Mai
16

83 Prozent der Bundesbürger sehen derzeit einen idealen Zeitpunkt für den Abschluss einer Baufinanzierung. Das ergab eine Onsite-Befragung auf ImmobilienScout24 mit über 1.000 Teilnehmern. Ein Grund für das Stimmungshoch mögen die derzeit niedrigen Bauzinsen sein, die seit den vergangenen Monaten auf einem rekordverdächtigen Zinsniveau 2012 von unter 3 Prozent verharren. Doch viele Käufer möchten mit einem sehr geringen Eigenkapital finanzieren – ein riskantes Unterfangen.

Hausfinanzierung ohne Eigenkapital

Die Nachfrage nach Kaufimmobilien bei ImmobilienScout24 ist seit Beginn der Finanzkrise 2007 um ca. 500 Prozent gestiegen. Doch ein Blick auf die Finanzierungsanfragen bei ImmobilienScout24 im ersten Quartal zeigt, dass sich immer mehr Deutsche auch ohne finanzielle Reserven vom Immobilienfieber anstecken lassen. Im Mittel wird nur ein Eigenkapitalanteil von knapp 10.000 Euro angegeben.* Das zeigt, dass jeder zweite Bundesbürger sein Haus ohne oder mit nur einem sehr geringen Eigenkapitalanteil finanzieren möchte. Möglich ist es. Denn die meisten Baufinanzierer bieten auch eine sogenannte Vollfinanzierung an. Etwas Vorsicht ist jedoch geboten, denn bei einer Baufinanzierung gilt der Grundsatz: Je mehr Eigenkapital eingebracht wird, desto günstiger der Zins. Sind keine Rücklagen vorhanden, verlangt die Bank für das dadurch höhere Risiko einen Zinsaufschlag. Das bedeutet, die monatliche Ratenzahlung fällt entsprechend höher aus. Weitere Tipps zum Thema “Finanzieren ohne Eigenkapital finden Interessierte im Finanzierungsratgeber bei ImmobilienScout24 unter http://ots.de/G3E7M.

So finanziert der Bundesbürger im Durchschnitt

Mehr als die Hälfte (61 Prozent) der Finanzierungsinteressenten auf ImmobilienScout24 sind zwischen 30 und 45 Jahre alt. Nur knapp 13 Prozent sind über 50 Jahre. Im Durchschnitt liegt die angefragte Darlehenssumme bei 202.000 Euro, der angegebene Kaufpreis bei rund 236.000 Euro. Die einzelnen Objektwerte variieren jedoch stark nach Bundesland. So beträgt der angegebene Kaufpreis in Baden-Württemberg 241.000 Euro, in Brandenburg jedoch nur 157.000 Euro. Das beliebteste Eigenheim zur Finanzierung ist das Einfamilienhaus (41 Prozent), gefolgt von der Eigentumswohnung (25 Prozent) und der Doppelhaushälfte (10 Prozent).

* Als Datengrundlage dient eine zufällige Stichprobe von über 3.000 Finanzierungsanfragen auf ImmobilienScout24 in einem Zeitraum von Januar bis März 2012.

Quelle: Pressemitteilung von Immobiliescout24 vom 14.05.2012

Apr
16

Wenig überraschend hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch vorletzter Woche noch keinen Ausstieg ihrer expansiven Geldpolitik signalisiert und den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent belassen. EZB-Chef Mario Draghi hält die Diskussion über eine Strategie zum Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik für verfrüht. Auf die Spekulationen ob, wann und unter welchen Bedingungen er aus der Politik des billigen Geldes aussteigen will, ist der Italiener nicht eingegangen, da er die Konjunkturaussichten in Europa immer noch kritisch einschätzt.

Die bisherigen Finanzspritzen in Höhe von einer Billion Euro im Dezember und im März, mit denen sich die Banken mit Geld zu sehr günstigen Konditionen für den langen Zeitraum von drei Jahren versorgen konnten, hatten sich zunächst positiv auf die Finanzmärkte ausgewirkt: Die Zinsen italienischer und spanischer Staatsanleihen sanken merklich und die Aktienkurse explodierten geradezu. Diese Tendenzen setzen sich allerdings aktuell in Spanien nicht fort: für Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt wurden Anfang April wieder höhere Renditen gefordert, so dass die Refinanzierungskosten des Landes erneut gestiegen sind. In den früheren Hochzinsländern ist deshalb das Nachziehen der versäumten Strukturreformen zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit und zur Konjunkturbelebung zwingend erforderlich, um langfristig Stabilität zu schaffen.

Der EZB-Chef zeigt sich in einer ersten Bilanz mit der Liquiditätsspritze zufrieden, da diese eine Kreditklemme verhindert und den Staaten durch den Langfristtender Zeit zu Reformen verschafft hätten. Den Banken rät er erzielte Gewinne einzubehalten, um ihr Eigenkapital zu stärken. Allerdings muss abgewartet werden, wie sich die geldpolitischen Maßnahmen langfristig auswirken. Deshalb wird in den kommenden Wochen und Monaten nicht mit einer Kursänderung der EZB zu rechnen sein und der Leitzins wird voraussichtlich noch lange Zeit auf diesem Niveau verharren – höchstwahrscheinlich noch ein ganzes Jahr.

