Mai
11

Kurz vor dem entscheidenden Wahlsonntag in Frankreich hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen auf ihrer Sitzung in Barcelona unverändert bei einem Prozent belassen. EZB Präsident Draghi fordert weiterhin Regierungen und Banken auf, ihren Beitrag zur Gesundung des Systems zu leisten, in dem die einen ihre Haushaltssanierungsinitiativen intensivieren und die anderen die Kreditvergabe an Private und Unternehmen aufrecht erhalten.

Banken als Staatenfinanzierer
Das klingt recht einfach und logisch, hat aber mehrere Haken. Die europäischen Banken haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten enorme Bilanzsummen aufgebaut, in dem sie nicht nur Private und Firmen mit Krediten versorgten, sondern sich auch zu einem Hauptfinancier der immer größer werdenden Staatsschulden gemacht haben. Lange galten diese Schulden der europäischen Staaten als risikolose Anlage, gegen die kein Eigenkapital der Banken vorgehalten werden musste. So lange sich also Banken am Kapitalmarkt günstig refinanzieren konnten, erschien der Kauf von Staatsanleihen als smarter Weg zum Geldverdienen. Besonders hervorgetan haben sich mit dieser Anlagestrategie deutsche, französische, belgische und österreichische Institute, die von ihren jeweiligen Staaten direkt oder indirekt garantiert wurden und daher extrem günstig Geld aufnehmen konnten. Deutsche Landesbanken, die deutsch-belgische Dexia oder die österreichische Kommunalkredit sind diesen Bilanzaufblähungen zum Opfer gefallen. Im Kern haben viele dieser Institute lange wie Schattenhaushalte der Staaten agiert und die Ausdehnung von Staatsdefiziten finanziert. Die Politik hat dies dankend zur Kenntnis genommen und ist erst aufgewacht, nachdem die Interbankenmärkte nach der Lehman-Pleite zusammengebrochen sind. Damit Banken im großen Stil Kredite an Staaten vergeben, hat man sich im virtuosen Zusammenspiel von Politik und Bankenaufsicht einen besonderen Trick einfallen lassen. Staatskredite in ganz Europa können vergeben werden, ohne dass die Banken dagegen Eigenkapital vorhalten müssen. Das macht Staatskredite viel attraktiver als Unternehmenskredite und hat die Bilanzen maßlos aufgebläht. Spätestens mit der Umschuldung von Griechenland ist aber klar geworden, dass Kredite an Staaten mitnichten risikolos sind und dass die Banken massive Abschreibungen in ihren Bilanzen vornehmen müssen, wenn weitere Staaten den gleichen Weg wie Griechenland gehen. Damit fallen die Banken praktisch als Käufer von Staatskrediten aus. Die EZB musste direkt mit Aufkäufen von über 200 Mrd. Euro einspringen und hat den Banken mehr als 1.000 Mrd. Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt, damit diese zumindest kurze Staatstitel weiter erwerben und dadurch die Finanzierung der Staaten ermöglichen.

Gleichzeitig hat aber die Politik und die Bankenaufsicht begonnen, die Banken durch Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften und Auflagen gegen Staatshilfen zu einer Reduzierung ihrer Bilanzsummen zu zwingen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Neuvergabe von Krediten an Private und Unternehmen eingeschränkt wird. Die meisten großen europäischen Banken werden in den nächsten Jahren ihr Kreditgeschäft zurückfahren müssen, um die neuen Regeln einhalten zu können. Wenn also Herr Draghi und die Politik das Gegenteil fordern, so ist das Polemik, um von ihren eigenen Verfehlungen abzulenken.

Der Sparkurs verliert Mitstreiter in der Eurozone
Und nun zur Haushaltssanierung. Hier sah es über die vergangenen zwölf Monate so aus, als ob sich Frau Merkel mit ihrer Forderung nach einem strikten Sparkurs für Europa durchgesetzt hätte. Ohne große Gegenwehr haben sich die Länder diesem aus jedem privaten Haushalt bekannten Prinzip angeschlossen: Ausgaben senken, Neuverschuldung reduzieren (von Schuldenabbau war ja nie die Rede) und schrittweise wieder Handlungsfähigkeit zurückgewinnen. Das klingt einfach und klar. Wäre da nicht in einigen Ländern mit eingeschränkter Wettbewerbsfähigkeit ein Teufelskreis am Laufen. In Griechenland sowieso, aber auch in Portugal und Spanien wird immer klarer, dass durch weitere Sparmaßnahmen die Wirtschaft nur noch schneller schrumpft und die Arbeitslosigkeit nur noch schneller steigt. Diese Länder haben den Rubicon längst überschritten und werden von Schuldendienst und Rezession stranguliert. Diese Länder brauchen umfassende Sanierungspakete mit Schuldenerlass und Investitionsprogrammen, sonst kommen sie nicht mehr auf die Beine. Ob für diese Länder eine Sanierung innerhalb des Euro überhaupt möglich ist, ist stark zu bezweifeln. Woher das Geld für die Sanierung kommen wird, steht auch schon fest: von der EZB über weitere Gelddruckaktivitäten und über Transferzahlungen der wenigen verbliebenen starken Länder, allen voran Deutschland als größten Zahler.

In Frankreich, bisher der Garant für einen großen und auch kohärenten Kern des gemeinsamen Währungsgebietes, hat Herr Hollande die Zeichen der Zeit für sich erkannt. Er wird die Wahl wohl gewinnen, indem er den Franzosen erzählt, dass er ihnen harte Anpassungen ersparen wird. Und dass ein strikter Sparkurs nach deutscher Forderung weder für Frankreich noch für die aktuellen Problemländer die richtige Antwort ist. Weitere Schulden sind ok, solange sie unter dem Titel „Zukunftsinvestition“ gemacht werden. Aber wurden nicht alle Schulden der vergangenen 30 Jahre der Bevölkerung als Investition, also „positive“ Schulden verkauft? Europäische Förderprogramme werden dann wieder aufgelegt. Schattenhaushalte werden gebildet und mit Tricks wird man es auch schaffen, viele dieser „einmaligen Belastungen“ aus den offiziellen Defizitdaten herauszuhalten. So wie das schon in den vergangenen 20 Jahren gemacht wurde. Gewinnt Hollande die Wahl, wird Frau Merkel die einzige in der Eurozone sein, die noch für Sparkurs steht. Selbst die Niederlande wurden gerade von Herrn Wilders in die Knie gezwungen und werden mit der neuen Regierung ein moderates Sparprogramm vorlegen müssen, um nicht noch mehr Wählerstimmen an die Wilders Partei zu verlieren. Plötzlich erscheint Herr Monti in Italien als der letzte aufrechte Partner von Frau Merkel. Wer hätte das gedacht.

