberg vor sich herschiebt und selbst in Zeiten historisch starken Wirtschaftswachstums immer noch den Schuldenstand erhöht. Derzeit lässt uns die stark exportorientierte mittelständische Wirtschaftsstruktur mit vielen Weltmarktführern und Top-Produkten als großen Gewinner aussehen. Bei nachhaltiger Abschwächung der Nachfrage aus USA und Fernost könnte sich das Blatt aber rasch wenden. Der Einbruch 2008/2009 hat das gezeigt. Daher ist es gerade für Deutschland wichtig, die Budgetkonsolidierung voranzutreiben und wirklich als Vorreiter in Sachen Haushaltsgesundung zu agieren. Die vielgerühmte sogenannte „Schuldenbremse“ könnte sich sonst im Nachhinein als Worthülse entpuppen. So wie die Maastricht-Kriterien es getan haben.
Gerade vor diesem Hintergrund ist die kritische Diskussion über die aufkommende Transferunion, in der Deutschland die Rolle des ultimativen Zahlers übernehmen soll, nur all zu verständlich. Wer wird die Retter retten, wenn es eng wird? Verleitet nicht die schnelle Rückgriffsmöglichkeit auf europäische Rettungsprogramme dazu, wichtige Reformen weiter zu verzögern? Muss nicht jedes Land an seinem eigenen Geschäftsmodell hart arbeiten und die Politik aufwachen und aufhören, zu Gunsten der aktuellen Wähler die Belastungen auf die nächste Generation zu verschieben? Griechenland, Irland und Portugal sind inzwischen Sanierungsfälle. Die übrigen Länder inklusive Deutschland haben noch die Möglichkeit, auf einen glaubwürdigen Konsolidierungskurs einzuschwenken. Besonders gefordert sind dabei Spanien, Italien und auch Frankreich, die viele Reformen, wie sie Deutschland in den vergangenen zehn Jahren umgesetzt hat, bisher hinausgezögert haben. Bevor die Politik zu schnell den Weg der Transferunion einschlägt, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, damit die einzelnen Länder ihre Herausforderungen eigenständig angehen und lösen. Aufrufe zur Solidarität und nach Eurobonds, wie sie diese Woche vom italienischen Finanzminister Tremonti gekommen sind, sollten konsequent zurückgewiesen werden, da sie nur Ablenkungsmanöver von der eigenen Reformunfähigkeit sind. Der einfache Ausweg über Eurobonds mit deutscher Garantieerklärung ist keine Frage der Solidarität oder der europäischen Gesinnung, sondern einfach nur ein billiges Ausnutzen der bisher schon reformfähigen Euroländer.

Gelegenheit für günstige Baufinanzierung jetzt nutzen
Für die nächsten Wochen erwarten wir weiterhin tiefe Zinsen für Baugeld und damit ein extrem günstiges Umfeld für Käufer und Anschlussfinanzierer. Gepaart mit der Aussicht auf weiter steigende Immobilienpreise in guten und gesuchten Lagen bieten sich damit aktuell sowohl für Eigennutzer als auch für Kapitalanleger in Deutschland beste Chancen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Interhyp AG vom 02.09.2011