Der eingeschlagene Weg zur Bekämpfung der Schuldenkrise birgt aber die Gefahr einer Inflation in Deutschland. Die EZB sieht im Moment trotzdem keinerlei Handlungsbedarf in Sachen Geldwertstabilität, da der Anstieg der Teuerungsrate in den letzten Monaten vor allen Dingen durch den starken Anstieg von Rohstoffpreisen getrieben wurde. Der EZB-Chef erwartet über den für die Geldpolitik relevanten Zeithorizont den Einklang von Preisentwicklung und Preisstabilität. Andere Töne schlägt dagegen der Bundesbankpräsident Weidmann an. Er fordert einen Ausstieg aus den Krisenprogrammen, da seiner Ansicht nach diese neben einer Inflationsgefahr außerdem das Risiko des Verlusts der Unabhängigkeit der Notenbank bergen. Die Tendenz einer Überhitzung auf dem deutschen Immobilienmarkt, insbesondere in den Ballungszentren, wird von anderen Experten mit Besorgnis betrachtet.

Sollten sich inflationäre Tendenzen in der Eurozone verstärken, werde die Notenbank – falls erforderlich – „zeitnah“ auf diese reagieren, sagte Mario Draghi. Des Weiteren erwartet er weiterhin ein moderates Wachstum, das durch die Weltwirtschaft und die niedrigen Zinsen gestützt wird. Es ist deshalb zu erwarten, dass die Leitzinsen zunächst tief bleiben und eine Rückkehr zu den klassischen EZB-Instrumenten zur Abschöpfung von Liquidität, wie längerfristige Einlagen oder die Ausgabe von Schuldverschreibungen, so schnell noch nicht erfolgen wird. Die Rendite von sicheren deutschen Staatsanleihen wird weiterhin interessant bleiben, was auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen und damit auch die Baugeldkonditionen in Deutschland auf tiefem Niveau hält. Die Perspektiven für Baufinanzierer bleiben also gut. Auch in den nächsten Wochen und Monaten kann mit sehr attraktiven Zinsen gerechnet werden. Auf lange Sicht ist allerdings zu erwarten, dass anziehende Inflationsraten die Kosten für langfristige Laufzeiten steigen lassen. Die Herausforderung wird darin bestehen, den richtigen Zeitpunkt für den Abschluss zu finden. Aufgrund des langfristigen Charakters von Immobilienfinanzierungen sollte Planungssicherheit im Vordergrund stehen. Wir empfehlen deshalb weiterhin sehr lange Laufzeiten mit einer hohen Anfangstilgung oder direkt Volltilgerdarlehen abzuschließen. Unsere kompetenten Berater unterstützen Sie gerne bei der optimalen Finanzierung für Ihr persönliches Vorhaben!

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts schwankend
Langfristig: steigend

Feb
06

EZB als Staatenfinanzierer und Bankensanierer
Während die europäischen Politiker wöchentlich von einem Krisenmeeting zum anderen stürmen und sich besonders die Situation um Griechenland immer stärker zuspitzt, verhält sich die Europäische Zentralbank (EZB) unaufgeregt und ruhig. Wenig ist derzeit von Herrn Draghi zu hören und das ist kein Zufall. Hat doch die EZB mit der Bereitstellung von rund 500 Mrd. Euro für drei Jahre zu einem Zinssatz von 1% an die europäischen Banken längst ihren Beitrag zur Abarbeitung der Krise geleistet. Längst hat die Notenbank mit ihren Prinzipien gebrochen und ist in das Geschäft der Staatenfinanzierung und der Bankensanierung eingestiegen. Kein Wunder also, dass die Refinanzierung von Spanien, Frankreich und Italien gerade im kurzen Laufzeitbereich in den ersten Wochen des Jahres plötzlich wieder zu niedrigeren Zinssätzen möglich war und auch erfolgreich verlaufen ist. Dank der billigen Refinanzierung durch die EZB ergeben sich für die Banken wunderbare Zinsüberschüsse. Indirekt finanziert also die EZB zusätzlich zu den offiziellen Aufkäufen von Staatsanleihen auch auf diesem Wege die Defizite der schwächeren Euroländer. Zumindest für Italien, Spanien und Frankreich hat das zu einer erheblichen vorläufigen Entspannung geführt. Ganz anders die Situation in den Top-Krisenländern Griechenland und Portugal. Dort haben die Marktteilnehmer bereits ihr finales Urteil gefällt. Griechische Staatsanleihen handeln je nach Laufzeit nur noch bei 20-40% ihres Nominalwertes. Das heißt, dass niemand mehr an die Rückzahlung zu 100% glaubt und inzwischen ein Schuldenschnitt von rund 70% unterstellt wird. Bemerkenswert ist nur, dass der mit wahrscheinlich rund 100 Mrd. Euro inzwischen größte Gläubiger, nämlich die EZB, sich an den Umschuldungsverhandlungen mit Griechenland gar nicht beteiligt und so tut, als ob sie ihren Einsatz, den sie bei den Aufkäufen der vergangenen zwölf Monate geleistet hat, wieder zurückbekommt. Im Kern baut sich allerdings in der Bilanz der EZB ein drastischer Abschreibungsbedarf auf, der am Ende von den Steuerzahlern in den Mitgliedsländern getragen werden muss. Spätestens am 20. März, wenn Griechenland 15 Mrd. Euro für eine fällige Staatsanleihe an seine Gläubiger überweisen muss, ist der Tag der Wahrheit. Diese 15 Mrd. Euro werden nämlich vom Rettungsfonds kommen müssen, kurz in Griechenland eingebucht, um dann sofort zum größten Teil wieder ins Ausland überwiesen zu werden. Nicht „die Griechen“ profitieren also von dieser Hilfe, sondern hauptsächlich die Anleihehalter im Ausland und die griechischen Banken, die diese Papiere halten.