Niedriges Zinsniveau ist ideal für Baufinanzierer
In diesen Entwicklungen steckt die Gefahr, dass dem gesamten Eurogebiet schrittweise das Vertrauen der Anleger entzogen wird. Noch werden deutsche Staatsanleihen als Hort der Sicherheit gesehen. Das muss aber nicht so bleiben, wenn klar wird, dass am Ende nur noch Deutschland als Zahler übrig bleibt, oder dass ganz Europa auf eine Inflationierung hinarbeitet, weil es die Anpassung über den Sparkurs nicht auf sich nehmen will. Wie wird dann ein isoliertes Deutschland reagieren? Verwerfungen an der Zinsfront könnten dann auch auf den Kern der Union übergreifen. Für die nächsten Monate spricht aber viel für weiterhin tiefe Zinsen und daher ein perfektes Umfeld für deutsche Baufinanzierungskunden. Diese historisch tiefen Zinsen gilt es konsequent zu nutzen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 04.05.2012

Apr
24

• Vor allem in Metropolen sind hochwertige Immobilien seit 2009 um bis zu 65.000 Euro teurer geworden
• Durchschnittskredit hat sich im Vergleichszeitraum um rund 37.000 Euro verbilligt
• In mittleren Lagen kann das Zinstief den Preisanstieg noch kompensieren

Wie nah Aufstieg und Abstieg beieinander liegen können, zeigt nach Auskunft des Bielefelder Baugeldvermittlers Enderlein ein Blick auf den Immobilienmarkt. Während die Preise für Wohneigentum in Deutschland seit drei Jahren nur den Weg nach oben kennen, geht es bei den Zinsen für Immobilienkredite seit 2009 nur bergab. Auslöser für die gegensätzliche Entwicklung ist in beiden Fällen die Finanzkrise. Sie hat zu einer Flucht in Sachwerte sowie zu billigen Krediten geführt. „Ob ein Immobilienkäufer durch die Krise tatsächlich beim Objektkauf sparen kann, hängt maßgeblich davon ab, wo die eigenen vier Wände stehen sollen“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein.

Immobilienkäufer können heute langfristige Immobiliendarlehen ab rund drei Prozent aufnehmen und damit so günstig wie nie. Ein 200.000 Euro-Kredit kostet damit aktuell rund 37.000 Euro weniger als im Jahr 2009 (Durchschnittszins rund 4,8%). Ein Darlehen über 100.000 Euro hat sich in den vergangenen drei Jahren um etwa 12.000 Euro verbilligt. „De facto können Immobilienkäufer heute Immobiliendarlehen so günstig wie noch nie aufnehmen. Verantwortlich ist eine Mischung aus verhaltenen Konjunkturaussichten und der Eurokrise“, erläutert Hölscher.
Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. „Die Flucht der Investoren und Privatanleger aus Aktienmärkten in den Immobilienmarkt hat zu einem enormen Nachfrageanstieg und deutlich höheren Immobilienpreisen geführt. Vor allem in Großstädten und bei höherwertigen Neubauten haben sich die Preise deutlich nach oben bewegt. Aber selbst bei Bestandsimmobilien mit mittlerem Wohnwert ist der Preisanstieg offensichtlich. Von 2009 bis 2011 kletterten die Kaufpreise laut Immobilienverband Deutschland IVD pro Quadratmeter von 1.200 Euro auf 1.300 Euro in Ostberlin (plus 8,3%), von 1.300 Euro auf 1.400 Euro in Westberlin (plus 7,6%), von 1.400 Euro auf 1.450 Euro in Frankfurt am Main (plus 3,5% ) von 1.450 Euro auf 1.620 Euro in Hamburg (plus 11,7%) und von 2.150 Euro auf 2.350 Euro in München (plus 9,3%). Auch in kleineren Städten zahlen Käufer heute rund 100 Euro mehr pro Quadratmeter. Im Durschnitt ein Aufpreis von rund 7.000 bis 14.000 Euro bei einem 70-Quadratmeter-Investment. „Im Durchschnitt fängt das Zinstief der Mehrkosten bei einer Kredithöhe bis 150.000 Euro gerade so ab“, erläutert Hölscher.
Doch Durchschnitt ist in gefragten Ballungszentren kaum zu finden. Die gewichteten Zahlen berücksichtigen laut Hölscher noch nicht die enormen Preisentwicklungen in besonders gefragten Stadtteilen in den einzelnen Metropolen, wo Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent verzeichnet worden. Das zeigt ein Blick in die Zahlen des Gutachterausschusses der Stadt München. „Wer in München im Jahr 2009 eine Wohnung für 375.000 Euro gekauft hat, hat zwar bei 175.000 Euro Eigenkapitaleinsatz und einen 200.000-Euro Kredit rund 37.000 Euro mehr für den Kredit gezahlt als jetzt im Zinstief. Wer jedoch heute finanzieren würde, müsste für dieselbe Immobilie durchschnittlich 440.000 Euro zahlen. Der Mehraufwand von 65.000 Euro für die Preissteigerung wird durch die Konditionsersparnis von 37.000 Euro nicht aufgefangen“, sagt Hölscher. Der durchschnittliche Immobilienkäufer in München zahle heute rund 28.000 Euro mehr als im Jahr 2009.
In kleineren Städten fallen sowohl Preis- als auch Zinsentwicklung wegen der niedrigeren Kaufpreise weniger ins Gewicht. Hier bringt das Zinstief für den Käufer in vielen Städten eine deutliche Ersparnis. Beispiel Bielefeld. Dort verteuerte sich eine mittlere Eigentumswohnung zwar pro Quadratmeter auf Dreijahressicht um 50 Euro – von 850 auf 900 Euro. Bei einer 70-Quadratmeterwohnung entspricht dies einem Mehrpreis von 3.500 Euro. Im Gegenzug kann ein 50.000 Euro Kredit heute rund 6.000 Euro preiswerter aufgenommen werden. Bleibt ein Vorteil von rund 2.500 Euro.

Quelle: Pressemitteilung ENDERLEIN & CO GmbH vom 29.03.2012

Apr
16

Wenig überraschend hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch vorletzter Woche noch keinen Ausstieg ihrer expansiven Geldpolitik signalisiert und den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent belassen. EZB-Chef Mario Draghi hält die Diskussion über eine Strategie zum Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik für verfrüht. Auf die Spekulationen ob, wann und unter welchen Bedingungen er aus der Politik des billigen Geldes aussteigen will, ist der Italiener nicht eingegangen, da er die Konjunkturaussichten in Europa immer noch kritisch einschätzt.

