Kommentar zur Zinsentwicklung: Inflationsraten in Euroland sinken deutlich

Zwei Themen treiben derzeit die Zinsentwicklung. Einerseits unterstützt die Erwartung einer Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche die Nachfrage nach Anleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten. Andererseits haben die rasant sinkenden Inflationsraten die Nachfrage auch nach langen Laufzeiten gesteigert und dort zu sinkenden Renditen geführt. Wir gehen davon aus, dass die EZB am nächsten Donnerstag die Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte auf dann 2,50% senken wird. Eine solche Senkung wird inzwischen auch von den meisten Analysten und Investoren fest erwartet und ist daher in den aktuellen Renditen bereits eingepreist. Die Inflationsrate für den Euroraum ist im November auf nun 2,1% gefallen und damit bereits fast auf dem Zielniveau der EZB. Der Preisverfall bei Öl, Rohstoffen und Nahrungsmitteln aber auch die durch den schwachen Konsum notwendigen Preissenkungen bei vielen Konsumgütern werden hier sichtbar. Damit schlägt das Pendel von Inflationsbekämpfung im Sommer nun plötzlich in Deflationsabwehr um. Die Notenbanken reagieren daher mit Leitzinssenkungen und mit aggressiver Liquiditätsversorgung des Geldmarktes. Für Baufinanzierungskunden sind jedoch nicht nur die absoluten Bewegungen bei den Kapitalmarktzinsen relevant, sondern auch die Zinsaufschläge, zu denen Banken bereit sind, Baugeld zur Verfügung zu stellen. Diese Zinsabstände sind aufgrund des intensiven Wettbewerbs weiterhin gering und die Konditionen für Kunden daher sehr attraktiv. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass zukünftig die Zinsabstände aufgrund höherer Refinanzierungskosten der Banken zunehmen werden. Auch sinkende Kapitalmarktzinsen würden dann nicht zwangsläufig zu niedrigeren Baugeldzinsen führen.

Wir empfehlen Baufinanzierungskunden, in der kommenden Woche die aktuell sehr günstigen Konditionen zu sichern und den Zinsrutsch der letzten Wochen zu nutzen. Dabei gilt es, weiterhin konsequent mit langen Laufzeiten für Kalkulationssicherheit zu sorgen. Auch Baugeld mit 15 bis 30 Jahren Zinsbindung ist derzeit wieder deutlich unter 5% zu haben. Damit kann man sich bei entsprechender Tilgungshöhe praktisch bis zur vollen Rückzahlung den Zinssatz sichern, behält aber sogar die Option, nach 10 Jahren zu kündigen und damit eventuelle spätere Tiefzinsphasen nutzen zu können. Der Kauf einer Immobilie zur Eigennutzung scheint gerade in diesen unsicheren Zeiten eine gute und sichere Anlage des Eigenkapitals zu sein. Wir empfehlen daher, mehr Eigenkapital einzusetzen und auch höhere Tilgungen zu vereinbaren, da das Besparen der eigenen Immobilie hohe Kalkulierbarkeit im Ergebnis bietet.

Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: seitwärts

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung der Interhyp AG

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