Lösungsdruck für Griechenland wächst, Portugal nächster Krisenkandidat
Bis März muss es also eine Lösung zum Thema Umschuldung geben. Wichtig wird sein, ob Griechenland am Ende aber die Auflagen und Nebenbedingungen für diesen Schuldenschnitt akzeptieren kann und das Volk dies auch will. Ein überraschender Konkurs oder Austritt Griechenlands aus dem Korsett des Euros kann kommen, wenn sich die Positionen festfahren und Herr Papademos die Kontrolle über sein Land verliert. Um das zu verhindern, müsste die Politik final den großen Wurf machen, der aus vier Maßnahmen besteht: 1) drastische Entschuldung inklusive der Forderungen der EZB, 2) Euro-Quarantäne für Griechenland für 7-10 Jahre – d.h. Einführung einer Währung, die in einer bestimmten Bandbreite zum Euro mit einem deutlich tieferen Einstiegskurs handelt. 3) Investitionsförderung der EU für die Restrukturierung der griechischen Wirtschaft, 4) tiefgreifende Reform der griechischen Verwaltung und des Steuerregimes. Nach der Quarantäne würde dann eine Wiederaufnahme geprüft werden. Zu befürchten ist, dass alle bisher diskutierten Lösungen immer zu kurz gedacht sind und dem Land nicht helfen, die Probleme zu lösen. Beide Vorgehensweisen sind mit enormen Kosten für die europäischen Länder verbunden. Der zweite Weg würde aber zumindest die Chance auf Erfolg haben.

Der Lösungsdruck wird dabei von Woche zu Woche größer, da sich mit Portugal gerade das zweite Land anschickt, den „griechischen Weg“ zu gehen. Die portugiesischen Staatsanleihenzinsen liegen bereits nahe an 20% und das Signal der Märkte sagt jetzt schon, dass keine Hoffnung besteht, dass Portugal ohne Schuldenschnitt über die Runden kommt. Spanien könnte als Nächster unter Druck geraten. Die Politik der kleinen Trippelschritte, so wie sie derzeit von der europäischen Politik geübt wird, reicht längst nicht, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Womit wir wieder bei der EZB wären. Während die Politik wie ein angeschlagener Boxer von einer Ecke des Ringes in die andere taumelt, hat die EZB die Seile gespannt, die den Boxer vor dem Sturz bewahren und immer wieder in die Mitte des Rings zurückwerfen. Nullzinspolitik im Geldmarkt, Aufkäufe von Staatsanleihen, Refinanzierungslinien für die Banken, Manipulation der langfristigen Kapitalmarktzinsen – alle Register werden gezogen, um den Boxer im Ring zu halten.

Baufinanzierungskunden profitieren weiter
Für den Immobilienfinanzierungskunden hat das weiterhin nur gute Konsequenzen. Die Baugeldzinsen scheinen auf historisch tiefem Zinsniveau 2012 einzementiert und haben nur wenig Spielraum nach oben. Deutsche Staatsanleihen bleiben als Hort der Sicherheit gefragt und das drückt auch die Zinsen für Baugeld. Damit ist vorerst der Baufinanzierungskunde in Deutschland der große Profiteur der Euro-Krise. Denn ohne die Krise wären die Zinssätze in Deutschland – bezogen auf unsere eigene Konjunkturentwicklung – zumindest 2-3 Prozentpunkte höher. Diese historische Chance sollte daher genutzt werden, solange sie besteht.

Sep
07

Stützungsaktionen der Notenbanken nehmen zu
Schwache Konjunkturindikatoren in den USA, Japan und Euroland geben den Notenbanken derzeit gute Argumente, die Leitzinsen historisch tief zu halten und durch unkonventionelle Maßnahmen die Geldpolitik weiter zu lockern. Besonders in den USA läuft die Diskussion über „QE3“ – die dritte Runde an Aufkäufen von Staatsanleihen und weiteren Schuldtiteln. Ursprünglich als einmalige Stützungsaktion der Notenbank tituliert, wird dieses „Quantitative Easing“ inzwischen zur Dauereinrichtung. Im Kern bedeuten diese Käufe von Staatsanleihen nichts anderes, als dass die Zentralbank direkt die Staatsdefizitfinanzierung übernimmt, weil die Nachfrage von privater Seite nicht mehr ausreicht, um die enormen Größenordnungen an neuen Schuldtiteln unterzubringen. Der beabsichtigte Effekt ist dabei auch, das Zinsniveau 2012 künstlich tief zu halten. Der Staat finanziert sich also sehr billig. Gleichzeitig erzielen aber private Anleger nur eine sehr geringe Verzinsung auf ihre Ersparnisse. Das Ganze wirkt am Ende wie eine Art Sondersteuer für Sparer und Vermögende. Selbst in Japan – und in zunehmendem Maße auch in Euroland – wird diese subtile Art der Lastenumverteilung von Privat zum Staat praktiziert. Gefährlich an dieser Entwicklung ist auch, dass die Staaten einer gewissen Zinsillusion unterliegen. Sie gewöhnen sich an die niedrigen Zinskosten für ihre Kreditaufnahme. Geringere Konsolidierungsanstrengungen könnten die Folge sein.