Die bisherigen Finanzspritzen in Höhe von einer Billion Euro im Dezember und im März, mit denen sich die Banken mit Geld zu sehr günstigen Konditionen für den langen Zeitraum von drei Jahren versorgen konnten, hatten sich zunächst positiv auf die Finanzmärkte ausgewirkt: Die Zinsen italienischer und spanischer Staatsanleihen sanken merklich und die Aktienkurse explodierten geradezu. Diese Tendenzen setzen sich allerdings aktuell in Spanien nicht fort: für Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt wurden Anfang April wieder höhere Renditen gefordert, so dass die Refinanzierungskosten des Landes erneut gestiegen sind. In den früheren Hochzinsländern ist deshalb das Nachziehen der versäumten Strukturreformen zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit und zur Konjunkturbelebung zwingend erforderlich, um langfristig Stabilität zu schaffen.

Der EZB-Chef zeigt sich in einer ersten Bilanz mit der Liquiditätsspritze zufrieden, da diese eine Kreditklemme verhindert und den Staaten durch den Langfristtender Zeit zu Reformen verschafft hätten. Den Banken rät er erzielte Gewinne einzubehalten, um ihr Eigenkapital zu stärken. Allerdings muss abgewartet werden, wie sich die geldpolitischen Maßnahmen langfristig auswirken. Deshalb wird in den kommenden Wochen und Monaten nicht mit einer Kursänderung der EZB zu rechnen sein und der Leitzins wird voraussichtlich noch lange Zeit auf diesem Niveau verharren – höchstwahrscheinlich noch ein ganzes Jahr.

Der eingeschlagene Weg zur Bekämpfung der Schuldenkrise birgt aber die Gefahr einer Inflation in Deutschland. Die EZB sieht im Moment trotzdem keinerlei Handlungsbedarf in Sachen Geldwertstabilität, da der Anstieg der Teuerungsrate in den letzten Monaten vor allen Dingen durch den starken Anstieg von Rohstoffpreisen getrieben wurde. Der EZB-Chef erwartet über den für die Geldpolitik relevanten Zeithorizont den Einklang von Preisentwicklung und Preisstabilität. Andere Töne schlägt dagegen der Bundesbankpräsident Weidmann an. Er fordert einen Ausstieg aus den Krisenprogrammen, da seiner Ansicht nach diese neben einer Inflationsgefahr außerdem das Risiko des Verlusts der Unabhängigkeit der Notenbank bergen. Die Tendenz einer Überhitzung auf dem deutschen Immobilienmarkt, insbesondere in den Ballungszentren, wird von anderen Experten mit Besorgnis betrachtet.

Sollten sich inflationäre Tendenzen in der Eurozone verstärken, werde die Notenbank – falls erforderlich – „zeitnah“ auf diese reagieren, sagte Mario Draghi. Des Weiteren erwartet er weiterhin ein moderates Wachstum, das durch die Weltwirtschaft und die niedrigen Zinsen gestützt wird. Es ist deshalb zu erwarten, dass die Leitzinsen zunächst tief bleiben und eine Rückkehr zu den klassischen EZB-Instrumenten zur Abschöpfung von Liquidität, wie längerfristige Einlagen oder die Ausgabe von Schuldverschreibungen, so schnell noch nicht erfolgen wird. Die Rendite von sicheren deutschen Staatsanleihen wird weiterhin interessant bleiben, was auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen und damit auch die Baugeldkonditionen in Deutschland auf tiefem Niveau hält. Die Perspektiven für Baufinanzierer bleiben also gut. Auch in den nächsten Wochen und Monaten kann mit sehr attraktiven Zinsen gerechnet werden. Auf lange Sicht ist allerdings zu erwarten, dass anziehende Inflationsraten die Kosten für langfristige Laufzeiten steigen lassen. Die Herausforderung wird darin bestehen, den richtigen Zeitpunkt für den Abschluss zu finden. Aufgrund des langfristigen Charakters von Immobilienfinanzierungen sollte Planungssicherheit im Vordergrund stehen. Wir empfehlen deshalb weiterhin sehr lange Laufzeiten mit einer hohen Anfangstilgung oder direkt Volltilgerdarlehen abzuschließen. Unsere kompetenten Berater unterstützen Sie gerne bei der optimalen Finanzierung für Ihr persönliches Vorhaben!

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts schwankend
Langfristig: steigend

Mrz
02

Schuldenschnitt trifft private Investoren
Auch in den vergangenen Wochen sind die deutschen Kapitalmarktzinsen historisch tief geblieben. Die Details zum Schuldenschnitt in Griechenland haben die Marktteilnehmer in ihrer Vermutung bestätigt, dass die Politik gerne zu Lasten privater Anleihegläubiger ihre eigenen Versäumnisse korrigiert. Investments in Staatsanleihen schwacher Euro-Länder sind daher, zumindest für private Käufer, sehr riskante Unterfangen. Denn im Gegensatz zum Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Griechenland-Desaster in ihrer Stellung als Gläubiger klar besser gestellt sind, trifft die privaten Investoren der Schuldenschnitt voll. Warum sollten private Anleger dann in Zukunft eigentlich schwächeren Ländern überhaupt noch Geld leihen? Das hält die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen vorerst hoch und damit die Renditen tief.
Die Ereignisse der letzten Wochen bestätigen das von uns schon mehrfach beschriebene Drehbuch zur Krisenbewältigung. Dieselben Politiker, die noch vor 18 Monaten private Investoren und Banken dazu aufgefordert haben, Griechenland zu finanzieren und auf die Prognosen von EU-Kommission und IWF in Bezug auf die Sanierungsanstrengungen der Griechen zu vertrauen, haben jetzt einseitig zu Lasten genau dieser privaten Gläubiger die Entschuldung Griechenlands gestartet. Das Ganze wird auch noch als freiwilliges Paket bezeichnet, obwohl es sich natürlich um einen klaren Fall von Staatsbankrott handelt. Dieses Muster wird weitergehen. Über die nächsten Jahre wird Land für Land, beginnend demnächst mit Portugal, auf diese Weise eine Schuldenreduktion versuchen – ohne die betroffenen Länder aus dem Euro-Verbund herauszunehmen. Da jedoch mit den begleitenden Sparpaketen die jeweiligen Volkswirtschaften völlig stranguliert werden, werden diese Schuldenschnitte am Ende doch nicht reichen und der Austritt aus dem Euro wird kommen.