Euro-Staaten müssen Reformen anpacken
Auch Deutschland könnte dieser Illusion unterliegen. Gerne sprechen wir hier in Deutschland von der Eurokrise als einer Krise der schwachen Randländer im Eurogebiet, die sich übernommen haben und jetzt gerettet werden müssen. Dabei wird leicht übersehen, dass Deutschland zwar relativ zur Wirtschaftskraft viel besser dasteht – absolut gesehen jedoch ebenfalls einen riesigen Schuldenberg vor sich herschiebt und selbst in Zeiten historisch starken Wirtschaftswachstums immer noch den Schuldenstand erhöht. Derzeit lässt uns die stark exportorientierte mittelständische Wirtschaftsstruktur mit vielen Weltmarktführern und Top-Produkten als großen Gewinner aussehen. Bei nachhaltiger Abschwächung der Nachfrage aus USA und Fernost könnte sich das Blatt aber rasch wenden. Der Einbruch 2008/2009 hat das gezeigt. Daher ist es gerade für Deutschland wichtig, die Budgetkonsolidierung voranzutreiben und wirklich als Vorreiter in Sachen Haushaltsgesundung zu agieren. Die vielgerühmte sogenannte „Schuldenbremse“ könnte sich sonst im Nachhinein als Worthülse entpuppen. So wie die Maastricht-Kriterien es getan haben.
Gerade vor diesem Hintergrund ist die kritische Diskussion über die aufkommende Transferunion, in der Deutschland die Rolle des ultimativen Zahlers übernehmen soll, nur all zu verständlich. Wer wird die Retter retten, wenn es eng wird? Verleitet nicht die schnelle Rückgriffsmöglichkeit auf europäische Rettungsprogramme dazu, wichtige Reformen weiter zu verzögern? Muss nicht jedes Land an seinem eigenen Geschäftsmodell hart arbeiten und die Politik aufwachen und aufhören, zu Gunsten der aktuellen Wähler die Belastungen auf die nächste Generation zu verschieben? Griechenland, Irland und Portugal sind inzwischen Sanierungsfälle. Die übrigen Länder inklusive Deutschland haben noch die Möglichkeit, auf einen glaubwürdigen Konsolidierungskurs einzuschwenken. Besonders gefordert sind dabei Spanien, Italien und auch Frankreich, die viele Reformen, wie sie Deutschland in den vergangenen zehn Jahren umgesetzt hat, bisher hinausgezögert haben. Bevor die Politik zu schnell den Weg der Transferunion einschlägt, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, damit die einzelnen Länder ihre Herausforderungen eigenständig angehen und lösen. Aufrufe zur Solidarität und nach Eurobonds, wie sie diese Woche vom italienischen Finanzminister Tremonti gekommen sind, sollten konsequent zurückgewiesen werden, da sie nur Ablenkungsmanöver von der eigenen Reformunfähigkeit sind. Der einfache Ausweg über Eurobonds mit deutscher Garantieerklärung ist keine Frage der Solidarität oder der europäischen Gesinnung, sondern einfach nur ein billiges Ausnutzen der bisher schon reformfähigen Euroländer.

Gelegenheit für günstige Baufinanzierung jetzt nutzen
Für die nächsten Wochen erwarten wir weiterhin tiefe Zinsen für Baugeld und damit ein extrem günstiges Umfeld für Käufer und Anschlussfinanzierer. Gepaart mit der Aussicht auf weiter steigende Immobilienpreise in guten und gesuchten Lagen bieten sich damit aktuell sowohl für Eigennutzer als auch für Kapitalanleger in Deutschland beste Chancen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Interhyp AG vom 02.09.2011

Aug
29

Die Beschlüsse des EU-Krisengipfels Ende Juli oder die Vorschläge des letzten deutsch-französischen Gipfels haben leider nur ein Ergebnis: Die Unsicherheit an den Märkten ist nach wie vor sehr groß. Es gibt kein eindeutiges Signal für eine tragbare, allseits akzeptierte Lösung der EU-Schuldenproblematik. Zudem macht sich immer mehr eine Rezessionsangst breit.

Der Markt glaubt nicht an die Versprechen europäischer Regierungen, wie wir sie in den letzten Wochen mehrfach gehört haben. Griechenland will ein riesiges Sparprogramm umsetzen, Italien plant, bereits 2013 einen ausgeglichen Haushalt vorzuweisen, und der französische Präsident Nicolas Sarkozy rief sogar seine Minister aus dem Urlaub zurück. Das Thema ist so wichtig, dass diese sofort anfangen sollen, neue Sparideen zu entwickeln.

Ein besonders beliebtes Thema für die oben genannten Staaten ist in diesem Zusammenhang die Einführung so genannter Euro-Bonds, also Anleihen, für die nicht nur ein einzelner Staat sondern ganz Europa haftet. Länder mit schlechteren Bonitäten können sich mit Euro-Bonds günstiger refinanzieren, sparen also Geld. Starke Länder, wie zum Beispiel Deutschland, zahlen künftig mehr, als bei ihrer eigenen guten Bonität nötig wäre. Im Prinzip handelt es sich bei der Einführung von Euro-Bonds um einen Bonitätstransfer.