EZB gibt Politik Flankenschutz
Der wichtigste Verbündete für die Politik ist inzwischen die EZB geworden. Vor Jahren noch undenkbar, war die EZB bzw. die Bundesbank doch bis dahin ein Regulativ der Politik und kein Handlanger. Mit der gestrigen Zuteilung von 530 Mrd. Euro für drei Jahre zu einem Zinssatz von 1% an über 800 Banken hat die EZB dem Patienten nach Dezember die zweite Dosis Morphium gespritzt. Damit hat die EZB den Banken mittlerweile mehr als 1.000 Mrd. Euro Liquidität praktisch umsonst zur Verfügung gestellt. Und wie schon im Januar werden sich viele dieser Banken dankbar erweisen, indem sie spanische, italienische und französische Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren kaufen und sich über die sicher verdiente Zinsmarge freuen. So kann man Staaten finanzieren, Zinskosten für diese Staaten senken und gleichzeitig seinen Banken zu mehr Gewinn verhelfen. Das klingt nach einem perfekten ‚Tischlein deck Dich‘ und genau so sieht das auch Präsident Sarkozy, der dieses Vorgehen mit Vehemenz gefordert hat. Wenn sich jemand fragt, wo denn diese 1.000 Mrd. Euro der EZB eigentlich herkommen – ja, die Antwort ist richtig: Sie kommen aus dem Nichts, sie sind einfach nur ein Eintrag in der Bilanz der EZB. Im Volksmund nennt man das ‚Geld drucken‘. Genau dieser Flankenschutz der EZB ist es, der die Politiker inzwischen trotz allem Stress der ewigen und mühsamen Rettungspaket-Verhandlungen wieder ruhig schlafen lässt. Der Vorrat an Morphium bei der EZB ist ja unbeschränkt und jetzt, wo wir wissen, dass dort jemand operiert, der gerne und jederzeit Morphium spritzt, kann man sich darauf verlassen. Aus der Medizin wissen wir, dass die Belastung des Körpers trotzdem irgendwann zum finalen Kollaps führt, auch wenn keine Schmerzen zu spüren sind.
Obwohl Frau Merkel in der internationalen Presse als die Eiserne Lady gezeichnet wird, die halb Europa mit ihrer Spardisziplin terrorisiert, sind die Weichen längst anders gestellt. Deutschland steht als einsamer Rufer da. Alle anderen großen EU-Länder wollen sich harte Reformen ersparen und werden versuchen, über eine Inflationierung das Problem der Staatsschulden an ihre Sparer und Gläubiger abzudrücken. Spanien und Italien werden diesen Weg gehen. England ist schon voll dabei mit Inflationsraten von 5% und Zinsen von 2%. Frankreich wird mit dem wahrscheinlichen Wahlsieg von Francois Hollande die ohnehin zaghaften Konsolidierungsbemühungen von Sarkozy genauso wie die von Deutschland geforderte Schuldenbremse kippen. Wenn die Achse Paris-Berlin unter Spannung gerät, dann startet die wirklich prägende Phase zur Zukunft des Euro. Derzeit sieht es so aus, als ob die großen Mittelmeerländer mit der EZB Deutschland isolieren könnten.

Historische Chance zur Sicherung langfristiger Tiefzinsen
Für den Immobilienfinanzierungskunden hat das vorerst noch positive Konsequenzen. Die Baugeldzinsen sind auf historisch tiefem Niveau festgezurrt, mit wenig Spielraum nach oben. Deutsche Staatsanleihen bleiben als Hort der Sicherheit gefragt und das drückt auch die Baugeldzinsen. Damit ist weiterhin der Baufinanzierungskunde in Deutschland der große Profiteur der Euro-Krise. Und die Immobilienpreise steigen in vielen strukturstarken Gebieten auch an. Ohne die Krise wären die Zinssätze in Deutschland, bezogen auf unsere eigene Konjunkturentwicklung, zumindest 2-3 Prozentpunkte höher. Diese historische Chance zur Sicherung langfristiger Tiefzinsen gilt es unbedingt zu nutzen, solange sie besteht.

Quelle: Zinskommentar 2012 von Interhyp vom 02.03.2012

Jan
17

Ein bewegtes Jahr in Bezug auf die Entwicklung der Baugeldzinsen liegt hinter uns. Während sich von Jahresbeginn bis Mitte April der durchschnittliche Zins für Baufinanzierungen um ca. 0,50 Prozentpunkte verteuerte, fiel er bis Jahresende um fast einen Prozentpunkt. Die Tiefststände bei Baufinanzierungszinsen vom Herbst 2010 sind annähernd wieder erreicht. Hintergrund war die sich verfestigende Schuldenkrise im europäischen Raum: Investoren flüchteten aus Anleihen schwächerer Schuldner in Anleihen von Ländern exzellenter Bonität, zu denen unter anderem auch Deutschland zählt. Infolgedessen sanken die Renditen dieser Staatsanleihen auf neue Tiefststände. Banken in Deutschland, die sich am Pfandbriefmarkt refinanzieren, profitierten von diesem allgemein vergünstigten Zinsniveau und gaben die Finanzierungsvorteile in Form günstigerer Baufinanzierungskonditionen weiter. Andere Anbieter, wie z.B. Versicherungsunternehmen, die Kundengelder in Form von Baufinanzierungen anlegen, sahen sich gezwungen, ebenfalls günstigere Konditionen anzubieten.

Um abschätzen zu können, wie sich die Zinsen in den nächsten Monaten entwickeln werden, bietet es sich an, auf die wichtigsten makroökonomischen Gegebenheiten einzugehen: Die Politik hat es leider immer noch versäumt, den Ankündigungen eines Rettungsschirms konkrete Taten folgen zu lassen. Diverse europäische Regierungen haben zwar umfangreiche und teils einschneidende Sparprogramme beschlossen, dies wird jedoch in 2012 zunächst zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesen Ländern führen. Wachstumsimpulse – auch von Seiten der Weltwirtschaft – gibt es derzeit noch nicht. Durch den nachlassenden Inflationsdruck (sinkende Wirtschaftsleistung sowie sinkende Preise für Rohstoffe) ist es wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank im ersten Halbjahr 2012 erneut den Leitzins senken wird.

Wie kritisch die Schuldensituation europäischer Staaten selbst von europäischen Banken eingestuft wird, zeigt, dass sich europäische Banken Ende Dezember fast Euro 500 Mrd. durch einen Drei-Jahres-Kredit bei der EZB geliehen haben, dieses Kapital aber nicht untereinander verliehen, was Ziel der EZB-Aktion war. Stattdessen parken die Banken das Geld in fast gleicher Höhe wieder über Nacht bei der EZB. Ursache dafür ist die Befürchtung, verliehenes Geld nicht zurück zu bekommen, weil viele Banken in Staatsanleihen investiert sind, die aufgrund von Staatspleiten oder Abstufungen durch Ratingagenturen einen Wertverlust erleiden würden, und diese Banken dann das Geld nicht mehr zurückzahlen könnten.

Auf Seiten der Staaten sehen sich europäische Schwergewichte wie Italien oder Spanien derzeit hohen Zinssätzen bei Refinanzierungen von Staatsschulden gegenüber, wohingegen Deutschland – aufgrund der guten Bonität – gerade eine sechsmonatige Anleihe platzieren konnte, bei der Investoren keine Zinsen fordern. Diese Ungleichgewichte werden auf Dauer keinen Bestand haben. Sollte es die europäische Politik in den nächsten Monaten nicht schaffen, wieder das Vertrauen der Kapitalmärkte zu gewinnen, sodass sich systementscheidende Länder wie Italien oder Spanien langfristig wieder deutlich günstiger
refinanzieren können, wird die EZB keine andere Möglichkeit haben, als Anleihen im unbegrenzten Maße am Markt aufzukaufen bzw. als Sicherheiten von Banken zu akzeptieren, um das Zinsniveau in diesen Ländern zu drücken. Andernfalls wäre ein Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion aufgrund von Staatspleiten die Folge. Sollte sich die EZB zu diesem Schritt entscheiden, hätte dies auch zur Folge, dass Investoren massiv Kapital aus deutschen Staatsanleihen abziehen und das allgemeine Zinsniveau – somit auch für Baufinanzierungszinsen – wieder deutlich ansteigt.

Auf Jahressicht erwarten wir für die Zinsentwicklung 2012 steigende Zinsen. Ob dies schnell oder eher langfristig geschieht, wird von den Handlungen der europäischen Politik und der EZB in den nächsten Wochen/Monaten abhängen. Insgesamt kann festgehalten werden, dass der deutsche Baufinanzierungsmarkt derzeit eine Sonderkonjunktur erlebt. Kunden, die jetzt oder auch in der Zukunft (Umschuldungen) finanzieren müssen, sollten sich das aktuell günstige Niveau mit langfristigen Zinsbindungen sichern. Bei der optimalen Ausgestaltung Ihrer Baufinanzierung unterstützen unsere Berater gerne. Sprechen Sie uns einfach an.

Tendenz:
Kurzfristig: Seitwärts schwankend
Langfristig: steigend

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Dr. Klein & Co. AG auf Zinsentwicklung.de

Jan
10

Euro-Krise wird auch das Jahr 2012 bestimmen
Im abgelaufenen Jahr 2011 haben Baugeldkunden in Deutschland massiv von der Schuldenkrise in Euroland profitiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deutsche Bundesanleihen von internationalen Investoren als letzter Hort der Sicherheit innerhalb des Euroraumes gesehen werden. Nicht nur die Flucht aus den Staatsanleihen der bekannten Krisenländer Griechenland, Portugal und Spanien, sondern auch Verkäufe von italienischen und französischen Staatstiteln haben die Zinsen in diesen Ländern auf Niveaus steigen lassen, die wir seit 1994 nicht mehr gesehen hatten. Also zu einer Zeit, als die einzelnen Länder in Europa noch eigene Währungen hatten und die Währungsunion nur eine Absichtserklärung war. Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und die vermeintliche Haushaltsdisziplin lassen daher deutsche Bundesanleihen als letztes gutes Risiko erscheinen und die hohe Nachfrage hat die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen unter 2% und die Verzinsung von einjährigen Staatstiteln auf nahe 0% fallen lassen. Bei einer gleichzeitig vorherrschenden Inflationsrate von rund 2,5% wird jedoch klar, dass diese Zinsniveaus derzeit weniger von rationalen Überlegungen der Investoren als vielmehr von Angst und Panik über die Zukunft des Euroraumes getrieben werden. Die Investoren akzeptieren bewusst eine deutlich negative Realverzinsung, um eventuelle Kapitalverluste aus Engagements in schwächeren Ländern zu vermeiden. Diese Verluste können bei Euroländern, die in Insolvenzgefahr geraten und deren Zinsen nach oben explodieren, plötzlich 75% des Einsatzes ausmachen, wie das Beispiel Griechenland zeigt. Dazu kommen noch die Befürchtungen, dass bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion die dann entstehenden neuen Währungen der Krisenländer signifikant an Wert verlieren würden. So lange die Marktteilnehmer daher die Lösungsversuche der europäischen Politiker als unzureichend bewerten, bleibt es bei einer Zinslandschaft, die den eigentlichen ökonomischen Fundamentaldaten in den Mitgliedsländern überhaupt nicht entspricht, ja sogar diametral entgegensteht. Das derzeit konjunkturell starke Deutschland hat viel zu tiefe Kapitalmarktzinsen und die mit Rezession kämpfenden Südländer und Frankreich sehen sich aus ihrer Sicht viel zu hohen Kapitalmarktzinsen gegenüber, die Investitionen und die Finanzierung bestehender Schulden praktisch unmöglich machen. Damit wird auch schnell verständlich, dass es der Politik in 2012 dringend gelingen muss, den Glauben an die Fähigkeit aller Mitgliedsländer wiederherzustellen, dass diese ihre Schulden bedienen können. Je länger die Zweifel darüber bestehen bleiben, desto länger wird diese Zinsdivergenz bestehen bleiben und es ist völlig ausgeschlossen, dass unter diesen Umständen die Krisenländer in der Lage sein werden, den Spagat zwischen Budgetkonsolidierung und Wirtschaftswachstum zu schaffen. Ein Land nach dem anderen wird dann zum Transferempfänger und zum unwiderruflichen Sanierungsfall. Und es ist auch klar, dass sich Deutschland vielleicht ein Griechenland, aber nicht fünf davon leisten kann.

Baugeldkonditionen könnten steigen
Da die Politik Zeit braucht, um die schwierigen Anpassungen in den europäischen Verträgen hin zu einer integrierten Wirtschafts- und Finanzpolitik zu schaffen, kommt in 2012 der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Schlüsselrolle zu. Die Notenbank muss das System am Laufen halten, um den Kollaps zu vermeiden. Die ihr zur Verfügung stehenden Mittel sind Geld zu drucken und die Zwischenfinanzierung der Staaten sicherzustellen. Dazu wird sie die Leitzinsen tief halten und mehr und mehr Staatsanleihen schwacher Länder aufkaufen. Wir gehen also davon aus, dass die EZB die Schleusen öffnen wird. Dann sollte es zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen „Short Krisenländer – long Bundesanleihen“ schließen und die Belastungen für Deutschland über Transferleistungen in den folgenden Jahren drastisch zunehmen würden. Die Zinsprognose 2012 könnte deshalb auch zu einem deutlichen Anstieg der Baugeldkonditionen in Deutschland im Laufe des ersten Halbjahres 2012 führen.