Was spricht nun für die Einführung von Euro-Bonds? Sie ermöglichen den schwachen Staaten die Rückkehr an den Kapitalmarkt. Deren Geldversorgung wäre wieder sichergestellt und die aktuelle Krise für den Moment abgewendet.

Für den Moment. Durch diese Schuldenunion wären die Schulden der einzelnen Mitgliedstaaten noch keinen Cent geringer. Ohne harte Sparmaßnahmen in den EU-Ländern nützen auch Euro-Bonds nichts. Es ist jetzt an der Zeit, diese Maßnahmen umgehend durchzusetzen. Die in diesem Zusammenhang oft geforderte Einführung eines „Euro-Finanzministers“ entspricht unseres Erachtens nicht der aktuellen politischen Wirklichkeit. Selbst wenn es hierfür den gemeinsamen politischen Willen gäbe, müssten EU-Verträge und nationale Verfassungen geändert werden, um zum Beispiel einen EU-Finanzminister zu schaffen, der auch in die nationalen Belange eingreifen kann. Grundsätzlich ist das eine überlegenswerte Idee, zumal sie auf dem Weg einer politischen Union sowieso überlegt werden muss. Das aktuelle Problem kann diese Idee aber heute nicht lösen.

Wegen der beschriebenen Unsicherheiten flüchten viele Investoren in deutsche Staatsanleihen und profitieren damit von der ausgezeichneten Bonität des deutschen Staates. Der in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland erarbeitete Wohlstand und das Vertrauen in die deutsche Art zu leben, zu arbeiten und zu sparen sind Garanten dieses Vertrauens.

Diese große Nachfrage drückt aber auf die Renditen deutscher Anleihen. Davon profitieren vor allem Kreditkunden, weil sich Banken jetzt deutlich günstiger am Pfandbriefmarkt refinanzieren können. Baufinanzierungszinsen notieren so niedrig wie schon lange nicht mehr. Jetzt besteht für jeden die Möglichkeit, diese niedrigen Zinsen für einen möglichst langen Zeitraum zu binden. Zinsbindungen von zehn Jahren sind heutzutage üblich. Aufgrund der aktuellen Umstände sind aber auch Zeiträume von 15, 20 oder sogar 30 Jahren sehr zu empfehlen.

Kurzfristig: stark schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de

Jul
04

Die derzeit ablaufende Tragödie um Griechenland ist der krampfhafte Versuch der europäischen Politik, die eklatanten Konstruktionsfehler der Gemeinschaftswährung zu kaschieren und auf ein Wunder zu hoffen, das selbstheilende Wirkung entfaltet. Das Kernproblem liegt darin, dass Politiker ihre politischen Ziele und Vorstellungen meist losgelöst von den volkswirtschaftlichen oder betriebswirtschaftlichen Realitäten verfolgen. Die Aufnahme Griechenlands in den Euro ist dafür ein gutes oder sollten wir besser sagen, ein schlechtes Beispiel.

Finanzmärkte nehmen Schuldenschnitt Griechenlands vorweg
Nicht nur Brüssel hat aus politischen Kalkül das manipulierte Zahlenwerk der Griechen zum Aufnahmezeitpunkt für bare Münze genommen. Viel schlimmer noch: Man hat fast 10 Jahre lang das Ausmaß der griechischen Misswirtschaft nicht verstanden und daher auch in keinster Weise versucht, dies zu korrigieren. Die Missstände im griechischen Staatsapparat und im öffentlichen Sektor sind derart haarsträubend, dass man sie nicht übersehen hätte können, hätte man sich nur ansatzweise dafür interessiert. Doch selbst zwei Jahre nach dem griechischen Offenbarungseid hat man immer noch das Gefühl, dass es der Politik in Berlin und Paris nicht um eine Lösung des griechischen Wirtschaftsproblems geht, sondern eigentlich nur um die Aufrechterhaltung der Zinszahlungen, um Schaden von den eigenen Banken abzuwenden und gegebene Garantieerklärungen nicht schlagend werden zu lassen. Nur so ist es zu erklären, dass man ernsthaft meint, mit einem neuen Sparpaket – das die griechische Wirtschaft endgültig in die tiefe Rezession stürzen wird – und völlig illusorischen Erwartungen an Privatisierungserlöse das Problem in den Griff zu kriegen. Griechenland wird unter der Gesamtlast der Schulden und des Schuldendienstes schließlich zusammenbrechen und in den nächsten 24 Monaten wird es genau den großen Schuldenschnitt geben, den man jetzt mit allen möglichen Tricks verhindern will. Dass die Finanzmärkte selbst nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket das so sehen, kann man an den unverändert hohen Zinsen auf griechische Staatsanleihen sehen. Mit 30% für zwei Jahre Laufzeit und über 15% für zwölf Jahre antizipiert der Markt weiterhin einen Schuldenschnitt von mindestens 50%. Wahrscheinlich ist es aber notwendig, den Griechen sogar bis zu 80% der aktuellen Staatschulden zu erlassen, um ihnen einen Neustart mit Erfolgschance zu ermöglichen. Und selbst dann ist nicht sicher, ob sie diese Chance innerhalb des Euros überhaupt nutzen können. So schlecht ist die griechische Volkswirtschaft in Punkto Geschäftsmodell und Wirtschaftsstruktur heute aufgestellt. Zum Schuldenerlass wären wahrscheinlich noch kräftige Investitionsförderungen erforderlich, um den Umbau in den nächsten zehn Jahren zu stützen.