Langfristige Zinssicherheit ist oberstes Gebot
Im späteren Jahresverlauf gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die langfristigen Kapitalmarktzinsen in Euroland grundsätzlich sehr tief zu halten, um einen Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. Eine Vorgehensweise, wie sie auch schon von der amerikanischen und britischen Zentralbank praktiziert wird. Das sollte im Verlauf der Zinsentwicklung 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zu Gute kommen. Das Gebot der Stunde heißt aber: die aktuellen historisch tiefen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben. Damit wird die Immobilieninvestition mit Kalkulationssicherheit versehen und zukünftige Verwerfungen an den Kapitalmärkten können ohne Stress für die Finanzierung des eigenen Heimes beobachtet werden.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 06.01.2012

Dez
29

Mit 2011 geht ein Jahr historisch niedriger Zinsen für Bauherren und Immobilienkäufer zu Ende. Interhyp nimmt den Jahreswechsel zum Anlass, um auf die wichtigsten Marktentwicklungen und deren Folgen für Baugeld-Konditionen einzugehen und gibt Tipps, worauf Häuslebauer und Eigenheimbesitzer in 2012 achten sollten.

IMMOBILIENMARKT – Angebotsmangel, steigende Preise und Steuern
In Zeiten geringer Guthabenverzinsung, hoher Inflation und volatiler Aktienmärkte haben viele Deutsche auf die als sicher geltende Immobilie gesetzt. So war das Jahr 2011 von einer starken Immobiliennachfrage geprägt, die vor allem in Ballungszentren zu steigenden Preisen geführt hat: Laut Marktbericht des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wurden beispielweise bei Bestandswohnungen in München Preissteigerungen von 9,7 Prozent seit dem Frühjahr erreicht. Auch in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg ist der Markt stellenweise wie leergekauft, entsprechend ähnliche Preisentwicklungen sind dort zu sehen.

In solch umkämpften Immobilienmärkten ist es wichtiger denn je, schnell und verbindlich einen Kauf zusagen zu können. Interhyp hat auf diesen veränderten Markt reagiert und bietet seit diesem Jahr einen neuen Service an, die VorausBeratung: Kaufinteressenten klären mit ihrem Interhyp-Berater bereits ohne konkretes Objekt ihren Finanzierungsbedarf, um mit einem fertigen Finanzierungskonzept in der Tasche ihre Chance auf den Zuschlag für ihre Wunschimmobilie zu erhöhen.

Neben dem vielerorts ausgeprägten Mangel an Immobilien wird zudem in 2012 auch deren Erwerb in einigen Bundesländern teurer: Die Grunderwerbsteuer steigt auf fünf Prozent in Schleswig-Holstein (ab Januar), Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (voraussichtlich zum 1. März), Berlin (zum 1. April), und Mecklenburg-Vorpommern (voraussichtlich Mitte 2012).

Interhyp rät: Wer die Möglichkeit hat, sein Kaufvorhaben noch vor den geplanten Erhöhungen unter Dach und Fach zu bringen, sollte sich beeilen. Immobilienkäufer, die vor der Steueranhebung den Kaufvertrag unterschreiben, zahlen den bisherigen Satz – und können so leicht mehrere Tausend Euro sparen.

BAUGELD – Auch 2012: niedrige Zinsen, langfristig sichern
Robert Haselsteiner, Zinsexperte der Interhyp AG, analysiert das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2012: “In 2011 haben Baugeldkunden in Deutschland massiv von der Schuldenkrise in Euroland profitiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deutsche Bundesanleihen von internationalen Investoren als letzter Hort der Sicherheit innerhalb des Euroraumes gesehen wurden. Nicht nur die Flucht aus den Staatsanleihen von Krisenländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien, sondern auch Verkäufe von italienischen und französischen Staatstiteln haben die Zinsen in diesen Ländern auf Niveaus steigen lassen, die wir seit 1994 nicht mehr gesehen hatten.

Falls also die Schleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) in den nächsten Monaten geöffnet werden, sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen ‚Short Krisenländer – long Bundesanleihen‘ schließen und die Belastungen für Deutschland über Transferleistungen in den folgenden Jahren drastisch zunehmen würden. Das könnte in Deutschland auch zu einem deutlichen Anstieg der Baugeldkonditionen in den ersten Monaten von 2012 führen.

Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen in Euroland sehr tief zu halten, um den Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. Das sollte im Verlauf von 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zugutekommen.”

Bei der Zinsentwicklung 2012 heißt das Gebot der Stunde aber auf jeden Fall: Die aktuell historisch tiefen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben. Damit wird die Immobilieninvestition mit Kalkulationssicherheit versehen und zukünftige Unwägbarkeiten an den Kapitalmärkten können ohne Stress für die Finanzierung des eigenen Heimes beobachtet werden. Interhyp rät zudem, neben möglichst langen Zinsfestschreibungen von 15 Jahren oder mehr eine anfängliche Tilgungshöhe von mindestens zwei Prozent zu vereinbaren. So nutzen Immobilienkäufer die niedrigen Zinsen für eine schnelle Entschuldung.

Quelle: Pressemitteilung der Interhyp AG vom 28.12.2011

Dez
16

Die letzten Tage waren wieder einmal von besonderen Nachrichten gekennzeichnet. Der EU-Gipfel war nicht in der Lage, eine große Lösung unter Einbeziehung aller EUMitglieder zu präsentieren, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat, wie gemeinhin erwartet, die Leitzinsen gesenkt. Die aktuellen Beschlüsse des EU-Gipfels sehen nunmehr eine Schuldenbremse vor. Die Neuaufnahme von Schulden soll begrenzt werden. Kenngröße ist hier das Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes. Diese Regelung soll in die nationalen Verfassungen aufgenommen werden. Sofern ein Mitgliedsstaat höhere Defizite hat, muss der EU-Kommission ein Reformprogramm vorgelegt werden. Deren Umsetzung soll streng überwacht werden. Diese Vereinbarung wird leider nur von einem Teil der EU-Staaten mitgetragen. Durch sehr weitgehende Forderungen behinderte insbesondere Großbritannien eine Einigung im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten. Zwischenstaatliche Verträge sollen nun bis März nächsten Jahres vorliegen.

Zusätzlich wurden auch kurzfristige Maßnahmen beschlossen, die den Euro stabiler machen sollen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen weitere 200 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, damit dieser strauchelnden Eurostaaten beistehen kann. Die Mittel sollen von den Zentralbanken kommen. In der Deutschen Bundesbank gibt es dazu aktuell rechtliche Bedenken. Die Bundesbank will deshalb einen weiteren Beschluss des Bundestages bewirken.

Angela Merkel ist mit den ausgehandelten Kompromissen sehr zufrieden. Etliche Experten fordern aber weiterhin den unbeschränkten Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Die deutsche Regierung wehrt sich nach wie vor vehement dagegen. Es ist leider sehr unwahrscheinlich, dass die Gipfelergebnisse allein die Probleme für die Zukunft lösen können.

In diesen schweren Krisenzeiten unterstützt auch die EZB die Politik bei der Lösung der Euro-Krise. Sie senkte den Leitzins. Durch diese Maßnahme sollen vor allem die schwächelnde Konjunktur gestützt werden und Banken, die wegen der Schuldenkrise besonders betroffen sind, Hilfe erhalten. Wir gehen davon aus, dass die EZB diese Niedrigzinspolitik auch in 2012 weiterführen wird. Der EZBChef Mario Draghi erteilte dem umfangreicheren Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ebenfalls eine Absage. Inwieweit er diese Position halten kann, wenn Eurostaaten in echte Notsituationen geraten, z.B. weil sie kein frisches Geld mehr bekämen und deshalb zahlungsunfähig wären, bleibt abzuwarten.

Baufinanzierungskunden konnten sich in den letzten Wochen mit sehr billigen Krediten eindecken. Diejenigen, die auch noch eine lange Zinsbindung gewählt haben, haben jetzt für die gesamte Laufzeit ihrer Finanzierung keine Zinssorgen mehr. Je nach Tagesmeldung kann sich der aktuelle Zins um einiges bewegen. In der mittleren und längeren Frist sprechen sowohl die Unsicherheit zu den Renditen von Staatsanleihen als auch die künftigen Regelwerke für Banken und Versicherungen dafür, dass die Baufinanzierungskosten steigen werden. Wir raten daher allen Kunden, günstige Phasen zu nutzen, um sich die günstigsten Finanzierungsbedingungen zu sichern. Ihr Berater unterstützt sie hierbei natürlich sehr gern. Sprechen sie uns einfach an.

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2013 der Dr. Klein & Co. AG vom 15.12.2011 auf Zinsentwicklung.de

Dez
07

Baugeldvermittler Enderlein erwartet weiterhin günstige Zinsen und hohe Nachfrage nach Objekten

Das Jahr 2012 bringt für heutige und künftige Immobilieneigentümer einige Veränderungen. Der Baugeldvermittler Enderlein aus Bielefeld hat die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

Steuer: Vermietungen an Angehörige einfacher
Wer eine Immobilie besitzt und im Objekt Wohnungen an Familienangehörige vermietet, kann sich ab 2012 laut Enderlein über Vereinfachungen freuen. Hintergrund ist das Steuervereinfachungsgesetz. Wenn eine Immobilie an nahe Verwandte vermietet wird, entfallen ab Januar die Prognoserechnungen über die Gewinnerzielungsabsicht für die kommenden 30 Jahre. Voraussetzung: Es muss ein üblicher Mietvertrag geschlossen werden und die Miete muss mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete ausmachen.

Wohneigentumsprogramm bei preiswerten Immobilien besser
Beim Wohneigentumsprogramm (124/134) der KfW wird der maximale Finanzierungsanteil der Gesamtkosten ab 2012 von 30 Prozent auf 100 Prozent erhöht, der Förderhöchstbetrag wird dagegen von 75.000 Euro auf 50.000 Euro verändert. „Für alle Immobilien bis zu 166.000 Euro Kaufpreis bringt dies dem Eigennutzer daher de facto mehr Geld“, rechnet Manfred Hölscher vor. Ab einem Kaufpreis von 170.000 Euro steht der Käufer hingegen künftig etwas schlechter da als bei der noch bis zur Jahresende gültigen Förderung.

Grunderwerbsteuer: Mehrausgaben beim Immobilienkauf in 2 Bundesländern
Ab 1. Januar und 1. März 2012 schrauben auch Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die Grunderwerbsteuer von 3,5 auf 5 Prozent. „Besonders Kapitalanleger, die in größere Objekte investieren, werden die Steuererhöhung zu spüren bekommen“, sagt Manfred Hölscher. Die höheren Kaufnebenkosten haben insgesamt jedoch keinen übermäßigen Einfluss auf die Rendite. Wichtiger sei die Objektzustand und die künftige Vermietbarkeit. Für Eigennutzer, die eine Immobilie kaufen, hält sich die Teuerung in Grenzen. Bei einem Appartement für 100.000 Euro müssen ab Januar 1.500 Euro einmalig mehr berappt werden.

KfW: Förderung nur noch bei Energieeffizienz
Ab Januar 2012 ist es nicht mehr möglich, allgemeine Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen über das KfW-Wohnraum Modernisieren (Nr. 141) zu finanzieren. „Lediglich wenn es sich um energieverbessernde Maßnahmen handelt, können zinsgünstige Kredite beantragt werden“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Nach seinen Worten können Immobilienbesitzer durch das Zinstief allerdings auch normale Modernisierungskredite vergleichsweise zinsgünstig abrufen. Für Kreditsummen zwischen 5.000 und 60.000 Euro seien beispielsweise spezielle Modernisierungs- und Energiedarlehen mögliche Alternativen. Die Zinsen liegen derzeit bei etwa 5 Prozent. Baugeldvermittler helfen Kreditnehmern durch den Angebotsdschungel.

Altersgerechter Umbau weiterhin mit Förderung
Anders als vorgesehen, führt die KfW Bankengruppe die Förderung von altersgerechtem Umbau 2012 fort. In 2011 können Eigentümer, Mieter oder Wohnungsunternehmen Förderkredite noch zu besonders günstigen Zinssätzen über die Hausbanken (besser die Finanzierungsinstitute) beantragen. Die Hausbanken (siehe wie vor) können die Anträge zu den aus Mitteln des Bauministeriums verbilligten Zinssätzen zwischen 1,00 und 1,56 Prozent noch bis 16. Dezember 2011 bei der KfW einreichen. Der maximale Kreditbetrag beträgt 50.000 Euro pro abgeschlossener Wohneinheit. Wie hoch die Zinsen ins 2012 sein werden, steht noch nicht fest.

Zinsenentwicklung 2012: Anhaltend gute Aussichten für Kreditnehmer
Nachdem die Zinsen für Immobilienkredite 2011 ein neues Allzeittief erreicht haben, können Immobilienkäufer bei der Zinsentwicklung 2012 grundsätzlich ebenfalls mit niedrigen Zinsen für Darlehen rechnen. „Durch die enormen Unsicherheiten auf den Märkten ist eine Vorhersage der Konditionen kaum möglich. Es allerdings davon auszugehen, dass die Zinsen für Darlehen zwischen 3 und 4 Prozent zu haben sind. Junge Kreditnehmer mit hohem Finanzierungsbedarf sollten zu Krediten mit Zinsbindungen von mindestens 10 Jahren greifen, besser sind jedoch 15 oder 20 Jahre. Zudem sind Anfangstilgungen von mindestens 2 Prozent empfehlenswert.