Gefahr durch Risiko 2-Länder
Das Beispiel Griechenland beschreibt aber auch eine Kategorie von Staaten, die derzeit am weltweiten Anleihemarkt zu unterscheiden sind. Kategorie 3 sind nämlich jene Staaten, die schwaches Wirtschaftswachstum und gleichzeitig außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung haben. Die Finanzmärkte haben das Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit dieser Kategorie 3 Länder verloren und verlangen daher exorbitante Zinsen. Dazu gehören neben Griechenland auch Portugal, Irland, Spanien und eine Reihe osteuropäischer Staaten, aber auch Länder wie Dubai. Allen ist gemeinsam, dass sie keine funktionierenden Geschäftsmodelle haben und daher am Tropf der EU, des IWF oder reicher Nachbarn hängen. Kategorie 1 sind jene Länder, die starkes Wachstum haben, relativ geringe Staatsverschuldung und Zinsen, die im Einklang mit Konjunkturverlauf und Inflationsraten stehen. Dazu gehören z. B. die BRIC-Länder, Australien, Kanada und derzeit auch noch Deutschland sowie einige europäische Kernländer. Problematischer sieht es bei Kategorie 2 aus: das sind jene Länder, die sehr hohe, bzw. stark steigende Staatsverschuldung haben, relativ geringes Wachstum, aber aus unterschiedlichsten Gründen derzeit noch das Vertrauen der Finanzmärkte genießen. Im hochverschuldeten Japan ist es die bisher noch standhafte Fähigkeit, das enorme Defizit über japanische private Spargelder zu finanzieren. In den USA ist es der noch bestehende Status als Reservewährung Nummer 1, der die Gläubiger vorerst ruhig bleiben lässt. In England sind es die langen Laufzeiten der ausstehenden Staatsanleihen die den Druck noch erträglich machen. In Italien ist es ähnlich wie in Japan das hohe inländische Sparaufkommen und in Frankreich der Status als zweitgrößter Markt der EU, der vorerst Herrn Sarkozy noch im bequemen Windschatten von Frau Merkel fahren lässt, obwohl die Fundamentaldaten in Frankreich bei Weitem schlechter sind als in Deutschland. Das Riskante an der Situation ist, dass einige große Kategorie 2-Länder in den nächsten Jahren Gefahr laufen, das Vertrauen der Finanzmärkte zu verlieren und plötzlich mit höheren Zinsen, sprich Risikoaufschlägen, bedacht werden. Diese höheren Zinsen würden aber bei diesen Ländern schnell zum Kollaps führen.

Und selbst die Kategorie 1-Länder müssen wachsam sein. Macht Deutschland über Garantieerklärungen und eine schleichende Etablierung einer Transferunion die Probleme der Kategorie 3-Länder plötzlich zu ihren eigenen, so wird der Finanzmarkt darauf mit höheren Zinsen reagieren. Und die Kategorie 1-Länder müssen wachsam sein, dass die Kategorie 2-Länder nicht den Druck erhöhen, über Inflationierung ihr Verschuldungsproblem zu lösen. Die USA haben diesen Weg bereits eingeschlagen und auch England driftet in diese Richtung. Auch aus dieser Ecke ist zukünftig mit Aufwärtsdruck bei den Zinsen zu rechnen.

Auf Nummer sicher gehen und Baugeldzinsen langfristig fixieren
Baufinanzierungskunden empfehlen wir daher weiterhin, die noch immer günstigen Zinsen über langfristige Zeiträume abzuschließen und auch bei Anschlussfinanzierungen auf Kalkulationssicherheit zu setzen.

Quelle: Kommentar zum Zinsniveau 2012 der Interhyp AG vom 01.07.2011

Jun
30

Letzte Woche wurde der italienische Notenbankchef, Mario Draghi, auf dem EU-Gipfel zum neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) gekürt und wird damit die Nachfolge von Jean-Claude Trichet antreten, der im Herbst dieses Jahres aus seinem Amt ausscheiden wird. Was wird Herr Draghi bei seinem Amtsantritt vorfinden: Ein „Unternehmen“ namens EZB, das bei einem Eigenkapital in Höhe von knapp 82 Mrd. Euro Anleihen im Wert von ca. 1.900 Mrd. Euro in der Bilanz stehen hat und insofern eine extrem risikoreiche Investitionsstruktur aufweist. Ein signifikanter Anteil des Portefeuilles umfasst dabei Anleihen von Griechenland, die aktuell ausfallbedroht sind. In dieser Konstellation liegt der Grund für die ablehnende Haltung der EZB, eine Umschuldung Griechenlands vorzunehmen – wie es mittlerweile Politiker einiger EU-Staaten vorschlagen. Bei einer Umschuldung wäre eine sofortige Abschreibung auf die griechischen Papiere notwendig, die das Eigenkapital der EZB stark reduzieren würde. Dadurch wären die Notenbanken der einzelnen EU-Staaten verpflichtet, neue Gelder bereitzustellen.