Preisentwicklung Immobilien
2012 ist laut Enderlein mit einer anhaltend starken Nachfrage nach Immobilien zu rechnen. „Die Unsicherheit an den Märkten wird dafür sorgen, dass Privatpersonen und Investoren gleichermaßen in Sachwerte investieren“, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Die Preise für Immobilien dürften weiter leicht anziehen.

Quelle: Pressemitteilung der Enderlein & Co. GmbH vom 06.12.2011

Dez
06

EZB-Käufe werden kommen
Der Druck auf Angela Merkel nimmt täglich zu. Nicht nur die Anleger auf den Finanzmärkten treiben seit Wochen die Renditen von Spanien und Italien zu neuen Höchstständen und erzwingen damit kurzfristige Antworten der Politik. Auch die europäischen Politiker selbst erhöhen den Druck auf Deutschland, seine gewohnten Prinzipien aufzugeben. Nicolas Sarkozy kämpft um die Chance einer Wiederwahl bei den kommenden Präsidentschaftswahlen und versucht den unmöglichen Spagat zwischen Verschonung seiner Wähler und Sparmaßnahmen, die ihm das AAA-Rating für sein Land retten könnten. Den Ausweg hat er schon längst gefunden und so versucht er seit Wochen Angela Merkel davon zu überzeugen: Die Europäische Zentralbank (EZB) muss die Schleusen aufmachen und sicherstellen, dass alle Euroländer ihre Staatsfinanzierung durch Aufkäufe der EZB sichern können. Die nächste rhetorische Attacke kam am Mittwoch von Währungskommissar Oli Rehn. Der stellte sich plötzlich vor die Fernsehkameras und erklärte, dass sich das Schicksal des Euro in den nächsten zehn Tagen entscheiden werde. Damit haben alle Marktteilnehmer begonnen, die Tage runterzuzählen. Der Druck für Merkel und Sarkozy, bis zum Gipfel am nächsten Wochenende eine wahrhaft umfassende Lösung zu präsentieren, ist noch einmal dramatisch gewachsen. In gegenseitiger Abstimmung haben die großen Notenbanken der Welt die Refinanzierung für Banken günstiger gemacht und damit eine Kursrally an den Börsen ausgelöst, da immer mehr Investoren inzwischen glauben, dass das der nächste Hinweis auf die “große Lösung” ist: Die uneingeschränkte Erklärung der EZB, dass sie alle Anleihen von Krisenstaaten kaufen wird, die ihr angeboten werden. Immer noch hält Frau Merkel an ihrer Rhetorik fest, dass sie weder Eurobonds noch EZB-Käufe zulassen wird. Tatsache ist aber, dass sie fünf vor zwölf einknicken und das für sie einfach zu argumentierende Eingreifen der Notenbank zulassen wird. Schließlich ist die EZB ja “unabhängig”. Wenn die EZB daher bereit ist, diesen Schritt zu gehen, so kann das Frau Merkel gar nicht verhindern. Vielmehr wird sie sich dafür feiern lassen, dass sie die “Pest”, nämlich Eurobonds, die direkt den Kredit Deutschlands unterminieren würden, verhindert hat.

Schulden werden weginflationiert
Es wird auch argumentiert werden, dass damit die Zeit gewonnen wird, um nachhaltige Änderungen in den EU-Verträgen umzusetzen – mit automatischen Sanktionen und harten Strafen für Sünder. Was passiert aber mit den enormen Staatsschulden, die ja aufgrund von Sparprogrammen, schwächerer Konjunktur und damit ausfallenden Steuereinnahmen zumindest in den nächsten zwei Jahren eher weiter ansteigen werden, bevor eine Chance besteht, über die mittelfristigen Wirkungen einen tatsächlichen Rückgang der Neuverschuldung oder gar einen Schuldenabbau zu sehen? Mit dem Eingreifen der EZB wird im letzten großen Wirtschaftsraum das Projekt “weginflationieren der Schulden” gestartet. Die USA machen das schon seit zwei Jahren vor. Die Notenbank setzt bei der Zinsentwicklung 2012 die kurzfristigen Zinsen auf Null und manipuliert dann auch für die Zinsentwicklung 2013 die langfristigen Zinsen für Staatsanleihen durch massive Aufkäufe gegen Null. Damit finanziert der Staat sich zu minimalen Kosten und kann auch eine exorbitante Staatsschuld locker bedienen. Parallel steigen die Preise durch eine immer größere Geldmenge, die im Umlauf ist (die Notenbank druckt ja schließlich Geld, um die Staatsanleihen kaufen zu können). Inflation entsteht. Das heißt aber auch, dass die Wirtschaft nominal wächst, auch wenn real davon nichts übrigbleibt. Die Staatsverschuldung hat im Nenner das nominale Bruttoinlandsprodukt. Im Zähler steht der nominale Schuldenstand. Sind die Zinsen für eine längere Periode extrem tief bzw. deutlich unter der Inflationsrate, dann wird der Zähler im Vergleich zum Nenner kleiner. Die Verschuldungsquote sinkt.

Aber wer bezahlt für diese “Rückführung der Verschuldung”? Jeder Sparer. Egal ob er direkt Staatsanleihen mit extrem tiefer Rendite kauft, einen Rentenfonds, eine Kapitallebensversicherung oder ein Tagesgeld- oder Sparkonto bei der Bank hat. Schon jetzt handeln deutsche Bundesanleihen mit einjähriger Laufzeit bei 0% Rendite. Zehnjährige Bundesanleihen liegen knapp über 2%. Rechnet man davon noch die Steuer ab, bleiben bestenfalls 1,5% übrig bei jetzt schon 2,5% Inflationsrate in Deutschland. Das Spiel hat also schon längst begonnen. In England liegt die Inflationsrate bereits bei 5% und die zehnjährigen Staatsanleihen rentieren bei 2,2%. Das zeigt, was eine Notenbank, die mit der Regierung kooperiert, bewegen kann.
Steigende Baugeldzinsen zum Jahresende möglich – Zinsprognose 2012
Sollten also die Schleusen der EZB in den nächsten zwei Wochen geöffnet werden, dann sollte das zu fallenden Zinsen in den Krisenländern führen, während die Zinsen für längere Bundesanleihen vorerst deutlich steigen könnten, da viele Investoren ihre spekulativen Positionen “Short Krisenländer – long Bundesanleihen” schließen würden. Bezüglich der Zinsprognose 2012 könnte ein deutlicher Anstieg der Baugeldkonditionen gegen Jahresende die Folge sein. Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen grundsätzlich in Euroland sehr tief zu halten. Das sollte 2012 auch deutschen Hypothekenkunden wieder zu Gute kommen.

Quelle: Kommentar zur Zinsentwicklung 2012 der Interhyp AG vom 02.12.2011