Auf Initiative Frankreichs wird in Bankenkreisen derzeit folgender Vorschlag zur Rettung Griechenlands diskutiert: Bei Rückzahlung demnächst fälliger Schulden (z.B. durch Hilfspakete/Rettungsschirme der EU) würden die Banken als derzeitige Gläubiger 50 Prozent dieser Zahlungen Griechenland sofort wieder als Kredit mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren zur Verfügung stellen. Die Konsequenz wäre, dass Griechenland Zeit gewinnt, Struktur- und Sparmaßnahmen umzusetzen, die Wirtschaft anzukurbeln. So wäre es in der Lage, langfristig seine Schulden bedienen oder abbauen zu können.

Bei allen Unsicherheiten, die die Griechenlandkrise für Deutschland mit sich bringen kann, muss an dieser Stelle auch einmal auf die positiven Aspekte für die Bundesrepublik eingegangen werden: Bei dem derzeitigen Wirtschaftswachstum – Experten rechnen mit einem Wachstum von über drei Prozent auf Jahressicht – und einer Inflationsrate von 2,3 Prozent (Juni) in Deutschland, müsste der Leitzins einer Deutschen Bundesbank deutlich höher stehen, als dies aktuell der Fall ist. Lediglich die Situation in EU-Ländern wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien hat die EZB in der Vergangenheit von starken Leitzinserhöhungen zurückgehalten.

Nichtsdestotrotz erwarten wir in der kommenden Woche eine Leitzinserhöhung durch die EZB in Höhe von 0,25 Prozentpunkten; verbal ließen Spitzenbanker des Institutes dies bereits in den letzten Wochen durchblicken. Eine Auswirkung auf das Zinsniveau 2012 für Immobilienfinanzierung ist aus dieser Entscheidung jedoch noch nicht zu erwarten. Im Moment scheint die Zinsentwicklung 2012 lediglich an gute oder schlechte Nachrichten zur Krise in Griechenland gekoppelt zu sein.

Kunden, die aktuell eine Finanzierung benötigen, sollten Zinsrückgänge bei den erwarteten Schwankungen in den nächsten Wochen konsequent nutzen, ihre Finanzierung auf ein langfristig sicheres Fundament zu stellen. Wir empfehlen nach wie vor Zinsbindungen von mindestens 15 Jahren sowie eine Mindesttilgung von zwei Prozent.

Kurzfristige Zinsentwicklung 2011: schwankend seitwärts
Mittelfristige Zinsentwicklung 2012: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de

Jun
19

Was haben Griechenland, Pakistan und Ecuador gemeinsam? Nicht wirklich viel, bis auf die Tatsache, dass alle drei Staaten von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit den schlechtesten Bonitätsnoten bewertet werden.

Für Griechenland ist das nur Ausdruck der Misere, mit der sich die europäischen Finanzminister aktuell wieder beschäftigen müssen. Im Streit um ein neues Rettungspaket zur Bekämpfung der Schuldenkrise gab es aber leider bisher noch keine Einigung. Die deutsche Position, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vertritt, beinhaltet eine starke Einbeziehung privater Investoren, also Banken, Versicherungen, Renten- und Pensionsfonds. Sie wird von vielen anderen Mitgliedstaaten nicht mitgetragen. Unterstützer der deutschen Ideen sind die Niederlande und Finnland – also Länder, in denen es, wie auch in Deutschland, zunehmend schwieriger wird, für neue griechische Hilfspakete parlamentarische Mehrheiten zu bekommen. Die Schuldenkrise droht aktuell, den Aufschwung in Deutschland zu gefährden. Die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2009 hat damals zu einem Wirtschaftseinbruch von ca. fünf Prozent geführt. Etwas Ähnliches muss heute unbedingt verhindert werden.

Die von Deutschland vorgeschlagene weiche Umschuldung sieht eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist griechischer Staatsanleihen vor. Dies würde deutliche Abschläge für die privaten Investoren bedeuten. Die meisten Experten befürworten diesen Vorschlag grundsätzlich, weil er vor allem die Steuerzahler entlastet. Trotzdem wollen viele lieber auf eine Freiwilligkeit der privaten Investoren setzen. Sie sehen bei erzwungenen Lösungen deutlich größere Risiken als Chancen für die Finanzmärkte. Griechenland könnte sich für geraume Zeit nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren. Zudem könnte dieses Signal dazu führen, dass ein massiver Verkauf von Staatsanleihen anderer schwächelnder Euroländer erfolgen würde. Ob der deutsche Vorschlag nachhaltig der bessere ist, darf aber getrost bezweifelt werden. Die Handelsgewinne, die die deutschen Unternehmen durch den Euro erzielen, werden durch weitere Finanzhilfen zwar geschmälert. Aber auf Gewinne muss niemand völlig verzichten. Letztendlich werden die Gewinne deutlich größer sein als die Notzahlungen.

Die politische Unsicherheit in Bezug auf die Situation in Griechenland wird in den nächsten Wochen und Monaten weiter anhalten. Dies wird zu einem stark schwankenden Zinsmarkt 2011 führen. Wir gehen davon aus, dass es zu keiner Zahlungsunfähigkeit von Griechenland kommen wird, da dies nicht absehbare Folgen für weitere Euroländer und den Euro als Ganzes hätte. In den nächsten Monaten werden für das Zinsniveau 2012 daher wieder die inflationären Tendenzen weltweit und in Europa in den Fokus rücken. Die EZB wird weitere Zinsanpassungen vornehmen, und das Gesamtniveau der Zinsen wird steigen.

Für den Baufinanzierungskunden bedeutet dies jetzt, die noch günstige Zinssituation zu nutzen und mit möglichst langen Vereinbarungen zu binden. Grundsätzlich ist auf Basis der niedrigen Zinsen eine höhere Tilgung empfehlenswert. Für Kunden, die sich dies heute nicht leisten können, gibt es aber auch sehr gute weitere Optionen: Viele Finanzierungsanbieter ermöglichen es heute, den Tilgungssatz während der Zinsbindung zu wechseln, also auch zu erhöhen. Zusätzlich besteht natürlich die Möglichkeit, individuell und je nach Möglichkeit, neben dem Darlehen zu sparen. Der gute alte Bausparvertrag bietet sich hierfür an, besonders wegen der aktuellen Niedrigzinstarife. Ihr Finanzierungsspezialist empfiehlt Ihnen gern die für Sie passende Kombination. Sprechen Sie uns gern an.

Zinsprognose:
Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend

Dez
22

„Simples Denken“ und „uneuropäisches“ Verhalten wirft Luxemburgs Ministerpräsident und Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker der deutschen Bundesregierung vor. Diese befürchtet, dass gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder Deutschland Milliarden kosten könnten. Deshalb lehnt sie diese strickt ab.

Was steckt hinter der gar nicht so neuen Euro-Bond-Idee? Eigentlich ist es eine simple Kalkulation. Ein großer Anteil der nationalen Schuldenfinanzierungen ginge auf Europa über. Dadurch, dass die Euro-Länder zusammen stärker sind als jedes für sich allein, ist auch ihre Kreditwürdigkeit gemeinsam höher. Die Krisenländer müssten beim Euro-Bond niedrigere Zinsen zahlen als heute und könnten sich wieder zu günstigen Konditionen Geld beschaffen. Die Gefahr eines akuten Liquiditätsmangels bestünde für diese Länder nicht mehr.

Für Deutschland hingegen sähe die Situation ganz anders aus. Dank jahrelanger Reformen steht die Republik so gut da wie lange nicht mehr. Sie ist kreditwürdiger als die anderen Euroländer und bekommt daher ihre Kredite auch billiger als die anderen. Mit der Euro-Anleihe wäre dieser Vorteil dahin.

Zusätzlich fehle nach Meinung von Experten durch die Umsetzung dieser Maßnahme den betroffenen Mitgliedstaaten der Anreiz, ihre eigene Haushaltspolitik zu ordnen, da die Möglichkeiten zur Kreditaufnahme steigen und die Zinsen tendenziell sinken dürften.

Der in dieser Woche anstehende EU-Gipfel wird hoffentlich eine klare Marschroute für den neuen Stabilitätsmechanismus in Europa entwerfen. Ob sich die Bundesregierung mit ihrer starren Haltung durchsetzten wird, bleibt abzuwarten.

Die US-Notenbank (Fed) hat in dieser Woche angekündigt, dass sie in den nächsten Wochen Anleihen im Volumen von 105 Milliarden US-Dollar kaufen wird. Dies ist Teil der Anfang November beschlossenen zweiten Runde einer geldpolitischen Lockerung durch die Fed. Ziel ist es unter anderem, den Außenwert des Dollars zu schwächen und dadurch den Export zu unterstützen. Die strukturellen Probleme der amerikanischen Wirtschaft werden dadurch aber nicht behoben. Die US-Industrie hat z.B. in der Stahlindustrie oder im Fahrzeugbau den Anschluss an die Weltspitze verloren und dadurch Millionen von Arbeitsplätzen im eigenen Land abgebaut. Weder renommierte High-Tech-Unternehmen noch der florierende Dienstleistungssektor können diese Verluste ausgleichen. Der US-Arbeitsmarkt kommt nur schwer wieder auf die Beine.

Die aktuellen Unsicherheiten in Europa und den USA bezüglich der Zinsentwicklung 2012 spiegeln sich auch in den Riskoaufschlägen deutscher Anleihen wider. Sinkende Zinsen gehören der Vergangenheit an und das Zinsniveau 2012 wird vermutlich höher sein. Wir gehen von aus, dass es jetzt zu weiteren Zinssteigungen kommen wird. Dieser Entwicklung konnten sich auch unsere Finanzierungspartner nicht entziehen und wir mussten in den letzten Wochen zum Teil sehr deutliche Zinsanhebungen beobachten. Wir raten aufgrund der oben beschriebenen Situation nicht dazu, auf fallende Zinsen zu spekulieren. Das aktuelle Zinsniveau ist nach wie vor historisch günstig und wir empfehlen Ihnen, einen möglichst großen Betrag über einen langen Zeitraum zu binden. Dies können 20, 25 oder 30 Jahre sein. Aufgrund der heute üblichen Optionen wie Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel sowie dem gesetzlichen Kündigungsrecht sind solche Finanzierungen sehr flexibel und können sich einfach an Ihre geänderten persönlichen Verhältnisse anpassen. Eine Mindesttilgung von 2 Prozent sollten Sie immer berücksichtigen. Welche Kombination für Sie die richtige ist, analysiert gern einer unserer Baufinanzierungsexperten mit Ihnen. Sprechen Sie uns an!

Tendenz:
Kurzfristig: steigend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG vom 16.12.2010